In Buchhandlungen wie hier in Frankfurt dürfen ab Montag (8. März) wieder Kunden bedient werden.

Die angekündigten Corona-Lockerungen ab Montag sorgen unter anderem bei Buchhändlern für Freude. Der übrige Einzelhandel bleibt frustriert zurück. Auch aus der Opposition im Landtag kommt Kritik an den Beschlüssen.

Videobeitrag

Video

zum Video Reaktionen zu Corona-Maßnahmen

hs_040321
Ende des Videobeitrags

Buchhändler gehören zu den wenigen Unternehmen, die positiv auf die neuen Corona-Regeln reagiert haben, die ab kommenden Montag auch in Hessen gelten sollen. Nach einem Beschluss der Bund-Länder-Konferenz vom Mittwoch dürfen Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte bei Einhaltung von Abstands- und Hygieneauflagen bundesweit wieder öffnen. Grundsätzlich wird der Lockdown aber zunächst bis zum 28. März verlängert.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wertete die Lockerungen als Anerkennung der besonderen Bedeutung von Buchhandlungen. Indem die Politiker "Buchhandlungen den Geschäften des täglichen Bedarfs zuordnen, erkennen sie den wichtigen Beitrag an, den diese für unsere Gesellschaft leisten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, am Donnerstag.

"Sie sind Orte des kulturellen Austauschs, der Inspiration und der Vermittlung von Inhalten." Die Entscheidung sei auch in wirtschaftlicher Hinsicht wichtig, die Ladenschließungen hätten die Branche sehr belastet. Die meisten Geschäfte des Einzelhandels sind seit dem 16. Dezember bundesweit geschlossen.

"Lockdown im Handel wird fortgeschrieben"

Enttäuscht reagierten Vertreter des Einzelhandels: "Wir hätten uns gewünscht, dass eine deutlichere Öffnungsstrategie zu erkennen ist. Nun wird vielmehr der Lockdown im Handel fortgeschrieben", sagte der Präsident des hessischen Handelsverbands, Jochen Ruths, am Donnerstag.

"Die Entscheidungen berücksichtigen nicht die Leistungen des Einzelhandels, mit funktionierenden Hygienekonzepten ein risikoarmes Einkaufen zu ermöglichen und basieren ebenso nicht auf den Evidenzen neuester Untersuchungen."

Positiv sei, dass mit "Click and meet"-Angeboten, also Einkaufen etwa mit einer vorherigen Terminvereinbarung, der Handel eine "längst überfällige" Möglichkeit erhalte, Kunden in den Geschäften zu empfangen. Dies könne aber nur eine kurzfristige Überbrückung zur Öffnung sein.

Öffnungsplan für alle Branchen gefordert

"Die Beschlüsse sind frustrierend für Hessens Wirtschaft", kommentierte der Präsident des hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK), Eberhard Flammer, am Donnerstag in Wiesbaden. "Sie geben den hessischen Betrieben nach quälend langen Wochen kaum Perspektiven, dafür jede Menge Fragezeichen."

Viele Unternehmen könnten den Ruf nach einer erneuten Kraftanstrengung nicht mehr hören, mahnte Flammer. "Sie sind ausgezehrt." Der HIHK fordere deswegen schnellere Öffnungen und einen wirklich verlässlichen Öffnungsplan für alle Branchen. Zudem müsse es eine schnellere Zulassung und Beschaffung von Tests sowie zügigeres Impfen geben.

"Wir brauchen endlich politische Entscheidungen, die das Verhältnis von Gesundheitsschutz und Wirtschaften langfristig tragfähig machen", betonte der HIHK-Präsident. Der pauschale Lockdown für hessische Betriebe werde von Tag zu Tag unverhältnismäßiger.

SPD kritisierte Bouffier

Kritik an den Maßnahmen kommt auch aus den Reihen der hessischen Landtags-Opposition Nancy Faeser, Vorsitzende der SPD-Fraktion, kritisierte dabei insbesondere Bouffier (CDU) selbst, der bei Bürgern und Unternehmen zuletzt große Erwartungen geweckt habe und nun nicht liefere.

Er sei mit seiner "Politik der voreiligen Ankündigungen" gescheitert, sagte Faeser am Donnerstag in einer Mitteilung. Jetzt müsse die Landesregierung den Fokus auf das Testen und Impfen legen. "Der Dreiklang des Handelns in der Corona-Pandemie muss sein: Testen, impfen, öffnen", so Feaser, die fordert, ungenutzten Impfstoff Lehrkräften und Supermarkt-Beschäftigte anzuubieten.

Linke im Landtag: Öffnungen nicht nachvollziehbar

Auch die Linksfraktion im Landtag kritisierte die angekündigten Lockerungen: Die Bundesregierung habe es versäumt, die notwendigen Maßnahmen und Rahmenbedingungen für die ersehnten Öffnungen zu schaffen, sagte die Vorsitzende der Linksfraktion, Janine Wissler, am Donnerstag.

"So verständlich es ist, Existenznöte von Beschäftigten und Selbstständigen in den Blick zu nehmen und so sehr die Beeinträchtigungen wehtun, so sicher weisen die heute beschlossenen Lockerungsschritte in Richtung dritter Welle und erneuten harten Beschränkungen." Zudem seien die einzelnen geplanten Öffnungsschritte weder nachvollziehbar noch kontrollierbar. "Das ist das Ergebnis, wenn Interessen vor wissenschaftlicher Erkenntnis gehen", so Wissler.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 04.03.2021, 19.30 Uhr