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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dehoga-Hauptgeschäftsführer Julius Wagner: "Das Abendgeschäft ist sehr wichtig"

Ein Gastronom mit Mundschutz und Bierglas in der Hand

Wegen der hohen Coronafallzahlen hat Frankfurt eine Sperrstunde für die Gastronomie ab 22 Uhr verhängt. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga lehnt diese ab und spricht von einem "schweren Schlag" für die Branche.

Bis Mitternacht noch gemütlich bei einem Glas Wein zusammensitzen? Damit ist ab Freitag in Frankfurt zumindest für knapp eineinhalb Wochen Schluss. Nach 22 Uhr gibt es dann eine Sperrstunde. Die soll helfen, die schnell gestiegene Zahl der Coronainfektionen in der Stadt zu senken.

Für den Weinbarbesitzer Ralf Müller-Arnold kommt das einem Arbeitsverbot gleich. Er kritisiert die Auflage scharf. "Die Gastronomie hat sich strenge Hygieneauflagen gegeben und da halte ich mich dran", sagt Müller-Arnorld dem hr. Und ja, es gebe auch schwarze Schafe, räumt er ein. Das sei aber vor allem einem Problem geschuldet: "Es gibt keine Kontrollen."

Das Abendgeschäft ist wichtig für Gastronomen

Für die Gaststättenbranche sei die Maßnahme wirtschaftlich ein "schwerer Schlag", kritisiert der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Hessen, Julius Wagner. Die Branche würde noch immer unter den Folgen der Corona-Krise leiden, auch wenn der Sommer "erstaunlich gut" verlaufen sei, so Wagner.

Das Geschäft nach 22 Uhr sei wichtig für die Wirte und Restaurantbetreiber. "Gerade in Frankfurt sind die Arbeitstage lang und man geht gerne später essen und trinken", sagt er. Zudem arbeite man wegen Corona in vielen Restaurants im Mehrschichtsystem, wo nur stundenweise Besucher kommen dürften. Auch das würde durch die Sperrstunde erschwert.

"Die Stadt hat an keiner Stelle das Gespräch gesucht"

"Was eine Sperrstunde ab 22 Uhr zum Infektionsschutz beiträgt, ist für uns nicht nachvollziehbar", kritisierte Wagner. Vor allem bemängelt er: "Die Stadt hat an keiner Stelle das Gespräch mit den Wirten oder uns als Verband gesucht."

Es wundere ihn sehr, dass man die Betroffenen "gar nicht angehört" habe, bevor man so eine gravierende Entscheidung treffe. In anderen Städten seien die Maßnahmen weniger drastisch ausgefallen. In Berlin habe man beispielsweise eine Öffnung bis 23 Uhr erlaubt. "Wir sind natürlich dialogbereit, aber 22 Uhr ist schon früh", sagte Wagner.

Statt die Gastronomen abzustrafen, die wegen der Pandemie ohnehin hohe Einbußen hatten, müssten die Ordnungsbehörden bei den schwarzen Schafen durchgreifen, forderte Wagner. "Auch die Dehoga geht aktiv gegen Betriebe vor, die die bisherigen Maßnahmen nicht einhalten." Das sei eine "ungewohnte Rolle". Aber wenn sich Betriebe beharrlich weigerten Auflagen umzusetzen, melde man sie auch dem Ordnungsamt. "Alles andere ist Marktverzerrung", kritisierte Hauptgeschäftsführer Wagner.

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Gastwirt Müller-Arnold will klagen

Neben der Sperrstunde ist in Frankfurt auch ein Alkoholverbot auf bestimmten öffentlichen Plätzen geplant. Zudem solle in hochfrequentierten Einkaufsstraßen ab Freitag eine Maskenpflicht gelten. Für welche Straßen und Plätze das ab Freitag gelten soll, will die Stadt am Donnerstagvormittag entscheiden. Zuletzt hatte sich Hessens größte Stadt nur knapp unterhalb der höchsten Corona-Warnstufe bewegt. Die Stadt Frankfurt hofft mit den strikten Maßnahmen einen erneuten Lockdown zu verhindern und unter anderem den Weihnachtsmarkt im Winter zu ermöglichen.

Für Gastwirt Müller-Arnold ist jedenfalls eines schon klar: Er will sich mit der Sperrstunde nicht zufrieden geben. Gemeinsam mit anderen Gastwirten will er rechtliche Schritte gegen die Auflage einlegen.

Sendung: hr-iNFO, 07.20.2020, 9.15 Uhr