Bauarbeiter sind im August 2019 auf der Baustelle "Homburger Damm" zwischen der Nordseite des Frankfurter Hauptbahnhofs und Mainzer Landstraße beschäftigt.

In Hessen werden zahlreiche Schienenprojekte vorangetrieben. Nach vier Jahren Bauzeit soll nun auch das Projekt "Homburger Damm" fertig werden - damit können mehr Regionalzüge in den nördlichen Bereich des Frankfurter Hauptbahnhofs einfahren.

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hat für das Jahr 2021 zahlreiche Vorhaben für den Ausbau des Schienenverkehrs in Hessen angekündigt. Das sei dringend notwendig, denn zu einer erfolgreichen Verkehrswende gehörten neben den Flatrate-Tickets für Schüler und Senioren auch mehr Züge und bessere Angebote im Nah- und Fernverkehr, sagte der Minister in Wiesbaden. "Projekte, über die jahrzehntelang nur geredet wurde, gehen jetzt in konkrete Planung, den Bau oder werden sogar vollendet."

Der Grünen-Politiker nannte als Beispiel den zweigleisigen Ausbau des Homburger Damms. Das Projekt soll 2021 nach vier Jahren Bauzeit abgeschlossen werden. Dadurch könnten beispielsweise mehr Regionalzüge aus Richtung Wiesbaden und Limburg in den nördlichen Teil des Frankfurter Hauptbahnhofs einfahren und die südlichen Zuläufe entlasten.

Viergleisig von Frankfurt bis Zeppelinheim

An der Baustelle Frankfurt-Stadion werde 2021 zudem mit der zweiten Baustufe begonnen, sobald Baurecht vorliegt, kündigte Al-Wazir an. Nach Abschluss dieses Projekts werde die Strecke zwischen dem Frankfurter Hauptbahnhof über Niederrad und Stadion bis nach Zeppelinheim viergleisig sein – zusätzlich zu den beiden S-Bahn-Gleisen zum Frankfurter Flughafen. Es liefen sehr viele Nahverkehrs- und Fernzüge über Frankfurt Stadion in den Frankfurter Hauptbahnhof. Deshalb müsse dieses Nadelöhr, das für viele Verspätungen im bundesweiten Netz sorgt, dringend erweitert werden.

Auch beim Bau der Nordmainischen S-Bahn und beim Ausbau der S6 liefen die Arbeiten weiter, erklärte der Minister. Bis Ende 2023 sollen die eigenen Gleise und damit der erste Bauabschnitt der S6 von Frankfurt-West bis Bad Vilbel vollständig in Betrieb sein. Das werde viele Verbesserungen im Nah- und Regionalverkehr bringen und auch die S-Bahn-Stationen barrierefrei machen.

Bahnhöfe noch nicht barrierefrei

Im Zuge des Ausbaus der ICE-Trasse Frankfurt-Fulda werde im Abschnitt Hanau–Gelnhausen bereits an einem neuen elektronischen Stellwerk gearbeitet, sagte Al-Wazir. Schrittweise würden die notwendigen Planrechtsverfahren für den Ausbau eingeleitet. Wegen der Änderungen der Lage von Gleisen und Bahnsteigen könnten die Bahnhöfe auf der Ausbaustrecke erst dann barrierefrei ausgebaut werden, wenn auch an der Strecke gebaut werde. Im Neubauabschnitt östlich Gelnhausen laufe derzeit das Raumordnungsverfahren.

Nach der Trassenauswahl als Ergebnis des Dialogverfahrens mit der Region beginnt nach Angaben des Verkehrsministers für die ICE-Neubautrasse Frankfurt-Mannheim im Jahr 2021 auch die Planfeststellung. Im Jahr 2021 laufe zudem das Planfeststellungsverfahren für den Ausbau und die Elektrifizierung der Taunusbahn zur Verlängerung der S5. Die Bauarbeiten zur Verlängerung der U5 ins Europaviertel in Frankfurt gingen weiter.

Daran wird 2021 im Schienenverkehr gearbeitet

Zweigleisiger Ausbau Homburger Damm

Die Zufahrt aus Richtung Bad Homburg, Königstein, Wiesbaden und Limburg in den nördlichen Teil des Frankfurter Hauptbahnhofs wird zweigleisig ausgebaut. Das soll die Grundlage für eine Umgestaltung und Leistungssteigerung des unmittelbaren Zulaufes auf den Frankfurter Hauptbahnhof bilden.

Behinderungen zwischen ein- und ausfahrenden Nahverkehrszügen und dadurch entstehende Wartezeiten sollen beseitigt werden. Zudem werde durch die Bauarbeiten die Möglichkeit geschaffen, die Nahverkehrszüge aus Richtung Limburg, die derzeit hauptsächlich im Südteil des Hauptbahnhofes enden, in den Norden zu verlegen, heißt es aus dem Ministerium. Dadurch soll die Südseite des Hauptbahnhofes von Nahverkehrszügen entlastet und Kapazitäten für den Fernverkehr geschaffen werden.

Ausbau Knoten Frankfurt-Stadion

Die Maßnahme umfasst den Ausbau des Bahnhofs Frankfurt-Stadion. Dieser wird von vielen Nah- und Fernverkehrslinien durchfahren. Nach Abschluss der Maßnahmen soll eine komplette viergleisige Streckenführung vom Frankfurter Hauptbahnhof über Niederrad und Stadion bis nach Zeppelinheim vorhanden sein. Dazu ist auch eine zusätzliche Mainbrücke ergänzend zu den bestehenden Brücken in Niederrad erforderlich.

Nordmainische S-Bahn

Die Nordmainische S-Bahn soll eine direkte, umsteigefreie Verbindung von Hanau und den zwischen Hanau und Frankfurt nördlich des Mains gelegenen Gemeinden in die Frankfurter Innenstadt bieten. Dazu werden zwei systemeigene S-Bahn-Gleise parallel zur bestehenden nordmainischen Strecke gebaut. Für die betroffenen Orte soll sich so die Fahrzeit verkürzen. Zudem werden die Bahnhöfe und Haltepunkte auf der Strecke barrierefrei ausgebaut. Das Projekt soll auch zur Engpassauflösung im Bahnknoten Frankfurt beitragen, indem Kapazitäten auf der bestehenden Strecke freigesetzt werden.

Aus-/Neubaustrecke Hanau - Gelnhausen - Fulda

Der Ausbau der bestehenden Strecke von Hanau nach Gelnhausen auf vier Gleise und der Bau einer zweigleisigen Neubaustrecke von Gelnhausen nach Fulda als Ergänzung der bestehenden Strecke sollen der Beseitigung einer der größten Engpässe im hessischen und deutschen Schienennetz dienen. Wegen der starken Auslastung der Bestandsstrecke im Nah-, Fern- und Güterverkehr ist sie als überlasteter Fahrweg gemeldet und erlaubt keine nennenswerten Angebotsverbesserungen mehr.

Der kombinierte Aus- und Neubau soll nicht nur die genannten Engpässe beseitigen, sondern auch die Fahrzeit im Fernverkehr verkürzen. Darüber hinaus werde die Bevölkerung an der bestehenden Strecke entlastet, weil der nächtliche Güterverkehr auf die Neubaustrecke verlagert werden soll.

Systemeigene Gleise für die S6

Die Ausbaumaßnahme umfasst den Bau zweier S-Bahn-Gleise parallel zu den beiden bestehenden Streckengleisen von Frankfurt-West nach Friedberg. Die Maßnahme ist in die beiden Teilabschnitte Frankfurt-West – Bad Vilbel und Bad Vilbel – Friedberg geteilt. Ziel des Projekts ist die Entmischung von S-Bahn- und übrigem Verkehr. Das soll die Voraussetzung dafür schaffen, einen 15-Minuten-Takt auf der S-Bahn-Strecke auch bis Friedberg einzuführen.

Außerdem sollen so S-Bahn, Regional- und Fernverkehr pünktlicher werden. Für die S-Bahn ist das nach Angaben des Verkehrsministeriums besonders wichtig, weil Verspätungen der S6 dann nicht mehr im Bereich der Tunnelstammstrecke Frankfurt auf nahezu sämtliche übrigen S-Bahn-Linien übertragen werden können. Im Bereich des Regionalverkehrs sollen zusätzliche Kapazitäten für ein größeres Zugangebot geschaffen werden.

Ausbau und Elektrifizierung der Taunusbahn zur Verlängerung der S5

Zur Verbesserung des Angebots im ÖPNV im Bereich der Taunusbahn (Strecke Friedrichsdorf - Usingen - Grävenwiesbach - Brandoberndorf) ist vorgesehen, die derzeit in Friedrichsdorf endende S-Bahn der Linie 5 zunächst bis nach Usingen zu verlängern. Dazu muss die Strecke, die sich im Besitz des Verkehrsverbands Hochtaunus befindet und durch die Hessische Landesbahn betrieben wird, elektrifiziert und ausgebaut werden.

Verlängerung Stadtbahn U5 ins Frankfurter Europaviertel

Die zu verlängernde Stadtbahnlinie U5 soll Fahrgäste über den Frankfurter Hauptbahnhof in das auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs neu geschaffene Europaviertel bringen und dieses damit an den öffentlichen Personennahverkehr anbinden. Geplant ist eine 2,7 Kilometer lange Strecke mit vier Stationen. Der Streckenverlauf führt von der unterirdischen Station Güterplatz über eine Rampe an die Oberfläche und in der Mitte der Europa-Allee auf einem Rasengleis weiter Richtung Westen. Die Stationen Emser Brücke, Europagarten und Wohnpark werden auf Straßenniveau gebaut.