Vorsicht, die E-Scooter kommen! Am Samstag tritt die Zulassung der Elektro-Tretroller in Kraft. Tatsächlich auf den Straßen fahren werden die Mini-Flitzer wohl erst in einigen Wochen. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

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Die ersten E-Scooter-Fahrer scharren schon mit den Hufen, doch noch steht die Startampel auf Rot. Zwar tritt die Zulassung der Elektro-Tretroller an diesem Samstag offiziell in Kraft. Losrollen können die kleinen Fahrzeuge aber wohl frühestens im Juli. Nach der generellen Zulassung müssen die Hersteller für ihre Modelle noch die Betriebserlaubnis beantragen, Käufer und Vermieter brauchen zudem Haftpflichtversicherungen. Wichtige Fragen und Antworten im Überblick.

Wie sieht die Situation in den hessischen Städten aus?

Einige Anbieter wittern schon das große Geschäft mit dem E-Roller-Verleih. In Frankfurt hinterlegten nicht weniger als zehn Unternehmen ihr Interesse. Am Ende dürfte die Zahl der Verleih-Anbieter deutlich niedriger sein, die in Frankfurt ihre elektrischen Scooter an die Frau oder den Mann bringen wollen. Die gefürchtete Innenstadt-Flutung mit tausenden E-Scootern dürfte wie schon bei den Fahrradverleihern ausbleiben. Frankfurt hat außerdem vorgesorgt und strenge Regeln für die Anbieter aufgestellt.

Auch in Wiesbaden haben ein halbes Dutzend Unternehmen angefragt, auch Kassel und Darmstadt berichteten zuletzt von unverbindlichen Anfragen. Für die Anbieter sind kleinere Städte aber weniger attraktiv, weil sich dort damit kaum Geld verdienen lässt.

Dürfen E-Scooter in Bus und Bahn mitgenommen werden?

Ja und nein. Die Elektro-Scooter lassen sich wie die klassischen Roller problemlos zusammenklappen. Die Deutsche Bahn ließ mitteilen, dass klappbare E-Scooter in allen ihren Fernzügen transportiert werden dürfen, wenn sie sich unter dem Sitz oder in der Gepäckablage verstauen lassen. Im Nahverkehr gibt es wie für Fahrräder keinen Anspruch auf eine Mitnahme.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) erklärte, dass Kinderwagen und Rollstuhlfahrer Vorrang hätten. Bei diesem Thema versteht auch der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) keinen Spaß. Zu den Stoßzeiten können die Verkehrsbetriebe landauf und landab die Mitnahme von E-Scootern verbieten. "Wenn die Bahn morgens voll ist, kann die Mitnahme untersagt werden", sagte eine RMV-Sprecherin dem hr.

Darf ich betrunken E-Scooter fahren?

Anders als bei Fahrrädern oder E-Bikes gelten für E-Scooter die strengeren Promillegrenzen für Kraftfahrzeuge. Das heißt, für Fahranfänger gilt die 0,0-Promillegrenze, für alle anderen Fahrer ist mit 0,5 Promille Alkohol im Blut Schluss. Ansonsten drohen Bußgeld und Fahrverbot. Wer also beim Kneipenbesuch zu tief ins Glas geschaut hat, sollte den E-Scooter besser schieben als fahren. Ein Unfall unter Alkoholeinfluss könnte unangenehme Folgen haben, wenn man nicht entsprechend versichert ist.

Muss ich einen E-Tretroller versichern?

Ohne Versicherung mit einem E-Scooter durch die Gegend zu brausen, geht gar nicht. Versicherer nennen für die Haftpflicht Preise von rund 30 Euro jährlich - für jüngere Fahrer ist es meist teurer als für ältere. Da die Haftpflicht nur Schäden an Dritten abdeckt, sollten Fahrer für sich selbst eine Unfallversicherung abdecken. Rollerbesitzer können auch Kaskoversicherungen abschließen, die beispielsweise bei Diebstahl bezahlen.

Welche gesetzlichen Vorschriften gibt es?

Vor der ersten Spritztour ist ein Blick ins gesetzliche Regelwerk ratsam. Es gibt einige Dinge zu beachten. E-Scooter dürfen maximal 20 Stundenkilometer schnell sein. Die Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein und dürfen nur auf Radwegen fahren - oder auf der Straße, wenn es keinen Radstreifen gibt. Gehwege sind tabu. Vorgeschrieben ist eine selbstklebende Haftpflicht-Versicherungsplakette, die hinten angebracht werden muss.

Welches Bußgeld droht bei Verstößen?

70 Euro kostet es, wenn man einen E-Scooter ohne allgemeine Betriebserlaubnis fährt und in eine Polizeikontrolle tappt. Fahren ohne gültigen Versicherungsaufkleber soll 40 Euro kosten, ein Verstoß gegen die Beleuchtungsvorschriften 20 Euro. Wer auf nicht zulässigen Verkehrsflächen unterwegs ist oder verbotenerweise nebeneinander fährt, muss 15 Euro zahlen - mit Behinderung eines anderen Verkehrsteilnehmers 20 Euro, mit Gefährdung 25 Euro, mit Sachbeschädigung 30 Euro.

Was ist, wenn ich mir bereits einen E-Scooter gekauft habe?

Der eine oder andere hat schon Menschen auf E-Tretrollern durch die Gegend düsen sehen. Verbotenerweise! Zwar gibt es im Internet schon diverse Modelle, diese sind aber noch nicht zugelassen. Deshalb raten die allermeisten Experten von einem vorschnellen Kauf ab. Bis die ersten zugelassenen Tretroller auf den Markt kommen, wird es noch ein paar Wochen dauern.

Bei bereits verkauften E-Rollern muss der Hersteller nachträglich eine Allgemeine Betriebserlaubnis beantragen. Knackpunkt: Das ist den meisten Fällen zu teuer. Deshalb der Rat, sich noch etwas zu gedulden und dann einen ganz legalen Roller zu holen.

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ADFC-Vorstandsmitglied Paul Fremer

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found ADFC-Vorstandsmitglied Paul Fremer über E-Scooter: "Grundsätzlich sehr positiv"

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Wie äußert sich die Fahrradfahrer-Lobby über E-Scooter?

"Grundsätzlich sehr positiv", sagt Paul Fremer, der stellvertretende Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Hessen, dem hr: "Ich kann einen E-Scooter gut in die Bahn mitnehmen. Die Kombination aus Bahn und Roller ist attraktiv. Da wird das Verzichten auf das Auto noch ein wenig einfacher."

Allerdings seien die Flächen, die sich Radfahrer und Fußgänger teilen, jetzt schon begrenzt. "Dadurch erwarten wie doch erhebliche Konflikte", so Fremer: "Unsere Forderung ist, das Radwegenetz so auszubauen, dass die Wege ausreichend breit sind, dass alle Menschen auf den Wegen komfortabel gehen und fahren können."

Wird es durch E-Tretroller zu mehr Unfällen kommen?

Experten beantworten diese Antwort mit einem klaren Ja. Sie erwarten gerade in der ersten Zeit zahlreiche Unfälle, da sich alle Verkehrsteilnehmer an die neuen Fahrzeuge gewöhnen müssen. Auch der ADFC Hessen rechnet mit einer Zunahme an Unfällen. Ihr stellvertretender Landeschef Fremer sagt: "Wir befürchten, dass die Unfallquote steigen wird. Wenn es unglücklich läuft, kann es im schlimmsten Fall wie in Paris auch tödlich enden."

Eine Helmpflicht, die viele Experten empfehlen, lehnt der ADFC aber ab: "Der nächste Schritt wäre dann, dass auch Fußgänger und Autofahrer Helme tragen müssten. Eine Pflicht würde auch dazu führen, dass Radfahren und E-Scooter-Fahren grundsätzlich unattraktiv werden."