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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das passiert mit den Castor-Behältern in Biblis

Eine Archivaufnahme aus dem Jahr 2015 - Umladen eines Castor-Behälters im Zwischenlager Biblis.

Sechs Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll sind in dieser Woche aus dem britischen Sellafield in Biblis angekommen. Nun werden sie für die Zwischenlagerung vorbereitet. Wann sie das Lager an der Bergstraße wieder verlassen können, ist ungewiss.

Am Mittwochmorgen hat der gut 600 Meter lange Zug mit den sechs Castor-Behältern das Kraftwerksgelände in Biblis (Bergstraße) erreicht. In den nächsten Tagen und Wochen müssen nun speziell geschulte Mitarbeiter die Behälter ins Zwischenlager holen, die Transportstoßdämpfer lösen und den Zustand der jeweils über eine Tonne schweren Behälter überprüfen.

Im Anschluss werden die Castor-Behälter für die Zwischenlagerung vorbereitet. "Auf jeden Behälter wird zusätzlich zum ersten noch ein zweiter Deckel montiert werden, ebenso eine Schutzplatte," erklärt Tobias Schmidt von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ).

Abschließend bekommt jeder der sechs Behälter einen eigenen Stellplatz - neben den 102 schon eingelagerten Behältern mit Brennelementen, die im Zwischenlager stehen. Erlaubt wären auf dem Gelände 135 Behälter, doch voraussichtlich werden keine weiteren mehr kommen, heißt es von der BGZ.

Wie lange ist "zwischen"?

Die insgesamt 108 Castor-Behälter sollen so lange im Zwischenlager Biblis bleiben, bis ein deutsches Endlager gefunden ist. Die Suche danach läuft. Nach einem ersten Teilbericht zur Standortsuche der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) kommen auch hessische Regionen aufgrund ihrer Böden als möglicher Standort infrage.

Das Endlager soll bis 2031 gefunden sein. Die Fertigstellung ist für 2050 angepeilt - wenn alles nach Plan läuft. Doch selbst dann könnte es noch Jahre dauern, bis die Castor-Behälter aus Biblis dorthin gebracht werden könnten, glaubt Tobias Schmidt von der BGZ. Doch die Genehmigung für das Zwischenlager in Biblis läuft 2046 aus. Eine Verlängerung wird auf jeden Fall notwendig sein.

Ein Erbe für Jahrzehnte

Dass der Atommüll noch auf viele Jahrzehnte eng mit Biblis verknüpft sein wird, glaubt auch Bürgermeister Volker Scheib (parteilos). Auch wenn er davon bei der Abschaltung des Kraftwerks 2011 noch nicht ausgegangen ist: "Man war einfach der Meinung, man schaltet ab, baut ab und das Ding ist erledigt für Biblis - so ist es halt nicht."

Das sei nicht nur für alteingesessene Bibliser eine Herausforderung, sondern auch für potenzielle Neubürger, sagt Scheib. Die einzige Lösung sieht er darin, dass Probleme und Sorgen offen angesprochen und von der Gesellschaft für Zwischenlagerung beantwortet werden.

Unsicherheit über die Sicherheit

Bereits im Vorfeld des Transports hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert, das Zwischenlager in Biblis sei für eine Einlagerung der sechs neuen Castor-Behälter nicht sicher. Grund sei ein fehlendes Reparaturkonzept: "Wenn Undichtigkeiten des Primärdeckels auftreten, kann der Behälter im Zwischenlager nicht zeitnah repariert werden, da eine sogenannte 'heiße Zelle' fehlt", erklärt Michael Rothkegel, Geschäftsführer des BUND Hessen.

Bei der "heißen Zelle" handelt es sich um einen Raum, in dem die Behälter mit ihrem hochradioaktiven Inhalt möglichst sicher bearbeitet werden können. Eine Klage des BUND vor dem Verwaltungsgerichtshof Kassel gegen die Einlagerung der Castoren war im Oktober aber abgelehnt worden.

BGZ weist Kritik zurück

Tobias Schmidt wertet die Kritik des BUND als unberechtigt: "Es sind deutschlandweit schon mehr als 1.200 Castor-Behälter im Einsatz, teilweise schon seit Jahrzehnten und bei keinem dieser Behälter musste bisher ein Fügedeckel aufgeschweißt werden."

Doch selbst falls das notwendig sein sollte, könne der Behälter repariert und auch weiterhin aus dem Zwischenlager in Biblis weggebracht werden. Schmidt betont, man sei auf alle denkbaren Reparaturfälle gut vorbereitet - auch ohne eine "heiße Zelle".

Selbst für Ereignisse wie einen möglichen Flugzeugabsturz sei das Zwischenlager in Biblis vorbereitet. Die zuständige Genehmigungsbehörde (BASE) hat dieses Szenario für alle gängigen Flugzeugtypen geprüft: "Im Ergebnis konnte nachgewiesen werden, dass durch einen gezielt herbeigeführten Flugzeugabsturz auf ein Zwischenlager […] eine Gefährdung von Leben und Gesundheit der Bevölkerung ausgeschlossen ist."

Weitere Transporte nach Deutschland folgen

Mit dem Castor-Transport nach Biblis ist jetzt der erste Transport von Atommüll aus der Wiederaufbereitungsanlage im britischen Sellafield abgeschlossen. Die beiden weiteren Rücktransporte von deutschen Atommüll umfassen jeweils sieben Behälter und gehen an die Zwischenlagerstandorte Brokdorf in Schleswig-Holstein und Isar in Bayern. Laut der Transportgesellschaft GNS finden sie frühestens 2023 statt. Zudem steht noch ein Rückführungstransport von Abfällen aus La Hague in Frankreich aus.

Diese Behälter sollen in Philippsburg (Baden-Württemberg) eingelagert werden - auch hier steht ein Transporttermin noch nicht fest. Doch Herbert Würth vom Bündnis Castor-Stoppen macht schon jetzt deutlich: "Wir lehnen diese Transporte ab und sagen: Der Atommüll soll bleiben wo er ist, bis hier ein sogenanntes Langzeitlager gefunden ist."

Sendung: hr-iNFO, 06.11.2020, 7.15 Uhr