Lufthansa-Sterwardess neben Flugzeugsitzen

Wer Sonntag mit Lufthansa fliegen will, kann vorerst aufatmen. Die Kabinengewerkschaft Ufo hat ihren angekündigten Warnstreik nach einem überraschenden Lufthansa-Angebot abgesagt. Für Tochtergesellschaften bleibt es aber bei der Streikandrohung.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Keine Streiks bei Lufthansa

Startende Lufthansa-Maschine, Lufthansa-Flieger am Boden am Flughafen
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Der für Sonntag angekündigte Warnstreik der Lufthansa-Flugbegleiter ist erstmal vom Tisch. "Mit der von Lufthansa angekündigten (Über)Erfüllung unserer Vergütungsforderung von 1,8 Prozent mit einer freiwilligen Erhöhung von 2 Prozent bis Ende des Jahres, sagt Ufo den für Sonntag geplanten Warnstreik bei Lufthansa German Airlines ab", hieß es am Freitag auf der Internetseite der Gewerkschaft.

Der Streikaufruf für die Konzerntöchter Germanwings, Eurowings, Lufthansa CityLine und Sunexpress Deutschland bleibe hingegen bestehen, sagte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies der Nachrichtenagentur dpa am Freitag. Das betrifft bundesweit alle Starts der genannten Airlines, die am Sonntag zwischen 5 und 11 Uhr starten sollen.

Betroffen wären nach Worten von Ufo-Vorstand Daniel Flohr rund 340 Flüge. Der Gewerkschaftschef erwartet dazu eine hohe Beteiligung. "Ich gehe davon aus, dass die Kollegen sich nicht ins Bockshorn jagen lassen", sagte er. Ufo rief parallel alle Mitglieder zu Urabstimmungen über unbefristete Streiks auf. Die Abstimmungen sollen bis zum 1. November laufen.

Lufthansa überbietet Ufo-Forderung von sich aus

Die Fluggesellschaft Lufthansa (LH) hatte am Freitag überraschend von sich aus angekündigt, auf die Forderung von Ufo noch eine Schippe draufzulegen und die Flugbegleiter-Gehälter rückwirkend zum 1. Juli um zwei Prozent zu erhöhen. "Wir gehen diesen unkonventionellen Weg, um unseren starken Willen zu unterstreichen, in die Lösung der dringenden Fragen für die Kabine einzusteigen", hatte die LH erklärt.

Die Gewerkschaft wertete das als positives Signal und als Erfolg ihrer Streikandrohung: "Die Kabine hat Druck gemacht und der Arbeitgeber lenkt endlich ein", so Ufo. Die Airline habe wohl verstanden, dass man sich weder einschüchtern noch "durch juristische Spitzfindigkeiten verwirren" lasse.

Ufo hatte für kommenden Sonntag zu einem Warnstreik der Flugbegleiter an den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München aufgerufen. Die Fluggesellschaft hatte daraufhin in einem internen Schreiben etwaigen Streikenden mit Gehaltskürzungen und arbeitsrechtlichen Maßnahmen gedroht.

Weitere Forderungen stehen im Raum

Mit der Absage des Warnstreiks ist der Streit zwischen der Lufthansa und ihren Flugbegleitern aber keineswegs beigelegt. Ufo fordert weiterhin unter anderem Spesenerhöhungen sowie die Erhöhung aller Zulagen für Purser, die jeweils leitenden Flugbegleiter an Bord. Außerdem sollen geleistete Stunden auf bestimmten Flugzeugtypen nach dem Willen der Gewerkschaft höher berechnet werden.

Die Lufthansa zweifelt allerdings schon länger an der Legitimität des einst siebenköpfigen Vorstands der Ufo. Die Gewerkschaft hat einen internen Führungsstreit hinter sich. Mehrere Vorstände und Beiratsmitglieder waren zurückgetreten. Lufthansa glaubt deswegen, dass die Gewerkschaft bei der Kündigung des Tarifvertrags gar nicht beschlussfähig war.

Für zusätzliche Unruhe in dem Tarifkonflikt sorgte außerdem die fristlose Kündigung von Baublies durch die Lufthansa vor knapp drei Wochen. Dessen Engagement für Ufo sei eine ungenehmigte Nebentätigkeit, hielt ihm das Unternehmen vor. Die Gewerkschaft sieht darin eine persönliche Kampagne gegen Baublies. Er hatte 2015 als Ufo-Vorsitzender einen heftigen Streik des Kabinenpersonals angeführt.

Sendung: hr-iNFO, 18.10.2019, 17.30 Uhr