Mülltonne Rodgau Namen

Gläsern sind die Mülltonnen in Städten wie Rodgau oder Obertshausen nicht. Aber muss auf dem amtlichen Aufkleber gleich der komplette Name des Hausbewohners stehen? Datenschutz-Aktivisten sind irritiert, die Verantwortlichen überrascht.

Jeder Bürger in der EU soll die Hoheit über seine Daten zurückbekommen. So lautet das zentrale Versprechen der seit vergangenen Mai geltenden Datenschutzgrundverordnung. Wenn das so ist, so fragt sich Kurt Müller aus Obertshausen (Offenbach): Warum pappt dann an seiner 60-Liter-Restmülltonne immer noch ein Aufkleber, der über einem Strichcode neben der Straße und Hausnummer auch seinen vollen Namen nennt.

"Es fehlt ja nur noch, dass meine Schuhgröße draufsteht", sagt Müller. Er gehört der Bürgerrechtsgruppe "Die Datenschützer Rhein Main" an - und damit nicht zu den vielen Eigenheimbesitzern, die ihren Namen selbst auf die Tonnen pinseln, um Verwechslungen vorzubeugen.

Warum noch ins Grundbuch schauen?

So wie viele ja auch ihre Namen auf Briefkästen oder Klingelschilder schreiben. Das lässt Müller nicht als Einwand gegen seine Kritik gelten: In solchen Fällen hätten es die Bewohner schließlich in der Regel selbst drauf geschrieben - und nicht ein kommunaler Abfallwirtschaftsbetrieb oder das von ihm beauftragte Entsorgungsunternehmen.

"Wer ins Grundbuch schauen will, um einen Hauseigentümer zu identifizieren, muss aus gutem Grund gewisse Hürden nehmen und auch ein berechtigtes Interesse nachweisen. Hier muss er einfach auf die Mülltonne schauen", sagt Müller. Und das ist nicht nur in Obertshausen so, sondern zum Beispiel auch in Rodgau.

Als Datenschutz noch kleiner geschrieben wurde

Mit der Beschwerde der "Datenschützer Rhein-Main" befasst sich zurzeit auch der Datenschutzbeauftragte des Landes Hessen. Man prüfe den Fall, heißt es aus seinem Büro. Die Sache sollte sich schnell klären lassen, denn es gibt längst Präzedenzfälle.

Im Kreis Rastatt zum Beispiel hat der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg schon im Jahr 2012 festgestellt: Nur wenn der Kunde zugestimmt hat, darf der Name auf die Tonne.

Doch als vier Jahre zuvor in Rodgau die ersten vom Entsorger Remondis zu leerenden Restmülltonnen mit Namensaufklebern ausgeliefert worden waren, sah die dafür zuständige Stadtverwaltung das nach Angaben einer Sprecherin noch anders. Dabei hätten schon damals Straße und Hausnummer gereicht, um die Tonnen den richtigen Grundstücken zuzuordnen.

Das Wetter hat es nicht geregelt

Wenn sich ein Kunde seinerzeit mal beschwert habe, sei sein Name eben unleserlich gemacht worden, sagt die Sprecherin. Auf neuen Tonnen würden Aufkleber mit Namen aber nicht angebracht. Und was ist mit den alten, immer noch sichtbar personalisierten Behältern? "Wir hätten gedacht, die alten Aufkleber sind längst verwittert."

In Obertshausen heißt es zunächst auf Anfrage sogar: "Bei uns gibt es solche Aufkleber mit vollem Namen nicht." Später stellt sich heraus: Das gilt auch hier nur für Restmülltonnen jüngeren Datums. Wer sich wie Kurt Müller an seinem Namen auf der schon älteren Tonne stört, der darf ihn also gern schwärzen.

Die Infos stecken innen

Dem Bund der Entsorgungsunternehmen (BdE), dem auch der Remondis-Konzern angehört, würde dies das Leben nicht erschweren. Ein Sprecher betont: "Wir brauchen den Namen nicht, nicht einmal den Strichcode auf der Tonne". Denn in ihr sitzt längst ein Chip.

Mit ihm lässt sich der Behälter leicht auf elektronischem Weg dem jeweiligen Grundstück zuordnen. Das dient nicht zuletzt dem Zweck, geklaute Behälter zu identifizieren. Sie werden von den Dieben gerne zur Leerung rausgestellt, ohne dass die Gebühr gezahlt wurde.