Ein Ryanair-Flieger hinter der Fieberkurve der zu späten Nachtflüge
Bild © picture-alliance/dpa; Grafik: hessenschau.de

Immer wieder verstößt Ryanair gegen das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen. Zwar wurden einzelne Flüge nach vorne verlegt - doch andere landen nun später. Eine Datenrecherche des hr zeigt: Weitere Fluggesellschaften scheinen dem Negativbeispiel zu folgen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Reporterin: "Seit März 2017 gibt es einen deutlichen Anstieg an verspäteten Fliegern"

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  • Mit 298 Starts und Landungen zwischen 23 und 0 Uhr wurde im Mai ein Negativrekord am Flughafen erreicht.
  • Vor allem seit dem Betriebsbeginn von Ryanair in Frankfurt hat die Zahl von monatlichen Verspätungen deutlich zugenommen.
  • Doch nicht nur Ryanair, auch andere Airlines wie Lufthansa und - mit zuletzt stark ansteigender Tendenz - der Ferienflieger Condor sind dafür verantwortlich.
  • Ryanair reagierte zwar kürzlich auf die Kritik und verlegte zwei Flüge nach vorne. Doch wie hr-Recherchen zeigen, wurde mindestens ein anderer Flug zugleich wieder nach hinten verlegt.

Rund 1,6 Millionen Mal starteten und landeten seit Januar 2015 Flugzeuge am Frankfurter Flughafen. Ein Datenteam des Hessischen Rundfunks hat alle Flugbewegungen ausgewertet und auf Verstöße gegen das Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr untersucht. Das Ergebnis bestätigt eindrücklich zahlreiche Verstöße nach 23 Uhr.

Vor allem mit Beginn des Flugbetriebs von Ryanair im neuen Sommerflugplan im März 2017 hat die Anzahl an Flügen, die zwischen 23 und 0 Uhr dort landen, stark zugenommen. Besonders auffällig: Allein im Mai landeten oder starteten 298 Maschinen in der Stunde vor Mitternacht - so viele wie nie zuvor. Davon gehen alleine 57 Landungen auf das Konto von Ryanair. Die folgende Grafik zeigt deutlich den Anstieg:

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Für die lärmgeplagten Anwohner des Flughafens verheißt der Blick auf die letzten Jahre nichts Gutes für die zukünftigen Nächte - denn gerade in den Sommermonaten steigt die Zahl der Verspätungen regelmäßig an. Nach dem derzeitigen Trend nähert man sich der Höchstgrenze von 7,5 verspäteten Landungen nach 23 Uhr pro Tag an (für mehr Informationen siehe Infokasten). Doch es ist jetzt schon eine enorme Belastung für alle, die vom Fluglärm betroffen sind.

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Welche Regeln gelten zwischen 23 und 5 Uhr?

In welchen Fällen Flugbewegungen zwischen 23 Uhr abends und 5 Uhr morgens erlaubt sind, ist im Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Frankfurter Flughafens vom 18. Dezember 2007 festgelegt.

  • Verspätete Landungen zwischen 23 Uhr und Mitternacht sind dann zulässig, wenn sich die Verspätung nicht schon aus dem Flugplan ergibt und die Gründe für die Verspätung außerhalb des Einflussbereichs der verantwortlichen Airline liegen.
  • Starts sind im Einzelfall zwischen 23 Uhr und 0 Uhr erlaubt, wenn die Gründe für die Verspätung außerhalb des Einflussbereichs der Airline liegt.
  • Ausnahmen gibt es zum Beispiel aus technischen, meteorologischen, medizinischen oder anderen Sicherheitsgründen oder in Katastrophenfällen.
  • Wenn es in einem Kalenderjahr im Durchschnitt pro Tag mehr als 7,5 Landungen zwischen 23 und 0 Uhr gibt, behält sich die Planfeststellungsbehörde eine Änderung dieser Regeln vor. Laut den vorliegenden Daten steigt der Tagesdurchschnitt der verspäteten Landungen zwar jedes Jahr, liegt aber noch deutlich unter dieser Grenze.
  • Zwischen 0 und 5 Uhr sind Flugbewegungen nur noch in besonderen Ausnahmefällen möglich, zum Beispiel bei medizinischen Notfällen.
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Die Statistik zeigt: Nur bei wenigen Verspätungen lassen sich Gründe finden, die nicht in der Verantwortung der Airline liegen. Zum Beispiel stellte der Frankfurter Flughafen am 7. Juni 2016 vorübergehend die Abfertigung der Passagiere ein, da ein heftiges Gewitter über Hessen hinweg rollte. Die Folge: Verzögerungen im Flugplan und damit 56 verspätete Starts- und Landungen nach 23 Uhr.

Andere Airlines ziehen nach

Bei den Flugbewegungen nach 23 Uhr steht Ryanair aber nicht alleine da. Auch bei anderen Airlines häufen sich die verspäteten Landungen. Die Datenanalyse zeigt: Lufthansa und Condor machen dem Billiganbieter aus Irland Konkurrenz, was die Ausnutzung der kulanten Regelung des Nachtflugverbotes angeht.

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Ryanair verzeichnete im Mai dieses Jahres bei 3,8 Prozent der Flüge nach Frankfurt Landungen nach 23 Uhr. Der Urlaubsflieger Condor erreichte ebenfalls im Mai einen Spitzenwert - 3,7 Prozent der Flugzeuge des Unternehmens waren bei Landung in Frankfurt verspätet. Das Unternehmen hat sich, seitdem Ryanair in Frankfurt abfliegt, verschlechtert und weist nun mehr Verspätungen auf als in den Monaten des Vorjahres.

Lufthansa kommt im selben Monat nur auf eine prozentuale Verspätung von 0,5 Prozent - und das obwohl die Airline in Frankfurt deutlich öfter abhebt oder landet als alle anderen. Lufthansa war für 119.000 von insgesamt etwa 191.000 Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen verantwortlich (Zum Vergleich: Ryanair kommt nur auf rund 6.000 An- und Abflüge).

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Das Luftfahrtunternehmen weist jedoch eine hohe Anzahl an Starts im Zeitraum zwischen 23 Uhr und Mitternacht auf. Meist handelt es sich dabei um verzögerte Abflüge, die sich beispielsweise aufgrund von Unwetterlagen aufgestaut haben und nach 23 Uhr noch starten müssen, um ihre Ziele zu erreichen.

Verspätungen sind häufig programmiert

Eine Landung nach 23 Uhr ist laut Planfeststellungsbeschluss unzulässig, wenn sich die Verspätung schon aus dem Flugplan ergibt. Ist der Zeitplan einer Airline zu eng getaktet und eine rechtzeitige Ankunft in Frankfurt daher nicht immer zu erreichen, gilt die Ausnahmegenehmigung also eigentlich nicht. Gerade bei innereuropäischen Flügen, die an den Ankünften nach 23 Uhr den größten Anteil haben, scheint das die Airlines aber nicht zu kümmern.

Das verdeutlicht ein Beispiel von Ryanair:

Am 24. Mai flog die Ryanair-Maschine mit der Kennung EI-GJB jeweils von Frankfurt nach Brindisi, Treviso und Barcelona und zurück. In den Pausen zwischen den Flügen waren teils nur 25 Minuten zwischen Ankunft und erneutem Start eingeplant. Schon am ersten Zielort in Brindisi stand die Maschine fast doppelt so lang - die Verspätung schleppte sich durch den ganzen Tag und lag am Ende bei 85 Minuten. So landete der letzte Flug aus Barcelona dann statt um 22.30 Uhr erst um kurz vor 0 Uhr. Dieses Muster mit sehr kurzen Standzeiten findet sich an vielen Tagen und bei verschiedenen Airlines.

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Ryanair legt Flüge nach vorn - andere nach hinten

Seit Monaten gibt es Kritik am Billigflieger aus Irland. Als Reaktion hat der Anbieter kürzlich zwei Maschinen aus London-Stansted und Catania (Italien) nach vorne verlegt. Flüge aus der britischen Hauptstadt sollen jetzt statt um 22.30 Uhr um 22.10 Uhr landen. Die Maschine aus Catania ist von 22.30 auf 21.15 Uhr verlegt worden.

Doch die Recherche des hr-Datenteams zeigt: Parallel korrigiert Ryanair andere Flüge nach hinten. Eine Maschine aus Bergamo (Mailand) landet nun seit Juni nicht mehr um 21.50 Uhr, sondern um 22.20 Uhr - oft mit Verspätungen, die nah an der 23-Uhr-Grenze liegen oder sie überschreiten.

In den ersten 18 Bergamo-Flügen von Ryanair im Juni landeten alleine vier nach 23 Uhr. Nach den ersten Verstößen der Maschinen aus London-Stansted und Catania hat das hessische Wirtschafts- und Verkehrsministerium als zuständige Aufsichtsbehörde mehrere Monate benötigt, um die häufigen Verstöße zu tadeln und den Verdacht auf eine zu enge Flugplangestaltung zu untersuchen.

Ryanair gibt Fluglotsen die Schuld

Ryanair erklärt die vielen Landungen nach 23 Uhr mit "unberechtigten Streiks und Personal- bzw. Kapazitätsengpässen bei der Flugverkehrskontrolle vor allem in Frankreich, Deutschland und Italien sowie ungünstiger Wetterbedingungen". Ryanair-Sprecher Robin Kiely erklärt, das Unternehmen wolle nach Möglichkeit "Flüge nach Frankfurt mit noch mehr Abstand zu dem Nachtflugverbot planen, um die Auswirkungen von solchen Verspätungen weiterhin zu minimieren".

Condor verweist auf ein gestiegenes Flugvolumen in Europa, das die Flughäfen überlastet. Jedoch habe man das "Problem später Landungen erkannt". Das Unternehmen merkt aber an, dass die Anzahl von 7,5 Landungen pro Tag noch nicht überschritten werde.

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So haben wir die Daten bekommen

Der Datensatz aller Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen von Januar 2015 bis Mai 2018 wurde uns durch den Verein "Deutscher Fluglärmdienst" (DFLD) zur Verfügung gestellt. Mit eigenen Messstationen sammelt der DFLD Informationen über Flugbewegungen in 56 Regionen in neun Ländern. Die Daten weisen eine minimale Fehlerquote auf.

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