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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verkehrsverbünden fehlen wegen Corona 25 Prozent der Einnahmen

RMV S-Bahn Hauptwache

Jahrelang sind immer mehr Pendler auf Bahn und Bus umgestiegen, um zur Arbeit zu kommen. Dann brachen wegen Corona Fahrgastzahlen und Einnahmen weg. Den Verlust trägt die Allgemeinheit.

Allein beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) kamen im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr 34 Millionen Fahrgäste dazu. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Und dann - kam Corona. Die Züge landauf, landab waren auf einmal leer. Die Verkehrsverbünde traf das hart: Der Betrieb lief weiter, doch die Einnahmen sanken.

Inzwischen sind die Busse und Bahnen im Rhein-Main-Gebiet wieder deutlich voller als zu Beginn der Corona-Pandemie: Im März und April waren nur 10 bis 20 Prozent der Fahrgäste unterwegs, jetzt sind es etwa 65 Prozent. Doch damit fehlen dem RMV immer noch jede Menge Kunden: Arbeitnehmer im Homeoffice oder in Kurzarbeit, Geschäftsleute, Touristen, Reisende zum Flughafen.

Einnahmeverlust von 250 Millionen Euro

RMV-Geschäftsführer Knut Ringat rechnet für dieses Jahr mit großen Einnahmeverlusten: "Wir wissen nicht, wie sich die Pandemie in den kommenden Monaten entwickeln wird. Wir gehen aber jetzt von einem Einnahmeverlust von etwa 250 Millionen Euro aus - bei geplanten Einnahmen von etwa einer Milliarde Euro." Das Minus bei den Einnahmen betrüge demnach etwa 25 Prozent.

Vor allem der Verkauf von Einzelfahrscheinen und Tagestickets ist eingebrochen. Abokunden sind dem RMV weitestgehend treu geblieben, auch weil der Verbund ihnen entgegenkam: Fahrgäste mit einer Jahreskarte konnten ihr Abo aussetzen. Das nahmen viele in Anspruch statt zu kündigen.

Zwei Rettungsschirme fangen Verluste auf

Doch das Problem bleibt: In der Corona-Krise sanken bisher die Einnahmen - bei gleichbleibenden Kosten. Es fahren genauso viele Busse und Bahnen wie vor der Pandemie, eben nur mit weniger Fahrgästen. Selbst im März und April hielten die Verkehrsverbünde durchgehend einen Großteil des Angebots aufrecht, auch auf Wunsch der Politik.

Der Staat müsse für die Verluste einspringen - was er auch tue, erklärt RMV-Chef Ringat: "Es gibt zwei Rettungsschirme: Zum einen stellt der Bund für die gesamte Branche 2,5 Milliarden Euro für das Jahr 2020 zur Verfügung. Von diesem Geld erhalten wir in Hessen zusammengenommen 181 Millionen Euro."

Weil das nicht reicht, schießt das Land Geld dazu: 250 Millionen Euro bis Ende 2023. Die Summe geht dem RMV und dem Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) anteilig zu.

NVV hofft auf Erholung bis 2024

Beim NVV liegen die Fahrgastzahlen und Einnahmen bei 75 bis 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie Geschäftsführer Steffen Müller sagt: "Ich gehe davon aus, dass wir uns in den nächsten zwei bis vier Jahren auf diesem Niveau bewegen werden. Es wäre illusorisch zu erwarten, dass wir schnell wieder auf den Stand von 2019 kommen."

Fremde Menschen auf dichtem Raum - viele wollten das erst mal nicht, schätzt Müller: "Wenn man zurückdenkt an die Zeit vor Corona, als man sich locker bewegt und getroffen hat – natürlich wirkt sich das auch auf eine Massenveranstaltung wie den ÖPNV aus."

Außerdem verändern sich gerade die Arbeitsmodelle in vielen Bereichen: Arbeitnehmer könnten in Zukunft häufiger im Homeoffice tätig sein, geschäftliche Meetings vor allem virtuell stattfinden. Damit verlören die Verbünde dauerhaft Fahrgäste und Einnahmen. Dann wären weitere Zuschüsse von Bund und Land nötig, um den ÖPNV zu finanzieren.

Sendung: hr-iNFO, 14.10.2020, 6.10 Uhr