Das GSI Helmoltzzentrums für Schwerionenforschung: Modell und Standort in Darmstadt
Das GSI Helmoltzzentrums für Schwerionenforschung: Modell und Standort in Darmstadt Bild © GSI

Ein Tunnel, gut ein Kilometer lang. Kosten: rund 1,4 Milliarden Euro. In Darmstadt entsteht ein Teilchenbeschleuniger, in dem einmal Wissenschaftler den Ursprung aller Dinge erforschen wollen. Jetzt wurde der erste Bauabschnitt fertiggestellt.

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Schwarze Sicherheitsschuhe, gelbe Warnweste und auf dem Kopf ein weißer Baustellenhelm - so stapft Ingo Peter durch die tiefen Lkw-Fahrspuren auf der FAIR-Baustelle in Darmstadt. "Hier soll in sechs Jahren internationale High-Tech-Forschung zuhause sein", sagt der Pressesprecher des GSI Helmholtzentrums für Schwerionenforschung, die die Anlage betreiben wird.

Zwei Millionen Kubikmeter werden bewegt

Dort wo heute nahezu ohne Pause Bagger den lehmigen Boden in die Anhänger der Traktoren schaufeln, werden dann Atome mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch einen 1.100 Meter langen Ringtunnel in 18 Meter Tiefe jagen - unter den gespannten Blicken der Wissenschaftler. Der FAIR-Beschleunigerring gilt als eines der größten Forschungsvorhaben weltweit. FAIR steht übrigens für "Facility for Antiproton und Ion Research in Europe" (Anlage für die Forschung mit Antiprotonen und Ionen in Europa).

Über 700.000 Kubikmeter Erde sind schon bewegt - aufgetürmt zu einem riesigen Gebirge am Rande des Waldes direkt neben der Baustelle. Der Volksmund hat sogar schon einen Namen für die Hügel: Monte Fair. Wenn der Bau fertig ist, werden zwei Millionen Kubikmeter bewegt sein. So viel fällt etwa beim Bau von 5.000 Einfamilienhäusern an.

Die FAIR-Baustelle in Darmstadt
Die FAIR-Baustelle in Darmstadt Bild © GSI

Wissenschaftler erforschen den Ursprung der Welt

Viel sehen wird man von der Forschungsanlage dann aber nicht. Mit den begrünten Dächern über dem eigentlichen Beschleunigerring wird die Anlage im Landschaftsbild nicht groß auffallen. Ein Großteil der heutigen Baustelle wird wieder unter Bäumen und Waldwegen verschwinden. Die Ring-Baustelle verläuft in Abschnitten. Zwar ist noch nicht der komplette Ring freigebuddelt, dafür ist jetzt der erste Abschnitt fertig betoniert. Im Sommer 2017 hatte der erste Spatenstich stattgefunden.

Rund 3.000 internationale Wissenschaftler werden jährlich in den grünen Hügeln am Rand von Darmstadt forschen und Teilchen zerschellen lassen. "Das Universum ins Labor holen", nennen das die Wissenschaftler der GSI. Mit dem Teilchenbeschleuniger können die Forscher zum Beispiel eine Supernova nachstellen, also einen explodierenden Stern. Dabei geht es um die Frage, woher wir kommen und wie die Elemente entstanden sind.

Neue Krebstherapie entwickelt

Es gibt aber auch ganz praktische Anwendungen: Es geht um die Veränderung von Materialien, wie beispielsweise Astronauten und Weltraumtechnik vor kosmischen Strahlen geschützt werden können. Mithilfe des schon bestehenden, kleineren Beschleunigerrings wurde in der Vergangenheit auch schon eine neuartige Krebstherapie entwickelt.

Neun Staaten sind an dem Projekt beteiligt - 1,4 Milliarden Euro sind für den Bau veranschlagt. Zumindest sind das die letzten offiziell bestätigten Kosten. Aktuell arbeitet ein Expertenteam an einer Begutachtung – was die Forschung, den Baufortschritt und auch die Kosten angeht. Im Januar war in einigen Medien von einer Kostensteigerung die Rede. Das will Pressesprecher Peter nicht bestätigen. "Wir warten erst mal die Ergebnisse der Begutachtung ab. Ende April, Anfang Mai wissen wir mehr."

Noch liegt die Baustelle offenbar voll im Zeitplan. Ab 2025 soll hier beschleunigt und geforscht werden. Pressesprecher Peter, selbst Physiker, freut sich schon auf diesen Moment. Die neue Anlagen werde ganz neue Möglichkeiten bieten. Und wer weiß, was dann im Wald am Rande von Darmstadt noch alles entdeckt wird.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 11.02.2019, 16.45