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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dehoga-Chef: "Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen"

Straßencafé in Frankfurt, Gäste in dicken Jacken

Nach den Heizpilzen nun auch Wind- und Kälteschutz: Frankfurt und Darmstadt wollen es Gastronomen so leicht wie möglich machen, auch in der kalten Jahreszeit Gäste im Freien zu bedienen und dulden ganz unbürokratisch Schutzwände.

Das Feierabendbier oder den Erfrischungsdrink draußen genießen - was im Sommer für viele selbstverständlich ist, verliert im Herbst und Winter an Attraktivität. Corona verschärft das Problem noch - besonders für die Gastwirte, denn wegen Hygienekonzepten und der Verunsicherung der Gäste könnten kommenden Winter viele Plätze in den Lokalen leer bleiben.

Keine Genehmigungsverfahren nötig

Zwei große hessische Städte greifen deshalb den Betreibern jetzt unbürokratisch unter die Arme. Um ihnen auch in der kalten Jahreszeit die Außengastronomie zu ermöglichen, will etwa Frankfurt die Errichtung von Wind-, Kälte- und Regenschutzwänden vorübergehend dulden. Die sonst üblichen Genehmigungsverfahren für diese sogenannten fliegenden Bauten entfallen.

Bereits vor zwei Tagen hatte die Stadt Frankfurt angekündigt, die aus Umweltgründen umstrittenen Heizpilze in der kommenden Wintersaison zu erlauben. Wer aber schon einmal neben einem solchen Pilz gesessen hat, weiß, dass die erzeugte Wärme sich ohne entsprechende Schutzwände schnell verflüchtigt. Man setze auf "unkomplizierte Regelungen durch eine temporäre Duldung, um die Betreiber von Cafés und Restaurants in dieser schwierigen Situation zu unterstützen", sagte Planungsdezernent Mike Josef (SPD) laut Mitteilung vom Mittwoch.

Voraussetzung ist, dass die gültigen Corona-Verordnungen eingehalten und keine Nachbarn belästigt werden. Zudem müssen Flucht- und Rettungswege freigehalten und der sichere Betrieb der Heizstrahler oder Heizpilze gewährleistet werden. Die Duldung soll zunächst bis zum 30. April 2021 gelten. Parallel dazu hatte Frankfurt Gastwirten bereits gestattet, Außenbereiche ohne gesonderte Genehmigung zu bewirtschaften.

Windfänge und Decken "to go" in Darmstadt

Ähnlich gute Nachrichten vermeldete die Stadt Darmstadt. Dort sei Gastronomiebetrieben das Aufstellen baugenehmigungsfreier Seitenwände beziehungsweise Windfänge ohne Dach bis Ende März gestattet. Danach müssten diese wieder entfernt werden. Zudem könnten die Lokale Außenflächen in Abstimmung mit dem Ordnungsamt auch im Herbst und Winter kostenfrei weiternutzen.

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) sagte: "In Hinblick auf die kommende Wintersaison und den bevorstehenden Weihnachtsmarkt gilt es, gemeinsam an einem Strang zu ziehen." Die Stadt empfiehlt den Wirten außerdem, ihren Gästen Decken und Kissen zur Verfügung zu stellen. Geplant sei zudem die Produktion einer "Darmstadt-Decke to go". Ziel sei es, dass jeder Gast seine eigene Decke in den Außenbereich eines Lokals mitbringen könne.

Branchenverband erfreut

Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hessen zeigte sich erfreut über die Nachricht. Die Maßnahmen seien für die Branche "mega-wertvoll", sagte Hauptgeschäftsführer Julius Wagner dem hr. Sie gäben Gastronomen Planungssicherheit und eine vernünftige Möglichkeit, die Außenbereiche auch im Winter zu bewirtschaften. "Mit dieser Maßgabe haben die Gastronomen eine realistische Chance."

Wagners Worten zufolge wurde auch mit Fulda ein sogenannter Außengastronomie-Stärkungspakt geschlossen. Es zeichne sich ab, dass es solche Erleichterungen bald flächendeckend geben könnte. So würden entsprechende Gespräche bereits mit Kassel geführt. Auch aus Wiesbaden kämen positive Signale.

"Da ist uns ein Stein vom Herzen gefallen", sagte der Frankfurter Dehoga-Chef Eduard Singer. Der Gast gewinne Sicherheit, dass er nicht nur die Innenbereiche nutzen könne. Zudem habe die Stadt in Aussicht gestellt, die Regelung über April 2021 hinaus auszudehnen.

Bei Verstößen war's das

Frankfurt stellte aber auch klar, dass aus der temporären Regelung kein Bestandsschutz für die Folgezeit abgeleitet werden könne. Bei Verstoß gegen die Auflagen ende die Duldung, hieß es.

Sendung: YOUFM, 16.09.2020, 18.00 Uhr