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Audioseite Situation des Einzelhandels in Hessen

Sigrid Fuhr

Das Weihnachtsgeschäft lief gut an, da erwischte der harte zweite Corona-Lockdown die Einzelhändler mit voller Wucht. Ihr Verband fürchtet: Im neuen Jahr wird es noch heftiger - auch für viele Beschäftigte.

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Sigrid Fuhr
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Sigrid Fuhr ist Geschäftsführerin eines großen Gießener Spielwarenladens. Die Weihnachtszeit ist für sie normalerweise die lukrativste des Jahres, 20 Prozent des gesamten Umsatzes hängen davon ab. Wann sonst werden so viele Spiele auf einmal gekauft?

Der Lockdown ist für ihren Familienbetrieb eine "enorme Herausforderung". Fuhr musste ihren Laden nicht ganz dicht machen, für Abholer hat sie weiter geöffnet. Wer ein Spiel kaufen möchte, kann im Laden anrufen, wird am Telefon beraten und erhält seine Bestellung an der Eingangstür, natürlich mit Abstand. "Aber das ersetzt natürlich nicht den Besuch im Laden, das Selbst-Aussuchen-Können, Stöbern, Anregungen sammeln. Das ist schon schade für alle Beteiligten", sagt Fuhr.

"Die zweite Welle werden wir nochmal spüren"

Immerhin kann die Geschäftsfrau hoffen, die nun liegenbleibende Ware auch im kommenden Jahr noch zu verkaufen. Die kommt schließlich nicht so schnell aus der Mode wie Kleidung. Die Kollegen dieser Branche trifft der Lockdown deshalb um so härter. Das merkt auch Jochen Ruths, Präsident des Handelsverbands Hessen - auch in der eigenen Kasse. Denn ihm gehört ein Modegeschäft in Friedberg.

Jochen Ruths

Auch Ruths setzt jetzt notgedrungen auf das Geschäftsmodell mit Selbstabholer. Besonders Gutscheine würden gut angenommen, sagt er. Besser als nichts, aber selbst an guten Tagen kommt so nur ein Bruchteil des Umsatzes rein, der vor dem Lockdown eingefahren wurde. Der Friedberger spricht von gerade einmal 12 Prozent, die übrig geblieben sind.

In seinem Lager stapeln sich deshalb unverkaufte Hemden, Pullover und Hosen. Ob und wann Ruths das alles noch unters Volk bringen kann? Unklar. Und noch ein weiteres Problem gibt es: Er muss zum Teil schon ein Jahr im Voraus die neuen Kollektionen bestellen. Weil auch bei der Produktion der Kleidung im Corona-Jahr nicht alles wie immer läuft, geht der Ladenbesitzer davon aus: "Die zweite Welle werden wir im nächsten Jahr nochmal spüren."

Schnäppchenjäger dürfen sich freuen

Wie hoch der finanzielle Schaden am Ende für ihn sein wird, weiß Ruths noch nicht. In seinem Unternehmen fehlen bisher schon rund 1,2 Millionen Euro Umsatz - bei so weit wie möglich reduzierten Kosten. Für seine Mitarbeiter hat er Kurzarbeit angemeldet, auch beim Strom wird gespart: Die meisten Lampen im Laden können ja ausgeschaltet bleiben.

In vielen Läden werden die Lichter wohl ganz ausgehen. Das befürchtet der Handelsverband Hessen. Im stationären Einzelhandel könnten demnach landesweit ein Drittel der rund 100.000 Arbeitsplätze durch drohende Insolvenzen gefährdet sein. Bundesweit wird damit gerechnet, dass die stationären Einzelhändler im gesamten Jahr Umsatzeinbussen von 36 Milliarden Euro erleiden.

Für die Kunden könnte das Lockdown-Elend des Handels Anfang 2021 vorübergehend einen Vorteil haben: Wer mit Kleidung handelt, muss zusehen, dass er das Lager schnell leer bekommt. "Der eine oder die andere wird da wirklich noch ein gutes Schnäppchen machen können", meint Modeladenbesitzer Ruths.

Sendung: hr-iNFO, 22.12.2020, 16.20 Uhr