Pendler brauchen weiter gute Nerven: Der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sorgt weiter für viele Ausfälle und Verspätungen im Fern- und Nahverkehr der Bahn. Und auch der Streit vor Gericht geht weiter.

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Leere Bahnhöfe - und Pendler und Reisende, die sich Alternativen zur Schiene gesucht haben: Der bundesweite Streik der Gewerkschaft GDL geht auch am Freitag weiter. Nach dem gescheiterten Versuch der Deutschen Bahn (DB), den Lokführerstreik mit einem Eilantrag vor dem Arbeitsgericht Frankfurt früher zu beenden, startete der Bahnbetrieb laut einer DB-Sprecherin bundesweit "sehr ruhig".

Auch S-Bahn betroffen

Auch in Hessen gibt es - wie bereits am Donnerstag - wieder viele Ausfälle und Verspätungen. Im Fernverkehr fährt nur jeder vierte Zug, im Regionalverkehr besteht laut Bahn das Ziel, rund 40 Prozent des regulären Angebots zu fahren. Reisende müssten aber nach wie vor mit vollen Zügen und Einschränkungen rechnen, teilte die Bahn am Freitagmorgen mit.

Die Züge verkehren nach einem Ersatzfahrplan. Die S-Bahnen im Rhein-Main-Gebiet fahren nur stündlich, die S7 und die S9 fallen aus. Außerdem fahren landesweit viele Regionalbahnen nicht. Die Deutsche Bahn hat eine Übersicht veröffentlicht. Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen in Folge des Ausstands, der bis Dienstag um 2 Uhr andauern soll, möglich. Für das Wochenende sei geplant, das Zugangebot im Fernverkehr von 25 auf 30 Prozent leicht auszuweiten.

Fahrplan als "Spaghettisalat"

Hochbetrieb herrscht an den Streiktagen in der Leitzentrale der S-Bahnen Rhein-Main in Frankfurt, die für rund 600 Lokführer zuständig ist. Dort versuchen von Bildschirmen und Schautafeln umstellte Disponenten, den Verkehr aufrechtzuerhalten. Es ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten: Erst bei Schichtbeginn wissen sie, wer zum Dienst erschienen ist und wer nicht. "Das ist der Spaghettisalat", sagt Markus Rohrmüller, der Leiter der Leitstelle, mit Blick auf einen Bildschirm mit verschiedenen S-Bahnlinien. Ziel sei es, den Bahnkunden trotz Streiks ein "stabiles Angebot" zu machen.

S-Bahn-Leitstelle in Frankfurt

Bahn geht gegen Gerichtsurteil in Berufung

Die Lokführergewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder. Mit dem auf mehr als fünf Tage angesetzten Streik in der laufenden Tarifrunde bei der Bahn will die GDL ihren Forderungen nach insgesamt 3,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie einer Corona-Prämie von 600 Euro mehr Nachdruck verleihen.

Die Deutsche Bahn hatte ursprünglich eine deutlich längere Laufzeit von rund 40 Monaten angestrebt. Mit dem neuen Angebot hat sie nun 36 Monate in Aussicht gestellt sowie eine Corona-Prämie von bis zu 600 Euro.

Nach der Niederlage der Deutschen Bahn vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt am Donnerstagabend will der Konzern das Urteil in zweiter Instanz vor dem Landesarbeitsgericht prüfen lassen, wie eine DB-Sprecherin sagte. Verhandelt wird dort voraussichtlich am Freitag. "Wir waren uns bewusst, dass die Hürden in einem Eilverfahren sehr hoch liegen und dass das Streikrecht in Deutschland mit gutem Grund sehr geschützt ist", teilte die Sprecherin mit. "Dennoch sehen wir es als unsere Verantwortung, im Interesse unserer Kunden nichts unversucht zu lassen, den Streik zu beenden."

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