Besucher auf der IAA.

Nach dem Misserfolg bei Publikum und Ausstellern denkt der Veranstalter der IAA über eine Neuausrichtung der Autoschau nach - und über einen Standortwechsel. Sechs Städte wollen Frankfurt die Messe streitig machen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sieben Städte bewerben sich für die IAA

Besucher auf der Internationalen Automobilausstellung IAA
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Proteste, Blockaden und eine brisante Rede des Frankfurter Oberbürgermeisters, die nicht gehalten werden durfte: Die 68. Ausgabe der Internationalen Automobilaustellung (IAA) in Frankfurt im vergangenen September markierte für viele einen Wendepunkt. Beim Publikum und Ausstellern fiel die Autoschau durch. 560.000 Besucher und 838 Aussteller markierten langjährige Tiefstände. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) arbeitet als Veranstalter inzwischen an einer Neuausrichtung der Autoshow.

Sechs Städte machen Frankfurt Konkurrenz

In den Überlegungen des VDA spielt auch eine mögliche Verlegung an einen neuen Standort eine große Rolle. Sechs Städte kämpfen mit Frankfurt um den Zuschlag für die nächste Ausgabe im Herbst 2021: Berlin, München, Köln, Hamburg, Stuttgart und Hannover.

Der Verband verlangt von den Kandidaten umfassende Organisationskonzepte und Investitionen, um aus der IAA eine Plattform moderner Mobilität zu machen, die auch andere Verkehrsträger berücksichtigt. Neben der klassischen Autoschau stellt sich die Industrie eine großzügige Freifläche mit Teststrecken und Parcours vor. Besucher sollen dort und auf den Verbindungswegen beispielsweise automatisiert fahrende Autos mit alternativen Antrieben oder neue Mobilitätsangebote in Praxistests erleben können.

Am 23. und 24. Januar müssen die Bewerberstädte in Berlin ihre Konzepte präsentieren. Der Verband will zunächst eine Shortlist aus drei Bewerbungen erstellen und laut früherer Ankündigung noch im ersten Quartal den Zuschlag erteilen. "Es sind alles spannende Standorte", kommentierte ein VDA-Sprecher die Bewerbungen. Wir stellen die Bewerber vor.

Frankfurt: Internationales Drehkreuz

Der Traditions-Standort setzt auf Urbanität und will wegen der vielen Pendler gleichzeitig das Rhein-Main-Gebiet einbinden. "Wir gehen mit der IAA dorthin, wo die Menschen bereits sind", sagt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Mit Flughafen, Hauptbahnhof, Internetknoten und Autobahnkreuz stelle Frankfurt das europäische Mobilitätsdrehkreuz schlechthin dar, wirbt die Initiative "JAA zur IAA". In der Region findet sich auch das gerade erneuerte Opel-Testgelände, das für die vom VDA verlangten Test- und Demonstrationsfahrten genutzt werden könnte.

Rückwind bekommt die Stadt von der Landesregierung. "Ich sehe die künftige IAA als internationale Leitmesse für klimagerechte Mobilität - natürlich in FrankfurtRheinMain", sagt Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). zurück

Berlin: Die Nähe zur Macht

Die Hauptstadt böte die größte Nähe zum politischen Machtzentrum. Berlins Messe hat aus Sicht von Geschäftsführer Christian Göke Erfahrung, neben der Schau auch ein Forum zu bieten. "Jeder soll sich hier äußern können", hieß es erst jetzt zur Grünen Woche. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sieht ein weiteres Pfund: die Hochschul- und Forschungslandschaft der Hauptstadt. "Neue Mobilität ist undenkbar ohne Wissenschaft und Forschung", sagte Müller der Nachrichtenagentur dpa. zurück

München: BMW, Audi und Co.

Die bayrische Landeshauptstadt macht sich große Hoffnungen. "Wir haben einen Fünf-Sterne-Flughafen", und "eines der besten und modernsten Messegelände, die es weltweit gibt", sagte Messechef Klaus Dittrich. Mit BMW, Audi, MAN und vielen Zulieferern sei Bayern ein wichtiger Standort der Autoindustrie. Die großen US-Tech-Konzerne Microsoft, Apple, Google, Amazon und IBM hätten wichtige Standorte beziehungsweise ihre Deutschland-Zentralen in München. Die bayerische Staatsregierung unterstützt die IAA-Bewerbung. zurück

Hamburg: "Reallabor für digitale Mobilität"

Die Hansestadt reklamiert – wie auch Frankfurt - den Titel der deutschen Mobilitätsstadt Nummer eins für sich. Im Zusammenhang mit dem Weltkongress für Intelligente Transportsysteme (ITS) im Oktober 2021 hat die Hansestadt rund 100 Mobilitätsprojekte angeschoben, von denen 30 bereits abgearbeitet seien. Es geht um Sharing-Konzepte ebenso wie um autonomes Fahren, um E-Mobilität und Wasserstoff, um digitale Verkehrslösungen wie um selbstfahrende Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr oder die Kommunikation zwischen Ampeln und Autos. "Wir werden ein Reallabor für digitale Mobilität bekommen", sagt Messechef Bernd Aufderheide. Als Freifläche bieten die Hanseaten das Heiligengeistfeld an, auf dem sonst der Jahrmarkt "Dom" abgehalten wird. zurück

Köln: "Gamescom der Mobilität"

Am Rhein sieht man sich ebenfalls als prädestiniert dafür, Gastgeber des großen Automobil-Zirkus zu werden. "Die neue IAA muss die Gamescom der Mobilität werden", sagt Messe-Geschäftsführer Gerald Böse mit Blick auf die jährlich in der Domstadt stattfindende Online-Spiele-Messe. Man wolle Autofans "mit einem emotionalen Event" ansprechen und dabei alle Facetten der Mobilität einbeziehen - sowohl die ökonomischen als auch die ökologischen. Toyota und Ford haben sich bereits für Köln ausgesprochen – kein Wunder, haben die Hersteller doch dort ihre Deutschland-Zentralen. zurück

Hannover: 5G und weitläufige Testgelände

Die Landeshauptstadt Niedersachsens, bereits Austragungsort der IAA Nutzfahrzeuge, setzt auf sein weitläufiges Messegelände mit großen Freiflächen. Die zunehmende Vernetzung von Autos könne dort getestet werden. "Hannover ist das einzige Messegelände, das zur IAA ein 5G-Netz und ein digitales Verkehrssystem für automatisiertes und vernetztes Fahren bieten kann", hieß es bei der Messegesellschaft. Die 5G-Technologie solle dort ab Sommer 2020 bereitstehen und autonomes Fahren auch auf Abschnitten der Autobahnen A2, A7 und A39 erlebbar machen. zurück

Stuttgart: Fokus auf Nachhaltigkeit

Trotz Dauerstau, Bahnhofsmisere und Diesel-Fahrverbot rechnet sich Stuttgart mit einem starken Fokus auf Nachhaltigkeit gute Chancen aus. "Wir sind die Heimatstadt der Mobilität", sagt Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne). Die Stadt habe eines der dichtesten Ladesäulen-Netze für Elektroautos. Es gebe bereits erste Taxistände mit Schnellladesäulen, zudem prüfe man, wie sich Seilbahnen in der Stadt nutzen ließen. Ein Malus könnte für die schwäbische Heimatstadt von Porsche und Mercedes die allzu große Nähe zu einem dominanten Hersteller sein. Das trifft aber auch auf München und Hannover zu. zurück