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zum Video Deutsche Bank baut radikal um

Die Deutsche Bank hat Pläne für einen tiefgreifenden Konzernumbau vorgelegt. Rund 18.000 Stellen sollen abgebaut werden, im Investmentbanking soll es weitreichende Einschnitte geben. Und auch der Vorstand bleibt nicht verschont.

Im Zuge der Restrukturierung plant die Deutsche Bank bis 2022 einen Stellenabbau um rund 18.000 auf etwa 74.000 Vollzeitstellen. Schon seit gut einer Woche wurde in Medienberichten über den Abbau von konzernweit 15.000 bis 20.000 Vollzeitstellen und damit jeder fünften der zuletzt knapp 91.500 Stellen spekuliert.

Wie die Bank zudem nach einer Sitzung des Aufsichtsrates am Sonntagnachmittag mitteilte, soll es insbesondere im Investmentbanking weitreichende Einschnitte geben. So will sich die Deutsche Bank nach eigenen Angaben vor allem aus dem weltweiten Aktiengeschäft zurückziehen.

Auch Vorstand wird umgebaut

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Deutsche Bank

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Deutsche Bank beschließt umfangreichen Unternehmensumbau

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Auch ihren Vorstand baut die Bank grundlegend um. Privatkundenchef Frank Strauß und die für Regulierungsthemen zuständige Sylvie Matherat verlieren ihre Posten im Führungsgremium des größten deutschen Geldhauses. Beide werden die Bank zum 31. Juli dieses Jahres verlassen, wie die Deutsche Bank mitteilte. Bereits am Freitag hatte die Bank bekanntgegeben, dass Investmentbankchef und Konzernvize Garth Ritchie das Institut zum selben Termin verlassen wird.

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Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Konzernchef Christian Sewing zu Stellenstreichungen und Unternehmensumbau

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Der Aufsichtsrat ernannte in seiner Sitzung am Sonntag drei neue Vorstandsmitglieder, die zunächst Generalbevollmächtigte sein werden, bis die entsprechenden Freigaben der Aufsichtsbehörden vorliegen. Die gebürtige Amerikanerin Christiana Riley, seit Ende 2015 Finanzchefin der Unternehmens- und Investmentbank, übernimmt ab sofort die regionale Verantwortung für das Geschäft in Nord- und Südamerika.

Der bisherige SAP-Vorstand Bernd Leukert stößt zum 1. September 2019 als Vorstand für Digitalisierung, Daten und Innovation zur Deutschen Bank, um die IT auf Vordermann zu bringen. Der Anwalt Stefan Simon, Vertrauensmann des Großaktionärs Katar, der seit August 2016 Mitglied des Aufsichtsrates war, wird Chief Administrative Officer (CAO) und wird für die Beziehungen zu den Aufsichtsbehörden und für die Rechtsabteilung verantwortlich sein.

Besonders risikoreiche Finanzprodukte werden ausgelagert

Darüber hinaus richtet die Deutsche Bank eine interne Abbaueinheit ein - eine sogenannte "Bad Bank". Dorthin will das Geldhaus besonders risikoreiche Finanzprodukte im Gegenwert von 74 Milliarden Euro auslagern. Künftig will sich die Deutsche Bank zudem stärker auf das Geschäft mit den Unternehmens- und Privatkunden und die Vermögensverwaltung konzentrieren.

Zitat
„Der Vorstand der Deutschen Bank plant, die Transformation mit den vorhandenen Ressourcen zu finanzieren und kein neues Kapital aufzunehmen.“ Zitat von Aus der Pressemitteilung vom Sonntag
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Der Umbau soll die Deutsche Bank bis 2022 voraussichtlich insgesamt 7,4 Milliarden Euro kosten. Das soll bereits im zweiten Quartal dieses Jahres zu Buche schlagen: Die Bank rechnet mit einem Verlust von 2,8 Milliarden Euro nach Steuern. Details dazu sollen am 24. Juli bekannt gegeben werden.

Sewing: Stellenabbau "leider Nebeneffekt"

Die Gewerkschaft Verdi begrüßte den "radikalen Schritt", um die Deutsche Bank und damit die Arbeitsplätze in Deutschland langfristig zu stabilisieren. Man gehe davon aus, dass der in diesem Zusammenhang geplante Personalabbau vor allem im Investmentbanking stattfinde, sagte Gewerkschaftschef Frank Bsirske. "Wir haben die klare Erwartung, dass die Deutsche Bank bei ihrer Neuaufstellung wie bisher auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet und der Personalabbau der Beschäftigten sozialverträglich erfolgt."

Konzernchef Sewing bestätigte gegenüber dem HR, dass der Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstatten gehen soll: "Wir haben ein klares Abkommen mit dem Betriebsrat." Der Abbau sei "leider der Nebeneffekt, wenn Sie sich von Geschäften trennen". Aber auch insgesamt gesehen habe die Bank durch die Digitalisierung weniger Mitarbeiter als zuvor.

Sendung: hr-iNFO, 07.07.2019, 17.00 Uhr