Opel-Zentrale in Rüsselsheim

Das Opel-Werk in Rüsselsheim schließt am Dienstag. Der Mutterkonzern PSA stellt die Produktion in den kommenden Tagen europaweit ein. Die Mitarbeiter sind wegen der Ausbreitung des Coronavirus zunehmend in Sorge.

Das Opel-Werk in Rüsselsheim wird ab Dienstag bis mindestens 27. März geschlossen. Das teilte der Mutterkonzern des Autobauers, die französische PSA-Gruppe, am Montag mit. Die Schließungen betreffen auch das Opel-Werk in Eisenach (Thüringen) sowie die Motoren- und Getriebeproduktion in Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz). Opel gehört seit gut zweieinhalb Jahren zu PSA.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Opel-Mutter PSA schließt Fabriken in Europa

Opel-Mitarbeiter montieren einen Astra
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Europaweit werden bis Donnerstag die PSA-Werke in Mulhouse, Poissy, Rennen, Sochau, Hordain (alle Frankreich), Madrid, Zaragoza, Vigo (alle Spanien), Ellesmere Port, Luton (England), Gliwice (Polen), Mangualde (Portual) und Trnava (Slowakei) sukzessive vorübergehend dicht gemacht.

Gewerkschaften drängten PSA zur Schließung

Die französischen Gewerkschaften hatten die PSA-Unternehmensführung schon seit einigen Tage zu einer solchen Entscheidung gedrängt. Bei den Mitarbeitern herrsche demnach Panik wegen der Ausbreitung des Coronavirus. Die Gewerkschaften warfen der PSA-Geschäftsführung vor, mit der Schließung viel zu lange gewartet zu haben.

PSA begründete die Werksschließungen mit der in den vergangenen Tagen "beobachteten Beschleunigung schwerwiegender Covid-19-Fälle in der Nähe bestimmter Produktionsstätten, Versorgungsstörungen bei großen Zulieferern sowie mit dem plötzlichen Rückgang der Automobilmärkte".

Corona-Fall bei Opel Rüsselsheim

Nachdem am Standort Rüsselsheim ein Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden war, hatte Opel hunderte Mitarbeiter in der Verwaltung vorübergehend ins Homeoffice geschickt. Vorsichtshalber arbeite der weit überwiegende Teil der Beschäftigten im Adam-Opel-Haus derzeit von zu Hause, die Kantine sei geschlossen, hatte der Autobauer am Freitag mitgeteilt.

Mitte Februar hatte die IG Metall die Zahl der Opel-Mitarbeiter in ganz Deutschland mit knapp 15.000 beziffert. Im Werk Rüsselsheim waren es - Stand August 2019 - rund 2.600 Beschäftigte.

Auch andere Autofabriken schließen

Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie schließen immer mehr Autobauer Werke in Europa. Neben Opel kündigte auch Fiat Chrysler am Montag an, seine europäischen Fabriken vorerst zu schließen.

Volkswagen fährt die Produktion von Seat im spanischen Martorell und im VW-Werk in Navarra herunter. Auch das VW-Werk in der Nähe von Lissabon drosselt die Produktion. Grund ist dort ein Mangel an Arbeitern, nachdem die portugiesische Regierung die Schließung aller Schulen angeordnet hat. Volkswagen erwägt einem Insider zufolge außerdem, wegen fehlender Teile die SUV-Produktion im Stammwerk in Wolfsburg an zwei Tagen aussetzen. Ein VW-Sprecher sagte, die Versorgung der Werke mit Teilen werde durch die Grenzschließungen in Europa immer herausfordernder. Bisher sei die Versorgung der deutschen Werke aber gewährleistet.

Bei Audi stockt die Produktion im Werk Brüssel, weil Mitarbeiter aus Sorge um den Virenschutz die Arbeit vorübergehend niedergelegt haben. An allen übrigen Audi-Standorten laufe die Produktion normal. Bei BMW gab es keine Produktionseinschränkungen. Daimler äußerte sich zunächst nicht.

Sendung: hr-iNFO, 16.03.2020, 14.40 Uhr