Frankfurter Linienbus
Der Frankfurter Linienbus könnte dank Dieselfahrverbots in seiner jetzigen Form zur aussterbenden Spezies gehören. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Droht dem Frankfurter Nahverkehr der Diesel-Kollaps? Rund 230 der 340 eingesetzten Linienbusse dürften mit Inkrafttreten des Diesel-Fahrverbots nicht mehr auf die Straße. Eine Nachrüstung würde mehrere Millionen kosten - und nur vorübergehend Abhilfe schaffen.

Mit dem Inkrafttreten des Diesel-Fahrverbots für Frankfurt im kommenden Jahr droht der Linienbus-Flotte in der Stadt ein Kahlschlag. Rund zwei Drittel der eingesetzten Busse müssten dann ersetzt oder nachgerüstet werden, um die erforderliche Euro-6-Abgasnorm zu erfüllen.

Das sagten der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) und Klaus Linek von der Verkehrsgesellschaft Traffiq. Sie bestätigten damit einen Bericht der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom Mittwoch. Konkret erfüllen demnach nur etwa 110 der 340 Busse die Norm.

Stadt geht von Kosten von vier Millionen Euro aus

Die restlichen 230 Fahrzeuge entsprechen in Frankfurt der größtenteils bei Bussen und Lastwagen üblichen EEV-Norm - einem Standard, der in Sachen Abgasqualität zwischen Euro 5 und Euro 6 einzuordnen ist. Die Busse nachzurüsten würde nach den Berechnungen von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) etwa vier Millionen Euro kosten.

Der im Urteil des Verwaltungsgerichts Wiesbaden zum Diesel-Fahrverbot vorgesehene Zeitablauf (Stichtag für Busse: 1. September 2019) sei nicht umzusetzen, sagte Oesterling: weder für Umrüstungen noch für einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. "Da gibt es in der Kürze weder die Fahrzeuge noch die Fahrer." Der SPD-Politiker sorgt sich auch um die Taxifahrer, die überwiegend im Diesel unterwegs sind: "Da würde eine Branche in weiten Teilen abschmieren." Ein bis zwei Jahre wären für eine gestufte Übergangsregelung nötig.

Nach Berechnungen des Verkehrsdezernats wären vom Fahrverbot rund 100.000 Fahrzeuge in Frankfurt und Umgebung betroffen. Oesterling begrüßte daher die Ankündigung der Landesregierung, gegen das Wiesbadener Urteil juristisch vorzugehen.

Flotte nähert sich dem Ruhestand

Bis zum Inkrafttreten des Dieselfahrverbots - Euro-4-Fahrzeuge und ältere betrifft das schon ab dem kommenden Februar, die EEV-Busse ab 1. September – muss die Stadt mehrere Fragen klären. Zum einen das Thema Wirtschaftlichkeit: So werden zahlreiche der 340 Busse in der Stadt Ende 2020 in den Ruhestand verabschiedet, wie Traffiq-Sprecher Linek sagte. Eine kostspielige Nachrüstung der derzeitigen Flotte würde das Problem also nur vorübergehend lösen.

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Zudem ist unklar, wer im Falle einer Nachrüstung für die Kosten aufkommt. Rund die Hälfte der 340 Busse wird dem FAZ-Bericht zufolge von privaten Unternehmen betrieben. Zahlen sie? Zahlt die Stadt? Und welchen Betrag würde der Bund zur Unterstützung beisteuern?

Bundesverwaltungsgericht erlaubt Ausnahmen

Sollte sich die Kosten-Nutzen-Analyse nicht rechnen, steht der Stadt womöglich ein Schlupfloch zur Verfügung. Das Bundesverwaltungsgericht ließ den Städten in seinem Urteil zur Einführung der Fahrverbote nämlich die Möglichkeit für Ausnahmen.

So könnten Gewerbetreibende, Rettungskräfte oder Taxifahrer unter Umständen vom Verbot ausgenommen werden. In Hamburg etwa ist es Handwerkern erlaubt, Kunden in Straßen anzusteuern, die in der Diesel-Fahrverbotszone liegen.

Eine Alternative zur kostspieligen Umrüstung der Flotte auf ökologischere Euro-Standards wäre die Einführung von Elektro-Bussen in Frankfurt. Doch auch hier stünde die Stadt vor Problemen: Neben Lieferengpässen, von denen die FAZ berichtet, sind dies wiederum wirtschaftliche: Ein E-Bus kostet demzufolge rund 500.000 Euro, ein Diesel lediglich die Hälfte.