Leon Tremel mit seinem E-Moped-Prototyp

Den Prototyp baute Leon Tremel in Handarbeit, die ersten Runden drehte er im ausgebauten Dachgeschoss: Der Jungunternehmer aus Groß-Zimmern will mit einem E-Moped im Vintage-Look auf den Markt gehen. Dafür gab er einen Job bei einem Autozulieferer auf.

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hs
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Stolz sitzt Leon Tremel auf seinem selbst gebauten E-Moped. Die Maschine bringt es auf 45 Stundenkilometer. Und sie soll bald in Serie gehen. Dafür fehlt dem 23 Jahre alten Prototypenbauer aus Groß-Zimmern (Darmstadt-Dieburg) allerdings noch das nötige Produktionskapital.

Den Bau seines E-Mopeds hat Tremel komplett aus eigener Tasche bezahlt. Auf jeden Cent kam es ihm dabei nicht an, beim Prototypen stand der Idealismus im Vordergrund. "Meine Leidenschaft ist, dass ich was Schönes produzieren will, ich möchte Leuten eine Freude machen, dass sie lange Spaß an dem Produkt haben", sagt der Tüftler.

Akku "to go"

Seine Ausbildung zum Prototypenbauer hat Tremel bei einem Autozulieferer absolviert. In diesen zwei Jahren reifte auch der Wunsch, ein eigenes E-Moped auf den Markt zu bringen. Im Vintage-Look, denn das Auge isst mit.

Tüftler Leon Tremel aus Groß-Zimmern auf seinem selbst gebauten E-Moped

Zunächst gründete der Jungunternehmer das Start-up-Unternehmen Tremel Engineering. Gerade in der Anfangszeit, erklärt Tremel, habe er viel Lehrgeld bezahlen müssen - sei es bei der Bestellung von Teilen oder anderen Abläufen.

Was seinen Prototypen betrifft, hatte der Hesse von Beginn an einen klaren Plan. An anderen E-Mopeds störte ihn immer das lange Ladekabel. Also tüftelte Tremel ein wenig herum, und heraus kam ein Akku "to go": Batterie samt Ladegerät befinden sich in Tremels "Zimmner"-Moped im Gehäuse unter dem Rahmen des Bikes.

Probefahren im Dachgeschoss

Mittels Klick-System kann der Akku herausgelöst und daheim in vier Stunden an der Steckdose voll aufgeladen werden. Für kürzere Pitstops gibt es auch eine Schnellladefunktion. Insgesamt hat der selbst gebaute Lithium-Ionen-Akku Saft für etwa 75 Kilometer.

Die ersten Runden auf der eigenen Maschine drehte Tremel daheim in Groß-Zimmern im ausgebauten Dachgeschoss. Weil das Moped dank verbautem Elektromotor praktisch geräusch- und emissionslos fährt, konnte im Entwicklungsprozess auch der Frieden mit Familie und Nachbarn gewahrt werden.

E-Moped-Bauer Leon Tremel aus Groß-Zimmern

Schutzbleche und Gehäuse des Prototyps wurden in einem 3D-Drucker aus Plastik hergestellt. In Serie sollen diese Teile aus Aluminium gefertigt werden. Unterstützt wurde Tremel bei Entwicklung und Bau von Freunden und anderen Unterstützern, die sich vom Gedanken eines E-Mopeds im Vintage-Look hatten infizieren lassen.

Per Crowdfunding zur Serienproduktion

Tremel hofft, dass seine Maschine auch auf dem freien Markt so gut ankommt. Der umweltfreundliche "Zimmner" soll sich an alle richten, die einen Auto-Führerschein besitzen und knapp 5.000 Euro übrig haben. Um mit der Produktion in Serie gehen zu können, bräuchte das südhessische Start-up nach eigenen Berechnungen jedoch mindestens 100.000 Euro, denn allein die Zulassung durch den TÜV koste 50.000 Euro.

Mit einer Crowdfunding-Kampagne will Tremel das nötige Geld sammeln. Mindestens 20 potenzielle Käufer für seine Maschine muss er dafür mitbringen. Auch das ist mit Stress verbunden. Doch der 23-Jährige kann alldem eine Menge Positives abgewinnen: "Ich entscheide gern selbst, wie ich was mache", sagt der Tüftler. "Ich bin viel zufriedener, als wenn mir jemand etwas vorschreibt."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 05.01.2020, 19.30 Uhr