Ein Schild mit der Aufschrift "2G Regel - Eintritt nur für: Geimpfte oder Genesene" steht  vor einer Bar.

Nach nicht einmal einer Woche müssen Gastronomen sich wieder auf neue Corona-Regeln einstellen. 2G-plus ist nicht mehr möglich - ein Rückschlag im Weihnachtsgeschäft. Trotzdem fordern manche in der Branche einen Lockdown.

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Neue Corona-Maßnahmen in Hessen

hessenschau vom 30.11.2021
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Gerade erst hat Felix Wessling für bestimmte Abende das 2G-plus-Modell in seinen zwei Kneipen in Fulda eingeführt, da muss er schon wieder umdenken: Die erst in der Vorwoche beschlossenen verschärften Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie werden ab Sonntag noch einmal strenger.

Das trifft vor allem Ungeimpfte - aber auch für die Gastronomie gelten nach wenigen Tagen bereits wieder neue Regeln. Das 2G-plus-Optionsmodell entfällt. Für Kneipen und andere Betriebe, die nur Geimpfte und Genesene hineinlassen, bedeutet das: Sie können nicht mehr auf Maskenpflicht und Abstände verzichten.

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Diese Regeln gelten in der Gastronomie

Es gilt die 2G-Pflicht - geimpft oder genesen - und Maskenpflicht bis zum Platz für Personal und Gäste. Die 2G-plus-Regel, bei der Maskenpflicht und Abstandsregeln entfallen, gilt ab dem 5. Dezember nicht mehr. Dann darf die Maske lediglich am Sitzplatz abgenommen werden, außerdem müssen die Tische mit Abstand voneinander stehen.

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Gastronom: 2G-plus ist sicherste Variante

Felix Wessling kann das nicht verstehen. Zwar habe er anfangs Sorge gehabt, wie seine Gäste auf die Einführung des 2G-plus-Modells bei Partys am Wochenende reagieren würden. Er sah aber keine andere Möglichkeit. "Eine Party hat mit Körperkontakt zu tun", findet er. "Das bieten Abstand und Maske nicht."

Entgegen seiner Bedenken kam die Vorgabe - geimpft oder genesen sowie getestet - in seinen Läden "Alte Schule" und "Heimat" gut an. "In meinen Augen ist das die sicherste Variante, um das öffentliche Leben wieder normal - unter den Umständen - führen zu können", sagt Wessling.

Dehoga sieht in neuen Regeln "herben Rückschlag"

Diese Chance sahen zuletzt auch andere hessische Gastronomen - vor allem, weil sie dank 2G-plus und dem damit verbundenen Wegfall der Abstandsregeln ihre Kapazitäten wieder voll ausschöpfen konnten.

Julius Wagner Dehoga Hessen

Viele Betriebe hätten sich für die Anwendung von 2G-plus entschieden, um in der Vorweihnachtszeit wieder mehr Reservierungen annehmen zu können, berichtet Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer beim Hotel- und Gastronomieverband Dehoga Hessen. Die kurzfristigen Änderungen seien unglücklich und "für viele Restaurants ein herber Rückschlag".

Viele Gäste bleiben lieber zu Hause

Im Fall von Bar-Betreiber Wessling sieht dieser Rückschlag so aus: Konzepte innerhalb weniger Tage wieder ändern, seine Gäste über neue Regelungen informieren, erneut Mitarbeiter entlassen. Etwa das Sicherheitspersonal, das er erst vor kurzem für die Partys angeheuert hatte. "Ich bin müde. Ich habe keine Lust mehr, über Dinge nachzudenken, die ich gar nicht beeinflussen kann", sagt er.

Seinen Gästen scheint es ähnlich zu gehen: Wessling nimmt eine wachsende Unsicherheit wahr. Das ständige Hin und Her der Regeln sei mit ein Grund dafür, dass viele lieber zu Hause blieben. "Die Leute werden immer ängstlicher in ihrem Ausgehverhalten."

Das merke er auch finanziell, sagt Wessling: In den vergangenen Wochen habe er auch ohne die verschärften Regeln einen Umsatzrückgang von 30 Prozent hinnehmen müssen.

"Bei einem Lockdown weiß jeder, woran er ist"

Eine Beobachtung, die nicht nur auf Fulda zutrifft: Auch der Frankfurter Gastronom James Ardinast, der unter anderem die Bar Shuka im Bahnhofsviertel betreibt, stellt fest: "Es sind wieder Zeiten, in denen unsere Gäste nicht wirklich wissen, was auf sie zukommt, und das führt am Ende des Tages dazu, dass sie sich zurückziehen."

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Ardinast ist sich sicher: Es geht auf einen neuen Lockdown zu. "Und dann ist mir tatsächlich lieber, dass es konsequent durchgezogen wird. Dass jeder weiß, woran er ist und dass man das hoffentlich kurz und knapp hinter sich bringt und dann weitermachen kann."

Das sieht auch Wessling so. Falls Bund und Länder bei ihren erneuten Beratungen am Donnerstag tatsächlich einen Lockdown verhängen sollten, würde das den Gastronomen eine Entscheidung abnehmen, findet er: "Das wäre einfacher, was unser Handeln betrifft."

Dehoga: Hilfsprogramme nachbessern

Dehoga-Landeschef Julius Wagner fordert klare Nachbesserungen bei den Hilfsprogrammen, sollte es wirklich dazu kommen. "Die aktuellen wichtigen Wirtschaftshilfen sind dem Grunde nach gut, aber es ist jetzt schon absehbar, dass sie gemäß ihrer Konstruktion nicht ausreichen werden, die Umsatzverluste im Gastgewerbe aufzufangen", weiß er.

Allein im Monat November habe das hessische Gastgewerbe ein Umsatzminus von rund 40 Prozent verzeichnet. Und trotzdem: Wenn der Lockdown die vierte Welle wirksam brechen könne, spiele der Ruf einzelner Branchen nach Klarheit oder Unterstützung eine untergeordnete Rolle, findet Wagner. Schließlich gehe es um dramatische Zustände in den Kliniken und um Menschenleben.

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