Reisebüro Protest Corona

Normalerweise verkaufen sie Reisen in die Sonne, jetzt gingen sie auf die Straße. Auf Demos in verschiedenen Städten haben Mitarbeiter von Reisebüros auf ihre Situation in der Coronakrise aufmerksam gemacht. Sie fordern einen Rettungsschirm für ihre Branche.

Videobeitrag

Video

zum Video Reisegeschäft eingebrochen

hessenschau
Ende des Videobeitrags

In einem Abstand von einem Koffer oder einer Liege: So demonstrierte Sylvia Bischoff mit ihren Kollegen am Mittwoch in Kassel für das Überleben ihrer Branche in der Corona-Krise. Bischoff ist Inhaberin eines Reisebüros in Kassel. Sie organisierte die mutmaßlich erste deutsche Reisebüro-Demonstration. Auch in Frankfurt und Wiesbaden taten sich Reisebüros zusammen, um für ihr Überleben in der Corona-Krise zu protestieren.

"Es geht um die blanke Existenz" erklärte Bischoff. Die Forderung an die Politik: Ein Rettungsschirm, nicht nur große Konzerne wie Lufthansa dürften unterstützt werden. "Wir arbeiten seit März nur noch ehrenamtlich", sagt sie. Sie sei nur noch beschäftigt mit Reise-Rückabwicklungen, Annahmen von Stornierungen und dem Kampf mit Airlines um die Rückzahlung von Flügen. Die Verlängerung der Reisewarnungen des Auswärtigen Amts bis Mitte Juni verlängere auch den Ausnahmezustand der Reisebranche.

Viel Arbeit, kein Einkommen

Die Provisionen, von denen Reisebüros leben, gehen verloren - Mieten und Kosten laufen aber weiter. Das Sommergeschäft sei komplett eingebrochen, sagt Bischoff, nur etwa fünf Prozent der Kunden würden umbuchen, die anderen 95 Prozent fielen weg. Eine Aushilfe in ihrem Laden könne sie nicht weiter beschäftigen. Aushilfen bekommen kein Kurzarbeitergeld.

"Die Branche war als erste von der Krise betroffen und wird als letzte wieder dort herauskommen", heißt es im bundesweiten Demo-Aufruf. Die Thomas Cook-Pleite im vergangenen Jahr stecke vielen in der Branche noch in den Kochen, sagt Bischoff. Wie lange sie brauchen werden, um sich von der Corona-Krise zu erholen sei völlig unklar - gerade gehe es darum, überhaupt zu überleben.

Tourismus-Branche liegt brach

"Eine absolut wirtschaftliche Katastrophe" sei die aktuelle Situation, sagt auch Bernd Frölich, Chef des Reisebus-Unternehmens Frölich Reisen mit Sitz in Hessisch-Lichtenau (Werra-Meißner). "Wir haben quasi Berufsverbot seit dem 17. März", klagt er, die Kosten liefen weiter, der Umsatz sei bei null. Das Unternehmen plant nun Reisen für 2021 - in der Hoffnung, dass die Busse bis dahin wieder fahren dürfen.

Bundesweit gibt es laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) rund 80.000 Arbeitsplätze in Reisebüros. Die Gewerkschaft Nahrung Genuss und Gaststätten (NGG) hat sich schon vergangene Woche mit einem offenen Brief an die Politik gewandt: Nicht nur Unternehmen sollten Gelder bekommen, ein Rettungsschirm müsse auch Mitarbeiter unterstützen und vor Armut bewahren.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 28.04.2020, 19.30 Uhr