Dekabank

Die Frankfurter Dekabank will rund 400 Stellen streichen. Gespräche mit den Mitarbeitervertretungen über den selbstverordneten Sparkurs laufen bereits.

Die Dekabank tritt auf die Kostenbremse und baut jede zehnte Vollzeitstelle ab. 400 Jobs sollen in den kommenden Jahren gestrichen werden, wie Vorstandschef Michael Rüdiger am Dienstag in Frankfurt ankündigte. "Unser Ziel ist es, dass wir den Aufwand 2021 auf eine Milliarde Euro begrenzen."

Im vergangenen Jahr summierten sich die Kosten auf 1,057 Milliarden Euro. Gemessen an den ursprünglich für 2021 erwarteten Kosten will die Dekabank 100 Millionen Euro einsparen.

Gewerkschaft sieht keine Notwendigkeit

Der Großteil des Stellenabbaus solle über natürliche Fluktuation und Vorruhestandsregelungen bewältigt werden, sagte Rüdiger: "Wir befinden uns mit den Mitarbeitervertretungen der Bank und der Tochtergesellschaften in Gesprächen mit dem Ziel, eine ausgewogene Rahmenvereinbarung abzuschließen." Ende 2018 beschäftigte die Deka-Gruppe 4.716 Mitarbeiter und knapp 4.200 Vollzeitstellen.

Die Gewerkschaft Verdi kommentierte am Dienstag, man sehe keine Notwendigkeit für den Stellenabbau, da es der Dekabank wirtschaftlich gesehen gut genug gehe. "Der Arbeitgeber soll zumindest betriebsbedingte Kündigungen ausschließen", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Rosa Schwenger.

Gewinnsteigerung im Jubiläumsjahr

Das Jubiläumsjahr 2018 konnte das Institut, das zu 100 Prozent den Sparkassen gehört, trotz eines starken Rückgangs beim Fondsabsatz mit einer leichten Gewinnsteigerung abschließen. Das wirtschaftliche Ergebnis lag mit 451,8 Millionen Euro knapp über dem Vorjahreswert von 448,9 Millionen Euro. 2018 hatte die Deka ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert.

Für das laufende Geschäftsjahr - das letzte unter Führung von Rüdiger - erwartet die Bank ein wirtschaftliches Ergebnis auf dem Niveau des Jahres 2018. Rüdiger übergibt den Vorstandsvorsitz zum Jahreswechsel 2019/2020 an seinen Stellvertreter Georg Stocker.

Kunde reißt Milliardenloch in die Bilanz

Im vorigen Jahr knüpfte die Dekabank beim Vertrieb von Fonds und Zertifikaten nicht an den Rekordabsatz von 2017 an. Das Institut sammelte 11,8 Milliarden Euro ein, nicht einmal halb so viel wie 2017 - da waren es 25,7 Milliarden Euro. Das Niveau des Jahres 2018 will das Institut in diesem Jahr halten. Bei Zertifikaten, die Verbraucherschützer kritisch sehen, war die Deka 2018 mit 19,5 Prozent Marktanteil erstmals Marktführer in Deutschland.

Während das Neugeschäft mit Privatkunden mit 11,3 (Vorjahr: 12,3) Milliarden Euro 2018 erneut auf vergleichsweise hohem Niveau lag, steuerte das Geschäft mit institutionellen Kunden wie Versicherungen und Pensionskassen nur noch 0,5 (13,4) Milliarden Euro an Nettozuflüssen bei. Diesen Rückgang erklärt die Dekabank damit, dass im September 2018 im Zuge der Integration der LBB-Invest ein großer Kunde Gelder in mittlerer einstelliger Milliardenhöhe abgezogen habe.

Vor Schaffung einer "Super-Landesbank"?

Einer Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Bankensektors steht der Deka-Vorstand offen gegenüber. Eine Sparkassen-Zentralbank müsse jedoch "klar auf die Bedürfnisse der Sparkassen und ihrer Kunden ausgerichtet" sein.

Nach Vorstellungen von Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis könnte die Krise der NordLB zum Ausgangspunkt eines neuen Versuchs werden, eine Art "Super-Landesbank" zu schmieden: aus NordLB, LBBW und Helaba - später möglicherweise plus Dekabank.

Sendung: hr-iNFO, 9.4.2019, 13 Uhr