Modell des Spinds, in dem mit UV-Licht Viren, Bakterien und Pilze getötet werden - im Spind hängt eine braune Jacke/Weste

Schrank auf, Kleidung rein, Tür zu - und desinfizieren! Eine Firma aus Breidenbach produziert Möbelstücke mit desinfizierender Lichttechnik. In Arztpraxen und Krankenhäusern könnten die Spinde zum Einsatz kommen, doch die Strahlung ist nicht ganz ungefährlich.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So funktioniert der Schrank mit Licht-Desinfektion

So sollen die Spinde aussehen.
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Der Schrank, der im Ausstellungsraum der Firma C+P Möbelsysteme in Breidenbach (Marburg-Biedenkopf) steht, sieht nicht wirklich spektakulär aus. Der weiße Aluminiumspind könnte in jeder Sport-Umkleide stehen. Seine Besonderheit verbirgt sich im Inneren. Wenn man seine Kleidung in diesen Spind hängt und die Tür schließt, startet eine UV-C-Bestrahlung. "Diese Lichttechnik tötet Viren, Bakterien und Pilze ab", erklärt C+P-Entwicklungsleiter Andreas Gutermuth.

Die UV-C-Lichttechnik wird bereits seit rund 40 Jahren genutzt, um Wasser und Luft zu reinigen. Sie kommt in Aquarien und Klimaanlagen zum Einsatz. "Diese UV-C Lichttechnik haben wir jetzt benutzt, um in einem normalen Garderobenschrank eine klimafreie Umgebung herzustellen", sagt Gutermuth.

Kundenidee umgesetzt

Das heißt: Die Technik ist eigentlich altbewährt. Sie jedoch in einem Schrank zu verbauen, ist neu. Die Idee kam von einem Kunden. Der wollte für eine große Schrankanlage nicht nur die Möglichkeit, die Kleidung zu trocknen. Sie sollte auch direkt desinfiziert werden.

UV-C-Strahlen töten aber nicht nur Viren ab, sie greifen auch andere Materialien an, können Farben verändern oder Kunststoff spröde machen. Für den Menschen ist die Strahlung auch gefährlich. Deshalb geht das Licht im Schrank nur dann an, wenn die Tür verschlossen ist. Dann wird für drei Minuten desinfiziert. Sobald der Spind geöffnet wird, geht das Licht aus.

Kosten pro Schrank: 1.000 Euro

Im Schrankinneren gibt es zwei UV-C-Lampen, die die aufgehängte Kleidung von oben und unten bestrahlen. Da Kleidung beim Aufhängen an einzelnen Stellen Falten schlägt, ist eine 100-prozentige Desinfektion nicht gewährleistet. Trotzdem würden viele Viren abgetötet und generell eine nahezu keimfreie Umgebung geschaffen, erklärt der Hersteller. Mögliche Einsatzbereiche seien Labors, Krankenhäuser oder Arztpraxen, die besonders stark auf Hygiene achten müssten. Kosten pro Schrank: rund 1.000 Euro - und damit fast doppelt so teuer wie ein herkömmlicher Spind.

Die Marburger Behringwerke wären ein potentieller Kunde. Dort hat die Neuerscheinung bereits Interesse ausgelöst, erklärt Ingenieursleiter Johannes Krämer. Die Idee sei durchaus interessant. "Wir benutzen Umkleiden, in denen die Mitarbeiter die Straßenkleidung ablegen. Diese Kleidung virenfrei zu machen, könnte helfen, dass sich Viren in diesem Bereich nicht ausbreiten." Da Mitarbeiter dort aber auch andere Gegenstände ablegten, wie Handtaschen oder Motorradhelme, müsse man prüfen, wie stark diese Dinge angegriffen würden.

Wie die Neuentwicklung angenommen wird, muss sich also noch zeigen. Denn für Sportumkleiden, Feuerwehrspinde oder Schwimmbadschränke ist eine Desinfektion in der Regel nicht nötig. Da sollte man die dreckigen Trainingsklamotten lieber mit nach Hause nehmen und waschen.