Den Beschäftigten bleibt eine Fusion zwischen den beiden größten deutschen Banken Gott sei Dank erspart. Aber inwiefern sind die beiden Institute eigentlich gegen die internationale Konkurrenz aufgestellt, fragt hr-Wirtschaftsredakteur Alexander Schmitt.

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Zwillingstürme der Deutschen Bank gespiegelt in einer Tür einer Commerzbankfiliale

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Bankenfusion ist geplatzt - gut so!

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Aus der Traum von einer deutschen Großbank, von einem nationalen Bankenchampion, so wie ihn Politiker in Berlin seit langem geträumt haben. Wie zuletzt Olaf Scholz von der SPD und sein Staatssekretär Jörg Kukies.

Letzterer ist ehemaliger Investmentbanker von Goldman Sachs. Er kennt Deutsche Bank und Commerzbank gut. Er kennt ihre Vorstände. Er kennt ihre Probleme, ihre Versäumnisse und die lange Leidensgeschichte der insgesamt rund 140.000 Mitarbeiter beider Häuser.

Politik hätte Probleme der Banken mehr gewichten müssen

Kukies und sein Chef hätten wissen müssen, dass zwei angeschlagene Banken nicht automatisch zu einem Champion aufsteigen, nur weil sie zusammengehen. Wie hätten die beiden hochrangigen Sozialdemokraten den Wählern vermitteln sollen, dass im Falle einer Fusion auf einen Schlag zehntausende Jobs wegfallen? 30.000, 40.000 - oder gar 50.000!

Sie hätten auch wissen müssen, dass die beiden größten deutschen Privatbanken so viele hausgemachte Probleme haben, dass sie noch über Jahre mit der Auf- und Abarbeitung beschäftigt sein werden: seien es die zahlreichen Skandale der Deutschen Bank - Geldwäsche, Zinsmanipulationen, Steuerbetrug, um nur einige zu nennen -, seien es riskante Staatsanleihen und Schiffskredite der Commerzbank.

Dazu kamen in den vergangenen Jahren milliardenschwere Übernahmen, die beiden Konzernen kein Glück beschert haben. Das hätte zu viel werden können, das scheint Deutsche Bank-Chef Christian Sewing geahnt zu haben.

International höchstens Juniorpartner in einer Fusion

Gut so! Beide Institute sind ausgezehrt. Sie haben Milliarden ihrer Aktionäre verbrannt und leben seit geraumer Zeit vom Verkauf ihres Tafelsilbers. Die Deutsche Bank hatte in der ersten Liga der US-Investmentbanken mitspielen wollen und ist damit dramatisch gescheitert. Die Commerzbank hat sich von der Politik in eine Fusion mit der Dresdner Bank drängen lassen - zu einer Zeit, als die Weltfinanzkrise gerade auf ihrem Höhepunkt war. Sie musste anschließend vom Staat gerettet werden.

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Und jetzt? Jetzt werden beide erst einmal allein weitermachen und so tun, als wäre nichts geschehen. Aber es ist etwas geschehen! Der nationale Bankenchampion ist tot, bevor er geboren worden ist. International spielen Deutsche Bank und Commerzbank allenfalls noch als Juniorpartner einer späteren Fusion eine untergeordnete Rolle.

Kunden wollen mobiles, einfaches Banking

Und beide müssen den Beweis noch antreten, dass sie das Zeug haben, den eigentlichen Wettbewerbern der Zukunft Paroli zu bieten. Die heißen Apple, Google, Amazon oder Alibaba: Die Tech-Giganten haben längst eigene Bezahlsysteme am Start und liefern ihren Kunden genau das, was sie in Zukunft wollen: mobiles, einfaches und schnelles Banking. Sie haben die Geräte, die Apps, die Rechenzentren.

Und die Commerzbank und die Deutsche Bank, was haben die? Vorstände und Aufsichtsräte, die ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden, die Entwicklungen verschliefen und viele falsche Entscheidungen trafen. Sie sollen beide Traditionshäuser in die Zukunft führen? Die könnte längst abgelaufen sein. So wie die Geduld ihrer Mitarbeiter und Aktionäre.