Das Foto zeigt ein modernes Co-Working-Büro.

Neue Unternehmen in Hessen entstehen vor allem im Rhein-Main-Gebiet, in Ost- und Nordhessen kaum. Insgesamt ist die Zahl der Firmengründungen jedoch rückläufig. Warum, erklären wir zum Auftakt unserer Start-up-Serie.

  • Zahl der Gewerbeanmeldungen in Hessen sank zwischen 2008 und 2018 um 24 Prozent
  • Offenbach hat in Hessen die meisten Gründungen pro Einwohner
  • Hessen bei Neugründungen pro Einwohner auf Platz vier hinter Berlin, Hamburg und Bremen
  • Positives Umfeld für Gründungen: Unis, Netzwerke und schnelles Internet
  • Unternehmen werden häufiger von Männern (65 Prozent) als von Frauen (35 Prozent) gegründet

Coworking-Arbeitsplätze, Stipendien für Start-ups, Gründerzentren oder TV-Shows mit Wagniskapitalgebern für neue Geschäftsideen: Unternehmensgründungen scheinen derzeit besonders beliebt zu sein. Doch stimmt das überhaupt?

Ein Blick auf die Zahlen der vergangenen zehn Jahre zeigt das Gegenteil. Demnach werden in Hessen immer weniger Unternehmen neu gegründet. Während es 2008 noch fast 78.000 Neuanmeldungen gab, sind es zehn Jahren später nur noch knapp 59.000, wie Zahlen des Statistischen Landesamts zeigen. Ein Minus von 24 Prozent.

Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen in Hessen in den Jahren 2008 und 2018.

Gründer und Notgründer

Auch die Zahl der Gründungsinteressierten sinkt laut einer IHK-Studie seit Jahren.

Es gibt zwei Arten der Gründung, wie Ulrich Spengler, Experte für Existenzgründung beim Hessischen Industrie- und Handelskammertag (HIHK), erklärt: zum einen gebe es Gründer, die unabhängig sein wollen und eine eigene Geschäftsidee haben. Das andere seien sogenannte Notgründer, die in Zeiten einer schlechten Beschäftigungslage keinen anderen Weg sehen.

Diese Notgründer gebe es bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage kaum. Zusätzlich halte unter anderem eine zunehmende Bürokratie junge Menschen ab, sich selbstständig zu machen.

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Serie: Junge Unternehmen in Hessen

In unserer Serie "Junge Unternehmen in Hessen" stellen wir in den kommenden Tagen vier Start-ups aus Hessen vor:
Donnerstag: Vreo aus Frankfurt will Werbung in Games revolutionieren
Freitag: Im Robo-Studio sollen Kinder programmieren lernen
Samstag: Mehr Ernte dank App des Darmstädter Unternehmens Solorrow
Sonntag: mAIdical rückt Augenkrankheiten mit Künstlicher Intelligenz zu Leibe

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Enthusiasmus in Rhein-Main, wenig Gründungen in Kassel

Spitzenreiter bei Gründungen in Hessen sind weiter die Großstädte und vor allem das Rhein-Main-Gebiet. Die meisten Gründungen pro Einwohner gibt es in Offenbach. Auf 1.000 Einwohner kommen hier 14 Neugründungen. Frankfurt belegt den zweiten Platz. Hier melden 10 von 1.000 Einwohnern ein neues Unternehmen an.

Auch Darmstadt, Wiesbaden und Gießen sind vorne dabei. Besonders wenig an der Gründerszene beteiligt ist der gesamte Regierungsbezirk Kassel. Hier gibt es nur halb so viele Neugründungen wie beispielsweise in Frankfurt.

Vergleich Städte Hessen Gewerbeanmeldung

Unis, Netzwerke und Infrastruktur

Grund dafür sind vor allem die intensiveren Netzwerke, ein größerer Absatzmarkt, die bessere Infrastruktur und die Breitbandversorgung im Ballungsgebiet. "Zudem gibt es zahlreiche Hochschulen, die motivieren ein Start-up zu wagen und Angebote wie Gründerzentren und Coworking Spaces", sagt HIHK-Experte Spengler.

Um auch im ländlichen Raum mehr Gründungen zu fördern, müsse die Internetversorgung und die Unterstützung bei der Netzwerkbildung verbessert werden.

Im bundesweiten Vergleich steht Hessen recht gut da. Rechnet man die Zahl an neuen Unternehmungsgründungen im Jahr 2018 auf die Einwohnerzahl des Bundeslandes runter, gibt es nur wenige Länder, die mehr gründen. Die Stadtstaaten machen Hessen den Einzug unter die Top 3 strittig. Auf dem ersten Platz landet Berlin, hier gibt es die meisten Neugründungen pro Einwohner. Dicht gefolgt von Hamburg und Bremen. Hessen landet auf dem vierten Platz.

Landesregierung bietet Förderungen

Finanzierungsmöglichkeiten für junge Unternehmen und insbesondere für Start-ups gibt es in Hessen zahlreiche. Neben Stipendien von Stiftungen und Initiativen, gibt es auch Förderprogramme vom Land.

Erst im Juni gab die Landesregierung die Gründung eines neuen Start-up-Fonds bekannt. Mit dem "Futury Venture Fonds Deutschland-Hessen" sollen junge Unternehmen gefördert werden. Das Konzept dahinter gibt es in dieser Form in Deutschland noch nicht. Die Landesregierung und private Investoren stellen Start-ups Geld zur Verfügung, um die Geschäftsidee zu verwirklichen. Unterstützt werden können junge Gründer mit bis zu 20 Millionen Euro.

Frauen unterrepräsentiert

Unternehmen werden auch in Hessen mehrheitlich von Männern gegründet. Frauen sind unterrepräsentiert. Nur 35 Prozent der Gründer von Einzelunternehmen sind weiblich, 65 Prozent männlich.

Die Vereinbarkeit einer Selbstständigkeit mit der Familie sei weiterhin ein großes Problem, sagt HIHK-Experte Spengler. Vor allem die nicht ausreichenden Betreuungsangebote für Kinder seien ein Hindernis für Frauen.