Leere Häuser Berger Straße.
Seit Jahren stehen diese beiden Häuser in der unteren Berger Straße leer. Bild © Marco Romano, hr

Wohnraum ist knapp, dennoch stehen viele Wohnungen in Frankfurt leer. Die neue Stabsstelle Mieterschutz soll künftig den Leerstand erfassen. Doch ihre Mittel sind begrenzt.

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Schon seit einer halben Ewigkeit stehen die Häuser Berger Straße 6 und 8 leer. Dabei befinden sich die beiden Gebäude mitten in der Frankfurter City gegenüber des Bethmannparks in allerbester Wohnlage. Trotzdem verkommen sie seit Jahren, Grafitti überzieht die Fassaden. Die beiden Geisterhäuser, wie sie auch genannt werden, sind ein Symbol für den spekulativen Leerstand von Immobilien im Herzen der Bankenstadt.

Warum die Altbauten schon so lange leer stehen, darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Sicher ist nur: Es sind keine Einzelfälle. Fischerfeldstraße, Rappstraße, Sternstraße, Allerheiligenstraße, Battonnstraße - die Liste von verwaisten Mietshäusern in beliebten Frankfurter Wohngegenden ließe sich beliebig fortsetzen.

1,4 Prozent - viel oder wenig?

Wie viele Häuser tatsächlich in Frankfurt unbewohnt sind, dazu gibt es keine verlässlichen Zahlen. Nach Angaben des Instituts für Wohnen und Umwelt (IWU), auf die sich Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in der jüngsten Wohnungsnot-Debatte im Landtag erneut bezog, soll die Leerstandsquote bei lediglich 1,4 Prozent liegen. Der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA, der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, geht sogar von nur 0,5 Prozent aus.

Kai Schönbach
Kai Schönbach, Leiter der Stabsstelle Mieterschutz. Bild © Stadt Frankfurt

Zahlen, die bei Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zuletzt für "große Verwunderung" gesorgt haben. Auch Mike Schönbach, der Leiter der neuen "Stabsstelle Mieterschutz" bei der Stadt, ist irritiert. "Solche Zahlen haben auch ein Stück weit mit Bauchgefühl zu tun. Wir als Stadt haben den Anspruch, näher am Puls der Zeit zu sein als andere Menschen, die mit Gefühlen kommen", sagt Schönbach hessenschau.de.

"Da werden Wohnungen präpariert"

Übersetzt heißt das: Die Stadt traut den Zahlen nicht. "Bei rund 400.000 Wohnungen in Frankfurt können mal schnell 10.000 bis 12.000 Wohnungen leer stehen", glaubt der Jurist. Manches blühe auch im Verborgenen. "Da werden Wohnungen so präpariert, dass sie einen belegten Eindruck machen." Wer zur besten Tagesschau-Zeit mal einen Streifzug durch das Europaviertel mache, so Schönbach, könne sehen, dass ganze Fronten dunkel blieben.

Seit April leitet der Rechtsanwalt die neue Stabsstelle. Das Amt soll künftig auch den Leerstand auflisten, was aber aus datenschutzrechtlichen Gründen derzeit noch nicht geschieht. Grund: Es fehlt eine notwendige Ermächtigungsgrundlage. In Zukunft möchte die Stadt nach Schaffung einer zugehörigen Gesetzesgrundlage durch die Landesregierung zum Thema Leerstand einen "validen Datensatz" aufbauen, erklärt Schönbach, um so einen besseren Überblick zu bekommen.

Ein ganzer Stadtteil steht leer

Gegenwärtig sind der Stadt im Kampf gegen Spekulanten freilich die Hände gebunden. Eine Wohnung leer stehen zu lassen, stellt keine Straftat dar. Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist enorm, Frankfurt wächst von Tag zu Tag. Wohnraum ist knapp und teuer. "Wenn man die 1,4 Prozent mal annehmen wollen würde", so Schönbach, "wären wir bei knapp 6.000 Wohnungen, die leer stehen. Das entspricht einem kleinen Stadtteil".

Schönbach hat seit Amtsantritt schon eine handvoll Mails von Bürgern erhalten, die ihn auf Missstände hingewiesen hätten. Einen gewissen Leerstand brauche eine Stadt, meint Schönbach und verweist auf Reservewohnungen, die bei Sanierungen benötigt würden. "Früher hat sich spekulativer Leerstand nicht gelohnt. Aber angesichts der explodierenden Preise auf dem Wohnungsmarkt und besonders im Verkaufssektor", so der Experte, habe sich das im Laufe der Jahre gehörig gewandelt.

Ruf nach Zweckentfremdungsverbot wird lauter

Auch deshalb werden die Rufe nach einem Zweckentfremdungsverbot bei Leerstand wieder laut. Das Berliner Volksbegehren zur Enteignung großer Wohnungskonzerne hat eine bundesweite Debatte zu diesem brisanten Thema entfacht. In Wiesbaden ist die schwarz-grüne Landesregierung aber dagegen, das 2004 erlassene Verbot der Enteignung wieder rückgängig zu machen. Bis dato konnten Kommunen gegen Leerstände mit diesem Mittel vorgehen.

Gerade in Frankfurt lohnt es sich für Spekulanten, Objekte leer stehen zu lassen. Die Bodenpreise steigen und steigen. "Es ist einfacher, ein leer stehendes Haus zu verkaufen als ein vermietetes", weiß Schönbach. Während in Hamburg oder München ein Zweckentfremdungsverbot möglich ist, schaut Frankfurt in die Röhre. Zumindest etwas Hoffnung keimt auf: Die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen soll in Zukunft untersagt werden können. Ein Gesetz dazu will die Landesregierung verabschieden. Allein diese Maßnahme dürfte die Wohnungsknappheit in Frankfurt aber kaum verringern.

Ihre Kommentare Welche Maßnahmen gegen Leerstand halten Sie für gerechtfertigt?

20 Kommentare

  • Viele ganz normale Bürger und kleine Hausbesitzer trauen sich nicht mehr Wohnungen zu vermieten. Mietnomaden, Messies...oder schlicht ein Mieterschutz, der auch die übelsten Mietverhältnisse schützt dürften die Gründe sein. Auch gibt es immer weniger Mieter mit beständigen Einkommen. Zeitverträge und andere sich weiter verschlechternde Berufssparten (An einen Postbeamten hat man früher gerne vermietet, beim auf dem Zahnfleisch gehenden Hermes-Boten zittert man mit jeder Miete mit). Es ist lachhaft von einer Wohnungsnot zu sprechen. Alleine in unserer Strasse stehen so viele Wohnungen leer, weil sich kleine Eigenheimbesitzer mit einem Mieter nicht ruinieren wollen und dann noch vom Gesetz ausgeliefert sind und dann auch noch in einer solchen Situation unter einem Dach leben zu müssen. Es gibt keine Wohnungsnot, allenfalls einen Vermietungsunwillen und der hat gute Gründe: Erodierende Gesellschaft, Erodierende Beschäftigungsverhältnisse mit ihren Folgen: kranke Familien, kranke Menschen

  • Zwangsvermietung, bzw. Enteignung von Häusern u. WOHNUNGEN. Es kann nicht sein, dass lang leer stehende Gewerbeimmobilien noch Steuergelder erhalten. Da müssten Leerstandsgebuehren erhoben werden. Wenn sich ueber einen gewissen Zeitraum (3 Jahre) keine Gewerbe Vermietung ergibt, muss der Eigentümer seine Immobilie selbst
    in Wohnumgen umbauen. Damit entsteht bezahlbarer Wohnraum und Spekulation abgewendet Viele Häuser und Wohnungen wurden damals mit Steuerergeldern
    gefördert. Somit sind staatl. Zwangsmass-nahmen rechtmäßig. Die CDU Regierung hat ja staatl. Eigentum verkauft. Staatl. gefoerderter Wohnraum zu Eigentum geduldet und den sozialen Wohnungsbau still gelegt. Damit wurde bezahlbare Wohnraum für junge Paare unerschwinglich und die Geburtenrate sank. Jetzt wo man Massen von Fluechtlingen u. Migranten aufgenommen hat, werden diese sofort mit Sozialwohngen versorgt. Ausser nichts Arbeiten und Hartz 4 mitnehmen, haben die keine Interessen. Danke Deutschland. Kein Plan, kein Rezept.

  • Die Bauvorschriften entschlacken, Hemnisse beseitigen, weniger Auflagen, kurz Bürokratie-Abbau, Baugenehmigungen in max. 3 Monaten erteilen, dann braucht es keine Stabs-Stellen-Mieterschutz was nur weitere Bürokratie bedeutet und nur den Mangel verwaltet!
    Ab 2020 wird schon durch die schlechte Wirtschaftslage eine Entspannung am Wohnungsmarkt erfolgen.
    In anderen Ländern sind die Mieten 3 mal zu hoch wie in Deutschland, und auch da gibt es den Wohnungsmangel. Weiterhin können nun mal in Innenstadtlage nur eine begrenzte Anzahl von Menschen wohnen, will das keiner verinnerlichen?
    Und warum in der Stadt wohnen? Da ist es laut, oft dreckig, Belastung durch Abgase und Verkehr und Sicher ist es auch nicht.

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