Grafik S-Bahn Störungsmeldungen
Bild © hessenschau.de, Karte: Google Maps

S-Bahnen und Regionalzüge im RMV sind donnerstags besonders anfällig für Störungen, wie eine hr-Datenrecherche zum Pendeln zeigt. Auch zu bestimmten Tageszeiten und auf einzelnen Strecken gibt es für Pendler ein hohes Frust-Potenzial.

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Über die Hälfte der hessischen Erwerbstätigen pendelt über die Gemeindegrenzen hinweg zur Arbeit. Jeder Sechste nutzt dafür den öffentlichen Nahverkehr. Während die Pendler in Nord- und Mittelhessen vor allem mit einem mangelnden Angebot zu kämpfen haben, sind im Rhein-Main-Gebiet Verspätungen, volle Züge und Zugausfälle das Hauptproblem.

Um herauszufinden, auf welchen Strecken es die meisten Probleme gibt, hat das hr-Datenteam Störungsmeldungen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) zwischen 8. August und 8. November 2018 analysiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwischen 8. August und 8. November gab es 461 Störungen, im Schnitt etwa fünf am Tag.
  • Die Linien mit den meisten Störungen sind die S9 (60 Meldungen), S2 (57) und S8 (55).
  • Bei den S-Bahnen gehören die Stationen im Frankfurter S-Bahn-Tunnel zu den am häufigsten betroffenen.
  • Fast die Hälfte der Störungen hat technische Ursachen.

Fünf Störungen pro Tag

In den drei Monaten zwischen 8. August und 8. November gab es im RMV-Gebiet insgesamt 461 Störungsmeldungen - das macht im Schnitt gut fünf Meldungen am Tag. Am häufigsten betroffen waren die Regionalbahnen (291 Meldungen), danach die S-Bahn-Linien im Rhein-Main-Gebiet (168 Meldungen). Trams, Busse und U-Bahnen wurden in den Störungsmeldungen deutlich seltener genannt.

Weitere Informationen

Rund 160 Verkehrsunternehmen...

... gibt es im RMV. Alle geben Verkehrsmeldungen, also Fahrplanänderungen, aber auch Störungsmeldungen und Echtzeitdaten an den RMV weiter. Der RMV veröffentlicht dann Textmeldungen im Internet und nutzt die Echtzeitdaten für die Verspätungsangabe in der elektronischen Fahrplanauskunft.

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Eine Betrachtung der Zeitpunkte der Meldungen zeigt: Mit 109 Meldungen war der Donnerstag der am meisten betroffene Wochentag, am Wochenende gab es dagegen deutlich weniger Meldungen. Die meisten Meldungen gibt es außerdem, wenn auch die meisten Pendler unterwegs sind: morgens zwischen 7 und 8 Uhr und am Nachmittag zwischen 16 und 17 Uhr.

Bei der Analyse lag der Verdacht nahe, dass dies dem Schichtbeginn und Schichtende der Verfasser der Störungsmeldungen geschuldet ist - auch die leichte Delle in der Mittagszeit würde sich so erklären. Auf Nachfrage ließ der RMV aber wissen, dass die Meldungen zwar hauptsächlich zwischen 5 und 20 Uhr bearbeitet würden, dass aber rund um die Uhr Personal dafür zur Verfügung stehe. Das lässt also darauf schließen, dass die meisten Störungen dann auftreten, wenn viele Menschen und viele Bahnen unterwegs sind.

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Höllenstrecke Wiesbaden-Hanau

Während insgesamt die Regionalbahnen am häufigsten von Störungen betroffen waren, liegen bei den einzelnen Linien die S-Bahnen vorne: Im Untersuchungszeitraum gab es beim Störungsspitzenreiter, der S9 von Wiesbaden nach Hanau, 60 Störungen - im Schnitt also alle 37 Stunden eine Störung.

Ähnlich ist die Lage bei der S2 von Niedernhausen nach Dietzenbach (57 Störungen) und der S8, ebenfalls von Wiesbaden nach Hanau (55 Störungen). Betrachtet man die meistbetroffenen Linien auf einer Karte, fällt auf, dass sich die Störungen vor allem im Rhein-Main-Gebiet konzentrieren.

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Eine Verortung der S-Bahn-Störungen zeigt zudem: Der S-Bahn-Tunnel in Frankfurt zwischen den Haltestellen Hauptbahnhof und Ostendstraße sorgt trotz des neuen Stellwerks immer noch für Probleme. Nach dem Frankfurter Westbahnhof waren die Stationen im Tunnel am häufigsten von Problemen betroffen. Eine Störung an diesen Stationen ist besonders unangenehm, weil acht der neun S-Bahn-Linien durch diesen Tunnel müssen.

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Die meisten Meldungen wegen technischer Störungen

Die Störungsmeldungen enthalten einen Text, in dem meist auch die Gründe der Störung genannt werden. Für die Analyse wurden die Gründe in verschiedene Kategorien eingeteilt:

  • Störungen technischer Art an der Strecke oder an Zügen wie Weichenstörungen und Signalstörungen
  • Externe Störungen wie Notarzteinsätze oder Unwetterschäden
  • Betriebliche Probleme, zu denen auch Personalmangel zählt

Bei einigen Meldungen wurde keine genauere Begründung genannt. Fast die Hälfte der Störungen beruhte auf technischen Problemen. Externe Störungen machten gut ein Viertel der Meldungen aus, ebenso wie betriebliche Probleme, zum Beispiel Verzögerungen durch vorausgegangene Verspätungen. In 29 Fällen gab es Ausfälle wegen Personalmangels.

Das deutet darauf hin, dass es vor allem infrastrukturelle Probleme sind, die für Verspätungen und Zugausfälle verantwortlich sind - zum Beispiel kaputte Signale, Bahnübergänge oder Weichen.

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Auch die detaillierte Analyse der Störungsgründe bei den einzelnen Verkehrsmitteln offenbart Unterschiede: Während es bei den S-Bahnen fast ausschließlich technische Probleme und extern begründete Störungen gab, sind die Regionalbahnen in etwa einem Drittel der Fälle von betrieblichen Problemen oder Personalmangel betroffen.

Der Personalmangel konzentriert sich vor allem auf den Oktober und die von der Hessischen Landesbahn betriebenen Regionalbahnlinien 16, 45, 46, 47 und 48, die in Mittelhessen rund um Friedberg, Limburg, Wetzlar und Gießen unterwegs sind.

Mehr zum Thema im hr-fernsehen

Insgesamt vermittelt die Betrachtung der Störungsmeldungen das Bild von einem System am Anschlag. Wie das die betroffenen Pendler sowie die Verantwortlichen des RMV, Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) und der Deutschen Bahn einschätzen, sehen Sie am Donnerstagabend im hr-fernsehen in der hessenschau und in einem hessen extra.

#hrpendler - So geht es weiter

Diese Datenanalyse gehört zum multimedialen Projekt “#hrpendler”, mit dem der Hessische Rundfunk untersuchen will, wie es den Pendlern in Hessen geht. Während in der ersten Runde vor allem beschrieben wird, wie die Lage bei den ÖPNV-Pendlern ist, wird es Anfang 2019 auch um Autofahrer sowie um mögliche Verkehrskonzepte für die Zukunft gehen.

Weitere Informationen

Daher kommen die Daten

Die Daten zu den Verkehrsmitteln und zu den Pendlerzahlen stammen vom hessischen Statistischen Landesamt (HSL). Die absoluten Pendlersummen stammen aus der Gemeindestatistik 2017, die Zahlen zu den verwendeten Verkehrsmitteln und zu den häufigsten Pendlerstrecken wurden vom HSL auf Basis des Mikrozensus berechnet.

Die Zahlen zu den Fahrgästen und Haltestellen stammen von RMV, NVV und VRN (Verkehrsverbund Rhein-Neckar). Die Störungsmeldungen werden per elektronischer Schnittstelle vom RMV an den hr geliefert.

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137 Kommentare

  • Auf meiner Strecke gibt es derzeit leider keine Alternative zum Auto: 24km einfach. Mit dem Auto (wenn alles frei ist): 17 Minuten. Mit Öffis (2 mal Laufen, 2 mal Umsteigen): 59 Minuten. Selbst mit Staus auf der Autostrecke verbrauche ich mit dem Auto immer noch weniger Zeit...

    Das liegt aber fast ausschließlich an der Bus/Bahn Streckenführung...

  • Ich dachte immer Bahnfahrer dürfen Ihr Fahrrad nur mitnehmen, wenn ausreichend Platz ist und es während der Stoßzeiten verboten ist ein Fahrrad mitzunehmen. Mich würde es nicht wundern, wenn die Fahrradfahrer so frech sind, ( wie oben erwähnt ) und sich nicht um das Verbot kümmern. Die meisten Radfahrer sind ja auch farbenblind - Rote Ampeln kennen die überhaupt nicht - und von einer intakten vernünftigen Beleuchtung am Fahrrad haben die meisten auch noch nichts gehört. Hier sollte mehr kontrolliert werden und härtere Strafen ( Geldstrafen und Punkte für den Führerschein ) eingeführt werden
    Außerdem müsste das Bahnpersonal einschreiten und den Radfahrer der S-Bahn verweisen.Aber welches Bahnpersonal - an den meisten S-Bahnhöfen gibt es ja schon lange kein Personal mehr. Und die Fahrradbesitzer, die auch noch frech werden, gehören wahrscheinlich den unteren Schichten an - Manche Mitmenschen sind halt Proleten und haben keine gute Erziehung genossen.

  • Die Radfahrer blockieren gerne in S-Bahnen (S6) oder Stockheimer Lieschen mit Ihrern Rädern Sitze und Bänke, das Ein-und Aussteigen der Reisenden mit und ohne Rad wird dann bei sich füllender S-Bahn zur Chaos-Veranstaltung. Spricht man die Radfahrer darauf an, werden die auch noch frech.

    Merke: Ein Fahrrad ist zum Fahren auf der Strasse da und nicht um die S-Bahn zu verstopfen!

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