Fraport Halbjahresbilanz

Für das zweite Quartal 2020 hat Fraport eine "Horrorbilanz" vorgelegt. Der Einbruch im Luftverkehr hat die Flughafenbetreiberin tief in die roten Zahlen gedrückt. Nun sollen Arbeitsplätze abgebaut werden.

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hessenschau kompakt von 16:45 Uhr
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Dass die Corona-Krise die Luftverkehrsbranche besonders hart getroffen hat, ist bereits bekannt. Dies hat nun auch in Frankfurt Auswirkungen auf die Beschäftigten. Wie die Flughafenbetreiberin Fraport am Dienstag mitteilte, sollen zwischen 3.000 und 4.000 Stellen am Rhein-Main-Airport abgebaut werden.

Damit wäre jeder sechste bis siebte Arbeitsplatz an Deutschlands größtem Flughafen betroffen. Insgesamt beschäftigt Fraport in Frankfurt rund 22.000 Menschen.

Tief in den roten Zahlen

Neben der natürlichen Fluktuation wolle man verschiedene sozialverträgliche Maßnahmen nutzen, über die mit den Arbeitnehmern verhandelt werde, erklärte Fraport-Chef Stefan Schulte. Ob darüber hinaus betriebsbedingte Kündigungen erforderlich werden, hänge von der Umsetzung ab. 

Die Ankündigung des Stellenabbaus erfolgte, kurz nachdem der Konzern einen Verlust von 182 Millionen Euro im zweiten Quartal 2020 bekannt gegeben hatte. Im Vorjahreszeitraum hatte Fraport noch einen Gewinn von 127 Millionen Euro erwirtschaftet. Nachdem der Flugverkehr infolge der Corona-Krise über mehrere Wochen beinahe zum Erliegen gekommen war, war der Gesamtumsatz im zweiten Quartal um rund drei Viertel gegenüber dem Vorjahresquartal eingebrochen - auf etwa 250 Millionen Euro.

Großteil der Belegschaft in Kurzarbeit

Momentan nutzt der vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt mehrheitlich getragene Konzern intensiv die Möglichkeiten der Kurzarbeit. Im zweiten Quartal galt sie für 16.000 Beschäftigte in Frankfurt. Die Arbeitszeit der Gesamtbelegschaft wurde so um 60 Prozent reduziert, der operative Aufwand wurde unter anderem durch Terminalsperrungen in Frankfurt um 30 Prozent gesenkt, konzernweit sogar um 40 Prozent.  

Schulte rechnet angesichts der anhaltenden Pandemie nur mit einer langsamen Erholung. Der Fraport-Chef prognostiziert sowohl am Heimatstandort als auch an den Auslandsflughäfen des Konzerns für 2020 Verkehrsrückgänge im hohen zweistelligen Prozentbereich. Nachdem das Passagieraufkommen im zweiten Quartal in Frankfurt rund 94 Prozent niedriger lag als ein Jahr zuvor, stand für das erste Halbjahr ein Rückgang um 63,8 Prozent auf 12,2 Millionen Fluggäste zu Buche.

Liquidität bis Ende 2021 gesichert

Noch in den Jahren 2022/2023 dürften die Passagierzahlen am Heimatdrehkreuz nach seiner Einschätzung 15 bis 20 Prozent unter den bisherigen Höchstwerten liegen, mit entsprechend weniger Arbeit für die Beschäftigten, kündigte Schulte an. Erst danach sei wieder mit einem "langfristigen, moderaten Wachstum" zu rechnen.

Um die Durststrecke zu überstehen, hat sich Fraport im ersten Halbjahr 1,3 Milliarden Euro zusätzliche Finanzmittel besorgt und mit einer neuen Anleihe im Juli weitere 800 Millionen Euro hereingeholt. Derzeit verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben über knapp 3 Milliarden Euro an liquiden Mitteln und zugesicherten Kreditlinien. Damit sei die Liquidität mindestens bis zum Ende des Jahres 2021 abgesichert.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 04.08.2020, 16.45 Uhr