Urban Media Project Offenbach
Das Büro der Agentur Urban Media Project. Bild © Kathrin Wesolowski

Offenbach ist äußerst beliebt bei Firmengründern - das sagt eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn. Was macht Frankfurts kleinen Nachbarn so attraktiv für Startups? hessenschau.de hat nachgefragt.

"Wir sind mitten in Deutschland, mitten im Leben hier in Offenbach", sagt Loimi Brautmann. Vor fünf Jahren hat der 36-Jährige mit seinen ehemaligen Kommilitonen Nicolas und Oliver Kremershof die Webkommunikationsagentur Urban Media Project gegründet. Die Agentur gestaltet regional und überregional Webseiten und Kampagnen, vor allem für Städte, darunter Köln und Offenbach.

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Günstige Mieten und Nähe zu Frankfurt

"Offenbach ist eine Stadt für spannende, künstlerische Leute, für Designer und für Agenturen", sagt Brautmann. Die Mieten seien relativ günstig, das sei ihnen natürlich entgegengekommen. Brautmann sieht zudem die direkte Nachbarschaft zu Frankfurt und die gute Infrastruktur als ideal an, gerade wenn er Termine mit Kunden hat: "Einen anderen Standort können wir uns erst einmal nicht vorstellen."

Offenbach als beliebte Gründerstadt: Das bestätigen die Zahlen des Regionenrankings "Neue Unternehmerische Initiative" des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn. Seit neun Jahren ist Offenbach hier bundesweiter Spitzenreiter. Die Stadt verzeichnet die meisten Neugründungen pro 1.000 Einwohner. Hessen liegt in diesem Ranking auf Platz drei hinter den Stadtstaaten Berlin und Hamburg.

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Ein Gründercampus für Kreative

Warum Offenbach bei Gründern so gut abschneidet, ist für Holger Winkler klar. "Wir sind eine gut vernetzte Stadt", sagt der Teamleiter Existenzgründung und Unternehmensförderung der Industrie- und Handelskammer Offenbach. Die Stadt habe beispielsweise das Netzwerk Gründerstadt Offenbach ins Leben gerufen. Das Projekt mit Partnern wie der Bundesagentur für Arbeit oder der Sparkasse Offenbach soll Existenzgründer beraten und unterstützen.

Ostpol Gründercampus
Der Gründercampus Ostpol. Bild © georg-foto.de

Teil des Netzwerks ist der Gründercampus Ostpol. "70 Ateliers und Büros haben wir hier", sagt Adriana Vukin, Managerin des Ostpols. Das Haus sei vor allem auf Künstler und Jungunternehmer ausgerichtet, die sich vernetzen wollten: Schriftsteller, Maler und Architekten, aber auch Berater haben dort ihre Büros.

Modedesignerin ohne Netzwerk

Eine der Unternehmerinnen im Gründercampus Ostpol ist Martina Lewe. Ende 2013 hat sich die 52-Jährige selbstständig gemacht und ihr Modelabel Meinfrollein gegründet. Ihre frühere Führungsposition in einem Modeunternehmen habe ihr auf Dauer nicht genügt, begründet die Norddeutsche ihren beruflichen Neustart in Offenbach.

Mode Lewe Atelier
Das Atelier der Modedesignerin Martina Lewe. Bild © Kathrin Wesolowski

In ihrem Ein-Frau-Unternehmen designt Lewe nun "nachhaltige" Mode und gibt Schulungen in Modedesign. Ihre Artikel vertreibt sie über Onlineshops und in kleinen Läden deutschlandweit. Ihr nächstes großes Projekt ist die Fashion Week in Berlin, bei der sie ihre Mode vorstellen will.

Leben kann Lewe von ihrem Label noch nicht. Auch sie kam wegen der günstigen Miete nach Offenbach. An ihrem privaten Wohnsitz im nahen Langen allein konnte sie aus Platzmangel nicht dauerhaft arbeiten. Ein Netzwerk habe sie sich im Ostpol noch nicht aufbauen können, sagt die Designerin. Dabei könnten ihr engere Kontakte zu Studierenden der Offenbacher Hochschule für Gestaltung ermöglichen, größere Projekte anzugehen und mit jungen Kreativen zu kooperieren.

Wachstum macht Frankfurt dann doch attraktiver

René Maudrich dagegen ist Offenbach inzwischen zu klein geworden. Seine Firma Fastbill ist in Offenbach entstanden und gewachsen. Das Startup hat eine Buchhaltungssoftware entwickelt, die speziell auf kleine und junge Unternehmen ausgerichtet ist und helfen soll Arbeitszeit zu sparen.

Fastbill Startup Offenbach
Das Büro des Startups Fastbill. Bild © Fastbill

Fastbill hat mittlerweile 50 Mitarbeiter und im vergangenen Jahr Offenbach in Richtung Frankfurt verlassen, nachdem zwei Investoren mit einer Millionensumme eingestiegen sind. "Das Ökosystem ist Startup-freundlich", erinnert sich der 36 Jahre alte Maudrich an Offenbach. Dort habe er in der Gründungsphase schnell und unkompliziert ein günstiges Büro und Freelancer gefunden. Die Nähe zu Frankfurt sei gerade für Finanz- und Technologie-Startups hilfreich.

"Es geht jetzt stärker darum, noch zentraler zu sein", begründet Maudrich den Umzug. Die Wege zu Kooperationspartnern seien nun kürzer, und Frankfurt sei für Mitarbeiter aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet attraktiver und besser zu erreichen. Zudem gebe es jenseits des Mains einfach bessere Möglichkeiten für geschäftliche Treffen und Essen.