Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona-Leichtsinn birgt Lockdown-Gefahr

Nachtleben auf der Straße - viele Menschen sitzen und stehen dicht beieinander.

Public Viewing, volle Kneipen, Feierstimmung: Die Corona-Moral in der Gastronomie nimmt gerade vielerorts bei Betreibern wie Gästen spürbar ab. Der Branchenverband sieht mangelnde Disziplin. Für Bars und Kneipen könnte das fatale Folgen haben.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bezeichnet die Lage als "hochproblematisch" und fürchtet die Gefahr eines erneuten Lockdowns. "Wir machen uns große Sorgen um den Herbst", sagt der Hauptgeschäftsführer von Dehoga Hessen, Julius Wagner.

Das derzeit vielerorts beobachtete Problem - egal, ob in Frankfurt, Fulda oder anderswo: Die Disziplin bei der Einhaltung der Corona-Bestimmungen lässt nach. Die Infizierten-Zahlen schießen in die Höhe. Politiker und Virologen warnen. Dennoch kommt es wieder zu bedenklicher Nähe, zum Beispiel in Bars und Kneipen.

Abstand? Fehlanzeige!

Beim Halbfinalsieg des FC Bayern München in der Fußball-Champions-League am Mittwochabend ist der neue Corona-Leichtsinn erneut zu beobachten. Dicht an dicht verfolgen Fans in ganz Hessen beim Rudelgucken vor und in Kneipen das Spiel auf Fernsehern und Leinwänden. Auf der Frankfurter Kneipenmeile Berger Straße etwa ist kaum ein freier Platz zu ergattern. Abstandhalten? Fehlanzeige!

Manche Wirte seien offenbar zu nachlässig und ließen die Gäste nach eigenem Gusto gewähren - womöglich der guten Stimmung und des Umsatzes wegen. Hessens oberster Dehoga-Vertreter Wagner sagt: "Das sind Zustände, die wir ausgesprochen kritisch beurteilen, um nicht zu sagen verurteilen." Er betont: "Es gelten nach wie vor auch in der Gastronomie die gleichen Abstandsregeln wie im gesamten öffentlichen Raum."

"Das ist Wettbewerbsverzerrung"

Die Mehrheit der Mitglieder im Hotel- und Gaststättenverband verhielten sich laut Wagner aber regeltreu, umsichtig und engagiert. Sie hätten schließlich erkannt, worum es geht - auch um ihre Existenz.

Klar ist: Erneute Einschränkungen oder gar Schließungen für die Gastronomie würden für viele Betriebe das wirtschaftliche Aus bedeuten. Und diese Wirte ärgerten sich furchtbar, wenn nachlässige Konkurrenten es nicht so ernst mit den Auflagen nähmen. "Das ist schlicht und einfach Wettbewerbsverzerrung", sagt Wagner.

Kein Mundschutz, keine Gästezettel

Besucher verfolgen in einer Bar eine Fußball-Übertragung

Auch in einer Sportkneipe bei Fulda tummeln sich am Mittwochabend mehr Gäste als manch einem lieb ist. Hinzu kommt: Die Bedienungen tragen keinen Mundschutz beim Servieren der Getränke, obwohl sie dazu verpflichtet sind. Und die Gäste-Erfassungsformulare werden nachlässig bis gar nicht ausgefüllt. Die Nachverfolgung eines möglichen Ausbruchs ist somit erschwert bis unmöglich. Nur wenn sich Gäste mit ihren Daten auf Zetteln registrieren, ist es möglich, Infektionsketten nachverfolgen zu können.

Kneipen-Gast Manfred Reith wundert sich über den Wirt und sagt als Zuschauer beim Bayern-Spiel: Es sei schon beängstigend, wenn sechs, sieben Fremde dicht an einem Tisch säßen. "Man macht sich schon Gedanken, dass das einfach so toleriert und von den Inhabern nichts dagegen gemacht wird." Rein rechtlich sind bis zu zehn Personen an einem Tisch erlaubt, die Frage nach der Corona-Moral ist beim Zusammensetzen von Kneipenbesuchern eine andere.

Minister Klose: Eigenverantwortung ernst nehmen

Der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) sieht die Verantwortung aber nicht nur bei Wirten, die ihre Gäste zur Corona-Disziplin anzuhalten haben: "Es ist weiterhin total wichtig, dass alle ihre Eigenverantwortung wahrnehmen und sich an die Regeln halten: Abstand, Hygiene und die Alltagsmasken. Das sind die wichtigsten Regeln, die uns auch noch eine ganze Weile begleiten werden. Hier kann jeder dazu beitragen, dass nicht wieder Teile des öffentlichen Lebens eingeschränkt werden müssen."

Sendung: hr-INFO, 20.08.2020, 12.10 Uhr