Drei Lufthansa-Maschinen

Nach dem Einbruch ihres Passagiergeschäfts wegen der Corona-Krise muss die Lufthansa sich verschlanken. Die Airline sieht einen rechnerischen Überhang von 22.000 Vollzeitstellen. Die Gewerkschaft Ufo setzt die Zahl der gefährdeten Jobs noch höher an.

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Bei der Lufthansa stehen Tausende Stellen auf der Kippe. Die Lufthansa bezifferte den rechnerischen Überhang auf 22.000 Vollzeitstellen, wie eine Unternehmenssprecherin am Mittwoch nach einem Tarifgipfel der Lufthansa mit den Gewerkschaften Vereinigung Cockpit, Ufo und Verdi auf Anfrage sagte.

Lufthansa rechnet demnach damit, dass die Erholung der Nachfrage im Luftverkehr nur langsam verläuft. Sie geht davon aus, dass die Flotte der Lufthansa Group nach der Krise rund 100 Flugzeuge weniger zählen wird. Hinzu kämen Überhänge in der Verwaltung und im Drittkundengeschäft der Servicegesellschaften.

Ufo fordert Kündigungsschutz

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo betonte, sie sei bereit, bis zur außerordentlichen Hauptversammlung Ende Juni eine Einigung über Zugeständnisse der Mitarbeiter zu erreichen. Ziel soll es sein, über Teilzeit-Regelungen und andere Einsparungen Entlassungen zu vermeiden.

Zugleich forderte Ufo: "Die Mitarbeiter aller Airlines des Konzerns müssen einen Kündigungsschutz bekommen und daran glauben, dass das Management endlich einen gemeinsamen Kurs geht." Ufo zufolge entspricht der rechnerische Überhang 26.000 Arbeitsplätzen.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bekräftigte ihre Bereitschaft zu Zugeständnissen in Höhe von 350 Millionen Euro. Für den einzelnen Piloten bedeute dies einen Gehaltsverzicht von bis zu 45 Prozent. "Im Gegenzug erwarten wir einzig vom Konzernvorstand, dass er sich zu seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bekennt", erklärte VC-Präsident Markus Wahl. Eine Verwendung des Beitrags zur Auslagerung von Arbeitsplätzen zu schlechteren Bedingungen wäre völlig inakzeptabel. Zugleich appellierte Wahl an die Aktionäre, dem Rettungspaket für die Lufthansa zuzustimmen.

Lufthansa braucht staatliche Hilfe

Die Corona-Pandemie mit den Reisebeschränkungen hatte die Geschäfte der Lufthansa mit Ausnahme der Fracht nahezu zum Erliegen gebracht. Der Konzern benötigt daher staatliche Hilfe. Im Gegenzug für ein neun Milliarden schweres Rettungspaket einschließlich Beteiligung des Bundes an dem Unternehmen muss die Lufthansa 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben.

Aktionäre müssen Rettungspaket noch zustimmen

Die Aktionäre müssen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni noch grünes Licht für das Paket geben. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will der Hauptversammlung ein Sparkonzept präsentieren. Der Konzern, der im ersten Quartal einen Milliardenverlust eingeflogen hatte, beschäftigt rund 138.000 Mitarbeiter.

Sendung: hr-iNFO, 10.06.2020, 23.00 Uhr