Leere Bierkästen der verschiedensten Brauereien stehen auf dem Hof einer Getränkefirma in Limburg.
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Der heiße Sommer regt den Bierdurst an. Doch den Brauereien geht das Leergut aus. Manche Unternehmen mussten den Verkauf einzelner Sorten bereits einschränken oder verzögern.

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Bierflaschen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das Leergut wird knapp

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Leere Bierflaschen - in diesem Sommer sind sie Mangelware. Um den Bierdurst der Hessen trotzdem stillen zu können, ruft jetzt der Brauerbund Hessen/Rheinland-Pfalz die Biertrinker zum Handeln auf. "Bringen Sie Kästen und Flaschen zurück", appelliert Geschäftsführer Axel Jürging. "Wir brauchen sie dringend, um sie neu zu befüllen." Auf den Höfen vieler Brauereien seien die Leergut-Vorräte bedenklich geschrumpft.

Ursache dafür sei zum einem die hohe Nachfrage. Die Fußballweltmeisterschaft habe den Bier-Verbrauch steigen lassen, so Brauerbund-Sprecher Jürging. Zwar sei Deutschland relativ früh aus dem Spiel ausgeschieden, aber: "Unser bester Spieler auf dem Platz war das Wetter." Wegen der anhaltenden Hitze herrsche weiterhin ungebremst große Bierlust.

Um die Nachfrage erfüllen zu können, brauchen die Brauereien jetzt ihre Mehrwegflaschen zurück, so Jürging: "Unser Problem ist nicht, dass es nicht genug Leergut gäbe. Das Problem ist, wo es sich gerade befindet." Die Ferienzeit sei schlecht für die Rückgabe des Leerguts, "da bleibt viel in den Kellern liegen".

"Wir leben von der Hand in den Mund"

Das spürt zum Beispiel die Darmstädter Privatbrauerei. Mit einem auf Facebook veröffentlichtem Hilferuf hatte die Brauerei am Dienstag zur Leergut-Rückgabe aufgerufen. Wegen fehlender Flaschen konnte sie einige Sorten wie Kristallweisen oder Dunkelbier erst ein paar Tage später liefern, wie Wolfgang Koehler von der Brauerei-Geschäftsleitung berichtet. Er hofft auf baldigen Leergutnachschub: "10.000 Kästen mit 24 Flaschen jeweils wären schön."

Auch in Nordhessen stößt so manche Brauerei an ihre Grenzen. "Wir leben momentan von der Hand in den Mund", berichtet Braumeister Sascha Nicolai von der Hütt-Brauerei in Baunatal (Kassel). Man sei froh über jede Kiste, die zurückkommt. Die Leergutlagerbestände würden nur ein Fünftel dessen abdecken, was eigentlich benötigt würde. Das heißt: "Wir können nicht so viel Bier abfüllen und verkaufen, wie wir eigentlich könnten", so Nicolai. "Dadurch entstehen uns Verluste."

Licher und Binding gut gerüstet

Ausreichend Leergut vermeldet hingegen die Licher Privatbrauerei. Zwar werde es im Sommer oft ein wenig eng, aber die Brauerei verfüge über eine große Logistikfläche und habe viel Leergut gelagert, sagt ein Sprecher der Licher Brauerei auf Anfrage. "Deswegen sind wir noch sehr gut ausgestattet",

Auch bei der Binding-Brauerei in Frankfurt ist der Leergutmangel nach Angaben einer Sprecherin spürbar. Bisher habe Binding die Situation jedoch meistern können. Die Privatbrauerei Schmucker im Mossautal (Odenwald) kann ebenfalls noch abfüllen, aber auch dort kennt man die Sommerengpässe.

"Mit Einwegsystem hätten wir das Thema nicht"

Gelassen sieht auch das Brauhaus Castel in Wiesbaden der Nachfrage entgegen. "Es wird sehr, sehr viel Bier getrunken, weil es ein Jahrhundertsommer ist", bestätigt Braumeister Friedrich Schulte. Aber die Brauerei habe Anfang des Jahres genug Flaschen gekauft, um damit auszukommen. Das Brauhaus verwendet individuelle Flaschen und muss nicht auf den allgemeinen Leergutpool mit Flaschen zurückgreifen, aus dem sich die meisten anderen Brauereien bedienen.

Rund 100 Millionen Bierflaschen sind in Hessen im Umlauf, schätzt Jürging vom Brauerbund. "Im Sommer wird es immer knapp, im Winter stehen dann die ganzen vielen Leergutkisten auf dem Hof der Brauereien." Er sieht das als Folge des Mehrwegsystems: "Mit dem Einwegsystem hätten wir das Thema nicht - da könnten wir bei Bedarf einfach nachbestellen."