Die Grafik zeigt den Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,5 auf 5,2 von März auf April 2020.

Die Corona-Krise ist jetzt auch auf dem Arbeitsmarkt angekommen: Binnen eines Monats stieg die Arbeitslosigkeit in Hessen von 4,5 auf 5,2 Prozent. Ein Drittel der Betriebe hat Kurzarbeit angezeigt.

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Die Corona-Pandemie hat massive Folgen für den hessischen Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote stieg im April auf 5,2 Prozent. Zum Stichtag waren 176.628 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur in Frankfurt am Donnerstag berichtete. Das waren 19 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im März lag die Quote noch bei 4,5 Prozent.

"Positiver Arbeitsmarkttrend abrupt beendet"

"Der positive Arbeitsmarkttrend der letzten Jahre wurde abrupt beendet", sagte der Leiter der hessischen Arbeitsagenturen Frank Martin. Zahlreiche Menschen hätten sich arbeitslos melden müssen, weil sie entlassen oder befristete Arbeitsverträge nicht verlängert wurden. Außerdem hätten sich deutlich mehr Selbstständige arbeitslos gemeldet.

Jüngere Menschen seien von den Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders betroffen - auch, weil viele Ausbildungen im Frühjahr endeten. Bei den unter 25-Jährigen erhöhte sich die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu März um rund 20 Prozent.

Die Zahl der potenziell von Kurzarbeit betroffenen Personen beziffert die Arbeitsagentur mit fast 700.000. Insgesamt seien 52.319 Anzeigen hessischer Betriebe in den Monaten März und April eingegangen - damit greife fast ein Drittel der hessischen Betriebe auf Kurzarbeit zurück. Wie viele Mitarbeiter die Betriebe tatsächlich in Kurzarbeit schicken, lasse sich erst mit den Daten für Mai ermitteln.

Hunderte Anträge täglich auf Kurzarbeitergeld

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Damit liegt die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit angezeigt haben, unter den ersten Hochrechnungen der Agentur. Viele Betriebe hätten die Kurzarbeit parallel postalisch und online angezeigt und seien daher zunächst doppelt erfasst worden. 95 Prozent der Anträge auf Kurzarbeit seien bereits bearbeitet worden. 15.000 Betriebe hätten das Geld bereits erhalten. Allerdings würden noch immer täglich hunderte Betriebe Kurzarbeit beantragen.

"Letztlich ist die umfassende Nutzung von Kurzarbeit in der aktuellen Phase ein positives Signal, da hierdurch kurzfristige Entlassungen oder gar Unternehmensinsolvenzen in großem Umfang verhindert werden", sagte Frank Martin. So habe es bei den Insolvenzen auch noch keinen nennenswerten Anstieg gegeben.

Deutlicher Anstieg bei der Grundsicherung

Laut Arbeitsagentur zeichnet sich in den Daten auch bereits der erleichterte Zugang zur Grundsicherung ab. Die Zahl der Menschen, die zusätzlich zu ihrem Einkommen Hartz IV beantragt haben, sei besonders deutlich gestiegen. Im März betraf das lediglich 71 Selbstständige, im April rund 1.700.

Unter den Angestellten stieg die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ebenfalls um ein Vielfaches - von rund 620 im März auf 2.260 im April. Bei dieser Personengruppe sei vielfach davon auszugehen, dass das Erwerbseinkommen aus Kurzarbeit nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version haben wir geschrieben, die Zahl der von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeiter liege bei 700.000. Dies ist jedoch die Summe aller Mitarbeiter der Betriebe, die in Hessen Kurzarbeit angezeigt haben. Wie viele dieser Mitarbeiter tatsächlich in Kurzarbeit geschickt werden, ist noch offen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 30.04.2020, 13.00 Uhr