Montage: Logo der Deutschen Bank vor der Commerzbank-Zentrale

"Ohne erkennbaren Plan, ohne Vision und ohne Rückhalt": Der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank fordert mit klaren Worten vom Vorstand, die Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank zu stoppen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sparzwang, Fusionspläne - schlechte Stimmung in der Commerzbank

Commerzbank-Logo.
Ende des Audiobeitrags

In der Commerzbank wächst der Widerstand gegen eine mögliche Fusion mit der Deutschen Bank: Der Gesamtbetriebsrat des Instituts fordert von den Commerzbank-Vorständen den Abbruch der Gespräche.

Der Vorstand stürze sich "ohne erkennbaren Plan, ohne Vision und ohne Rückhalt in ein unbeherrschbares Abenteuer", warnte der Gesamtbetriebsrat in einer am Mittwoch verschickten Protestnote an die Commerzbank-Chefs, die dem hr vorliegt.

Kritiker fürchten Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen

"Es ist an der Zeit, den Schaden jetzt zu begrenzen", schreiben die Arbeitnehmervertreter und fordern den Vorstand um Konzernchef Martin Zielke auf, Abstand von der Fusion zu nehmen. Diese habe "im Management, bei den Mitarbeitern, in den Gremien, bei den Kunden unserer Bank wie auch in der Gesellschaft keinen Rückhalt", formuliert der Betriebsrat. "Schon jetzt ist festzustellen, dass bereits in dieser Phase der Gespräche Kunden besorgt und erbost der Bank den Rücken kehren wollen."

Die beiden Privatbanken hatten kürzlich erklärt, dass sie über einen Zusammenschluss beraten. Kritiker befürchten, dass eine Fusion bis zu 30.000 Jobs kosten könnte.

Commerzbank steigert Gewinn ums Siebenfache

Im jüngsten Geschäftsbericht der Commerzbank, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, äußerte sich Konzernchef Zielke unterdessen zuversichtlich: "Für das laufende Geschäftsjahr erwarten wir unter dem Strich ein leicht höheres Konzernergebnis als im Vorjahr." 2018 hatte das seit Herbst im MDax notierte Institut 865 Millionen Euro Gewinn gemacht und damit fast siebenmal so viel wie ein Jahr zuvor (128 Mio Euro).

Größter Anteilseigner der Commerzbank ist mit gut 15 Prozent der Bund. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär - der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies - betonen seit Monaten, Deutschland brauche starke Banken. Die Bundesregierung stehe "wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber".

Deutsche Bank: Kein Druck

Unterdesssen widersprach Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner am Mittwoch Vermutungen, Scholz habe die Deutsche Bank zu einer Fusion gedrängt. Der Minister habe "in keiner Art und Weise" Druck auf ihn oder die Bankführung ausgeübt.

Die Deutsche Bank werde sich noch vor Ende April zu den Überlegungen äußern. Bis zur Vorlage der Quartalszahlen am 26. April werde die Bank ein "Update" dazu geben, kündigte er an. Die Entscheidung liege bei den Vorständen beider Geldhäuser, sie würden dabei von den Aufsichtsräten unterstützt.