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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie geht es mit dem Kasseler Bombardierwerk weiter?

Schriftzug des Bombardierwerks in Kassel.

Bombardier will seine Zugsparte an den französischen Konzern Alstom verkaufen. In Kassel arbeiten derzeit 650 Menschen für das kanadische Unternehmen.

Der hoch verschuldete kanadische Bombardier-Konzern will seine Zugsparte verkaufen - an den französischen Konkurrenten Alstom. Noch muss das allerdings die EU-Wettbewerbskommission genehmigen. Die Fusion von Alstom mit der Siemens-Zugsparte untersagte sie vor einem Jahr.

Rund 650 der insgesamt 9.000 Bombardier-Beschäftigten in Deutschland arbeiten in Kassel. Dort werden Diesel-Loks zusammengebaut, E-Loks und eine Hybrid-Serie, die beide Antriebsarten miteinander vereint. Pro Jahr wurden in Kassel zuletzt rund 100 dieser Loks fertiggestellt und ausgeliefert.

Werk mit 170-jähriger Geschichte

Der kriselnde Bombardier-Konzern unternahm schon mehrfach Anläufe, das relativ kleine Werk Kassel zu schließen und die Produktion an andere Standorte zu verlagern. Das scheiterte nicht zuletzt am massiven Widerstand der Region. Das Traditionswerk blickt zurück auf eine 170-jährige Geschichte, die lange vor Bombardier ihren Anfang nahm. Die Eisenbahn-Industrie ist ein Stück nordhessischer Identität.

Viele Bombardier-Beschäftigte in Deutschland befürchten, dass nach einer Übernahme Stellen abgebaut und Werke verlagert werden. Der Kasseler Betriebsratsvorsitzende Markus Hohmann sagte dem hr, er werde mit allen Mitteln für den Erhalt des traditionsreichen Werks kämpfen. Dazu brauche es aber auch die Unterstützung der Politik.

Alstom hat bisher kein deutsches Werk für Lokomotiven

Allerdings müssen die aktuellen Pläne für den Standort Kassel keine schlechten Nachrichten bedeuten. Aus Gewerkschaftskreisen gibt es Kritik an der bisherigen Führung durch Bombardier. Das Werk Kassel habe gar nicht so viele Loks ausliefern können, wie bestellt waren, weil einige Zulieferer ihre Dienste einstellten - offenbar aus Angst, dass sie von Bombardier nicht bezahlt werden.

Insofern gibt es neben der Sorge vor der Zukunft die Hoffnung, dass eine Übernahme neue Chancen für Kassel bietet. Zumal Alstom in Deutschland bisher kein eigenes Montagewerk für Lokomotiven hat. Das spricht eher gegen eine Schließung des Kasseler Werks.

Alstom will die komplette Bahnsparte des stark angeschlagenen Bombardier-Konzerns übernehmen. Der Kaufpreis soll sich zwischen 5,8 und 6,2 Milliarden Euro bewegen. Den Vollzug erwartet Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge für das Frühjahr 2021. Einer der Großkunden von Bombardier ist die Deutsche Bahn.

Sendung: hr-iNFO, 18.02.2020, 14.30 Uhr