Ein DHL-Paketzusteller im Schnee mit einem Berg an Paketen vor einer Zustellbox

Der stationäre Einzelhandel hat geschlossen. Das dürfte Speditionen ein besonders gutes Weihnachtsgeschäft bescheren. Zusteller haben ein noch größeres Päckchen zu tragen als ohnehin.

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hessenschau vom 16.12.2020
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Für die Paketbranche ist der Lockdown ab diesem Mittwoch ein gutes Geschäft - und eine echte Herausforderung. "Normalerweise beginnt der wahnsinnige Stress erst Mitte Dezember, in diesem Jahr ging es schon Anfang des Monats los", sagt ein leitender Mitarbeiter eines mittelständischen Logistikbetriebs aus dem Rhein-Main-Gebiet zu hessenschau.de. Namentlich will er nicht genannt werden. Für die Tage kurz vor Weihnachten rechnet er noch einmal mit einem deutlichen Anstieg des Paketaufkommens.

Bei der Deutschen Post hat man auch ohne Lockdown für dieses Jahr eine Rekordmenge an Paketen erwartet. Auf deutschlandweit rund elf Millionen Pakete am Tag habe man sich im Weihnachtsgeschäft eingestellt, sagt Thomas Kutsch, für Hessen zuständiger Sprecher der Post. Dann verkündeten die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten, dass die Geschäfte wieder schließen müssen. "Es ist schwer abzuschätzen, wie viel mehr es dadurch wird. Klar ist nur: Mehr wird es werden", sagt Kutsch.

Viele zusätzliche Saisonkräfte - doch auch genug?

Für die Zusteller und die Beschäftigten in den Verteilzentren wird der zu erwartende Corona-Bestell-Rausch eher zur Belastung. "Das ganze Jahr war vom Arbeitsaufkommen bereits wie sonst zu Weihnachten", sagt der zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Andreas Jung. Für die kommenden Tage erwartet er "wohl noch einmal deutlich mehr".

Um das Zusatzaufkommen zu stemmen, haben die Betriebe für die Weihnachtszeit neues Personal eingestellt - alleine bei DHL rund 1.000 zusätzliche Kräfte in Hessen. Allerdings fußte das noch auf der Planung eines gewöhnlichen Dezembergeschäfts.

Niedriges Gehalt, kaum Corona-Bonus

Dass sich das zusätzliche Geschäft für die Zusteller lohnen wird, darf man bezweifeln. Zu den Topverdienern gehören sie ohnehin nicht: Bei DHL liegt das Einstiegsgehalt in der niedrigsten Stufe bei etwas mehr als 2.000 Euro brutto. Unternehmen ohne Tarifvertrag zahlen teilweise noch weniger.

Manche Kunden geben den Zustellern sicher ein Trinkgeld vor dem Fest. Einen Corona-Bonus zum Beispiel gewährt nach Verdi-Angaben aber nur die Deutsche Post. Amazon habe zwar im Frühjahr kurzfristig einen Zwei-Euro-Aufschlag auf den Stundenlohn eingeführt, diesen im Juni aber schon wieder abgeschafft.

Einzelhandel hofft auf Vor-Ort-Bestellungen

Derweil hofft der lokale Einzelhandel auf Bestellungen nicht bei Online-Händlern, sondern bei Läden vor Ort. Kaweh Nemati, Vorsitzender des Frankfurter Gewerbevereins, sagt: "Wer seinen Lieben etwas Gutes tun will, ordert beim Laden um die Ecke." Damit den örtlichen Gewerbetreibenden doch ein Teil des Weihnachtsgeschäfts bleibe. Ausdrücklich erlaubte die Landesregierung, dass Kunden bestellte Ware im Laden abholen oder sich liefern lassen dürfen.

Zwar erwartet Nemati ohne finanzielle Unterstützung durch die Politik "ein erhebliches Ladensterben". Doch ganz darauf verlassen wollen sich nicht alle Händler. Einige schlossen sich schon vor dem erneuten Lockdown zusammen und vernetzten sich auf regionalen digitalen Plattformen wie beim Projekt Marburg-Liebe oder der App regyonal.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 15.12.2020, 19.30 Uhr