Kleidercontainer mit Aufschrift Kleiderbox
Jährlich landet eine Million Tonnen Kleidung in Containern. Bild © picture-alliance/dpa

Mit dem Sammeln getragener Kleidung verdienen vor allem Privatanbieter viel Geld - nicht selten mit umstrittenen Methoden. Zwei Brüder aus Hessen mischen mit in dem millionenschweren Geschäft.

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Wer in Hessen etwas über das Altkleider-Geschäft erfahren will, kommt an Michael Meinel kaum vorbei. Der Kreistagsabgeordnete der Grünen aus Lahntal im Landkreis Marburg-Biedenkopf hat sich tief ins Thema gewühlt. Wenn es irgendwo in Deutschland Ärger um Altkleider-Container gibt, die illegal aufgestellt und nicht vernünftig gekennzeichnet wurden, führt die Spur oft nach Hessen.

Regierungspräsidien untersagen Firma die Sammelei

Es geht um die Deutschen Textil-Recycling-Werke, kurz DTRW, mit Sitz in Burgwald im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Die Regierungspräsidien in Kassel und Gießen haben der Firma das Sammeln von Altkleidern vor eineinhalb Jahren untersagt. Die Anweisung aus Kassel gilt sogar bundesweit. DTRW hat versucht, sich juristisch zu wehren, ist aber in allen bisherigen Verfahren im Kern erfolglos geblieben. Inzwischen hat die Firma, die auf Anfrage erklärt, eine Stellungnahme sei wegen des Jahreswechsels so kurzfristig leider nicht möglich, die Sammelei anderen Unternehmen übertragen.

Der Gewinn aber bleibt in der Familie. Denn die anderen Firmen sind Teil eines Altkleider-Imperiums, zu dem auch DTRW gehört. An der Spitze stehen zwei aus Kasachstan stammende Brüder, die in Hessen heimisch sind. Sie könnten die Sammelverbote leicht umgehen, sagt Meinel. Die Brüder hätten eine Unzahl an weiteren Unternehmen, an denen sie beteiligt sind. Entweder als Geschäftsführer oder in anderer Funktion.

"Es ist schwer, auf dem Laufenden zu bleiben, denn das Firmengeflecht verändert sich ständig", sagt Meinel. Unternehmen würden aufgekauft, neu gegründet oder entstünden durch Ausgründungen bestehender Firmen. Ihre Funktion beschreibt der Grünen-Politiker so: "Wenn ein Unternehmen auffällig geworden ist, wird die Sammeltätigkeit anderen Firmen übertragen."

Eine Million Tonnen Kleidung pro Jahr

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Nur ein Bruchteil der Altkleider landet in der Kleiderkammer

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Altkleider sind ein begehrtes Gut

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Für Hessen und einige andere Bundesländer hat DTRW das Sammelgeschäft der in Eschborn ansässigen Eurocycle GmbH übertragen. Geschäftsführer dort ist der Bruder des DTRW-Chefs. Der Vorteil für die Unternehmer-Brüder: In Eschborn ist das Regierungspräsidium Darmstadt zuständig. Und das sieht, anders als zuletzt die Behörden in Gießen und Kassel, bislang keinen Anlass einzugreifen. So läuft das Millionengeschäft weiter.

Und die Dimensionen sind gewaltig. "Zirka eine Million Tonnen werfen wir jährlich in Altkleidersammlungen", berichtet Thomas Ahlmann, Sprecher von FairWertung, dem Dachverband gemeinnütziger Organisationen, die Altkleider sammeln. Von dieser riesigen Menge wollten möglichst viele was abhaben.

Das meiste geht nach Afrika und Asien

Mit Altkleidern lässt sich viel Geld verdienen. Bedürftige in Deutschland brauchen höchstens zehn Prozent der gesammelten Kleidung. Der Rest wird verkauft. Abnehmer, die die Ware sortieren und weiterverkaufen, zahlen bis zu 400 Euro pro Tonne. Der Preis hängt von der Qualität ab. Mehr als die Hälfte der abgegebenen Kleidung wird wieder getragen, etwa in Asien und Afrika, den größten Absatzmärkten. Sortiert wird die hier gesammelte Ware oft in Betrieben in Osteuropa.

In Offenbach wird per Los entschieden

Kein Wunder also, dass Privatfirmen die größtmögliche Zahl von Containern aufstellen wollen. In manchen Städten nimmt dies überhand. In Offenbach beispielsweise waren es irgendwann so viele und die Standorte so vermüllt, dass das Ordnungsamt eingeschritten ist. "Aufgrund der Problematik haben wir gesagt, wir reduzieren die Anzahl der Standorte von etwas über 90 auf 44 Stück", erläutert Amtsleiter Peter Weigand. Im Gegenzug durften pro Standort bis zu drei Container aufgestellt werden. Wer das darf, wird in Offenbach inzwischen per Los entschieden.

Das Modell hat sich bewährt. Es gebe seit Jahren keine Probleme mehr, sagt Weigand. Er könne allerdings nur für die städtischen Standorte sprechen. Oft tauchten Altkleider-Container aber auch ohne Absprache auf Privatgrundstücken auf.

Die Stadt könne da wenig tun, sagt Weigand und nennt ein Beispiel: "Wenn ich einen Baumarkt habe und einer kommt nachts angefahren und stellt da einen Altkleider-Container hin, da muss ich natürlich auch gucken: Wer ist der Verursacher? Und ich kann mir, weil es ein reiner Zivilrechtsstreit ist, keine Hilfe der Ordnungsämter oder der Stadtverwaltungen holen."

Wie sollen sich Spender verhalten?

Bleibt die Frage, was man tun sollte, wenn demnächst der Wintermantel ausrangiert wird, der noch absolut tragbar ist. Man könne zum Beispiel am Container nach dem grünen Zeichen seines Verbandes suchen, sagt Thomas Ahlmann vom Verband FairWertung. Grundsätzlich gilt für die Sammlungen der großen Hilfsorganisationen: Jede Kleiderspende dient direkt oder indirekt einem gemeinnützigen Zweck.