Schild mit Aufschrift: Corona Selbsttest verfühbar

Die Politik gibt Unternehmen bei Corona-Tests keine Regeln vor: Es ist erwünscht, aber nicht vorgeschrieben. Bisher testen längst nicht alle Firmen ihre Mitarbeiter. Und wer es tut, muss improvisieren.

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hs 19:30 Uhr 01.04.2021 Thumbnails
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Regelmäßige Corona-Tests sollen die Pandemie eindämmen, dabei sind auch Unternehmen gefragt: Bei der Fahrradtechnik-Firma Rohloff in Fuldatal (Kassel) können sich Mitarbeiter seit drei Wochen regelmäßig mit Schnelltests auf Corona testen. Firmenchef Werner Schiller versuchte schon im Februar, sich beim Gesundheitsamt und bei der Industrie- und Handelskammer zu informieren, wie er am besten vorgehen soll.

Die Antworten waren zu diesem Zeitpunkt sehr vage, und so wurde bei Rohloff improvisiert: Seit Laientests verfügbar sind, können sich seine rund 50 Mitarbeiter zweimal in der Woche vor der Arbeit zu Hause testen. Alles freiwillig, sagt Schiller. Denn zwingen will und darf er niemanden.

Zu Hause testen, dann erst zur Arbeit

"Wie bei allem seit einem Jahr wird erstmal auf Sicht gefahren", sagt Schiller. Das heißt, was gestern noch galt, kann morgen schon wieder anders sein. Welcher Testrhythmus? Wie viele Tests? Was ist der Weg? Diese Fragen habe er sich gestellt, die Antworten musste er selbst finden. Zweimal pro Woche schien ihm ein vernünftiger Rhythmus zu sein, die Schnelltests bekommen die Mitarbeiter im Unternehmen ausgehändigt. Bevor sie morgens aufbrechen in die Firma, können sie sie durchführen. Dazu kommen alle weiteren Corona-Schutzmaßnahmen vor Ort im Unternehmen.

Unklar sei aktuell, was passiert, wenn ein Schnelltest positiv ist und ein PCR-Test ansteht: Dann entstehe ein "Zuständigkeits- und monetäres Vakuum", sagt Schiller, denn die Person müsse zu Hause bleiben, sei aber weder offiziell krankgeschrieben noch im Urlaub. Das heißt, er müsse Betroffene erst mal freistellen.

Gewerkschaft fordert Testpflicht

Die Politik hat Unternehmen bisher keine festen Regeln auferlegt. Aus Sicht der Gewerkschaften ein Fehler: Der Deutsche Gewerkschaftsbund Hessen-Thüringen (DGB) fordert eine Verpflichtung für Firmen. Testen sei ein elementarer Bestandteil der Pandemiebekämpfung, sagt der regionale DGB-Vorsitzende Michael Rudolph.

Beim Homeoffice - das die Politik lange nur mit freundlichen Appellen von Unternehmen gefordert hat - habe man gesehen, dass erst mit einer Verpflichtung die Zahl der Beschäftigten im Heimbüro nach oben ging, sagt Rudolph. Eine Testpflicht müssten auch jene befolgen, die es sonst nicht machen würden.

IHK fordert Geld vom Staat für Tests

Die Industrie und Handelskammer (IHK) hingegen setzt auf Freiwilligkeit. Ein Argument, das Gewerkschafter Rudolph den Arbeitgebern nicht durchgehen lassen will: "Wenn man wissen will, wie gut Freiwilligkeit funktioniert, kann man sich ja Frauenquote und den Anteil der im Homeoffice Arbeitenden vor Einführung der Verpflichtung angucken." Und es sei die Aufgabe der Unternehmen, die Tests auch zu bezahlen.

Bei einer Umfrage der IHK bei über 800 hessischen Unternehmen im März gaben 46 Prozent an, regelmäßig Corona-Tests zu machen oder in Kürze damit anzufangen. Rechnet man Betriebe heraus, die pandemiebedingt geschlossen sind oder keine Mitarbeiter vor Ort haben, sind es 60 Prozent. Von denen, die noch nicht testen, kritisierten 41 Prozent fehlende Informationen. Ähnlich viele gaben an, bei der Beschaffung von Testkits vor Problemen zu stehen. Mittlerweile bietet die IHK Online-Seminare für Unternehmen zum Thema an.

Die Balkendiagramm-Grafik zeigt das Ergebnis einer Blitzumfrage der IHK zum Thema Corona-Tests in Unternehmen.

Beim Geld sieht die IHK den Staat in der Pflicht: Es bräuchte eine "eine angemessene Kompensation", statt die Kosten auf die Unternehmen abzuwälzen. Gerade weil die Situation in vielen Bereichen "gerade durch politische Entscheidungen zur Pandemie-Eindämmung mehr als angespannt ist".

Rohloff-Chef: "Muss man als Firma alles vorgekaut bekommen?"

Wirtschaftliche Einbrüche hat Rohloff in Fuldatal nicht, im Gegenteil, die Fahradindustrie boomt während Corona. Aber auch sonst, findet Firmenchef Schiller, brauche es Eigenverantwortung: "Muss man als Firma immer alles vorgekaut bekommen? Nein! Wir sind frei in Entscheidungen, aber wir müssen verantwortlich handeln." Im Sinne der Gesundheit der Mitarbeiter, für Arbeitsstellen und Kunden: "Schon allein daraus sollte sich eine Bereitschaft ableiten, dass man eben nicht sagt, Hygienemaßnahmen seien Quatsch."

Schiller muss in Fuldatal nur rund 50 Mitarbeiter mit Schnelltests versorgen. Nicht weit weg ist das VW-Werk Baunatal (Kassel). 17.000 Mitarbeiter arbeiten dort. Ab kommender Woche können auch sie sich zweimal die Woche testen. Dazu verteilt VW Schnelltests, die dann zu Hause vor Dienstantritt gemacht werden können. Auf dem Unternehmensgelände steht auch ein Container für PCR-Tests bereit. Die Schnelltests beruhen auf Freiwilligkeit. Genauso wie Unternehmen aktuell nicht dazu gezwungen werden, dürfen auch Mitarbeiter sie ablehnen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 01.04.2021, 19.30 Uhr