Kombo mit Gastronomin mit gesenktem Haupt und Gasflamme mit Zähler

Jeder zweite Gastronomie-Betrieb in Hessen sieht sich laut einer Umfrage in seiner Existenz gefährdet. Schuld sind unter anderem die rasant steigenden Energiekosten. Die Verbraucher müssen mit Preiserhöhungen rechnen.

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50 Prozent der Betriebe im Gastgewerbe müssen laut Umfrage ums Überleben kämpfen

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Explodierende Energiekosten, Preissteigerungen durch die Inflation: Das hessische Gastgewerbe schlägt angesichts dessen Alarm. Jeder zweite Betrieb sehe sich in seiner Existenz bedroht, sagt Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga Hessen. Das habe eine Umfrage unter rund 500 hessischen Hotel- und Gaststättenbetreibern ergeben.

In der jüngsten Befragung des Verbands vom 27. August bis 2. September gab jeder dritte Betrieb an, ab Oktober mindestens 50 Prozent mehr an seinen Gasversorger zahlen zu müssen. Bei jedem fünften Betrieb liegen die Erhöhungen demnach bei 100 Prozent und mehr. In Einzelfällen würden die Preise sogar um das sechs- bis zehnfache angehoben, berichtet Wagner. Bereits im August hätten sich die Energiekosten für viele Betriebe um 20 bis 30 Prozent erhöht.

"Beispiellose Pleitewelle droht"

Die Mehrausgaben hätten auch Folgen für die Hotel- und Restaurantgäste. "Es ist mit Preiserhöhungen in Hotels und Restaurants zu rechnen", sagt Wagner. Denn die Betriebe könnten ihre zusätzlichen Ausgaben nicht 1:1 auf Zimmer oder Speisen aufschlagen, "ohne dabei Gefahr zu laufen, Gäste zu verlieren". Die seien ja schließlich auch selbst von den steigenden Energiekosten betroffen. "Es ist eine gefährliche Spirale nach oben."

Selbst in den Hochphasen der Corona-Pandemie seien die Umfragewerte nicht derart niederschmetternd gewesen, sagt Wagner. In der Zeit hätten nur etwa 30 Prozent der hessischen Gastronomen ihre Lage als existenzgefährdend bezeichnet.

Wenn die Politik jetzt nichts unternehme, drohe eine "beispiellose Pleitewelle", fürchtet Wagner. Derzeit sei unklar, wie viele Betriebe das kommende Jahr überstehen werden. Denn noch hätten längst nicht alle Betriebe höhere Gasrechnungen erhalten. Viele Verträge liefen noch bis zum Jahresende.

Neunmal so hohe Gaskosten wie 2020

Mit massiv gestiegenen Gaspreisen ist auch Ralph Jerey konfrontiert, Inhaber und Geschäftsführer der Paragon Apartments in Frankfurt-Niederrad. Vor zwei Jahren habe er noch 3,4 Cent gezahlt, nun seien es 31 Cent pro Kilowattstunde. "Das sind irre Zahlen, weil wir nun in die Grundversorgung gerutscht sind." Die Mehrkosten müsse er nun aus Rücklagen ausgleichen, sagt Jerey. Mit Preiserhöhungen für Übernachtungsgäste gelinge das nur zum Teil.

Jerey fordert eine Deckelung der Gaspreise für das Gastgewerbe. Sonst sehe auch er einer Pleitewelle in der Branche entgegen. "Der Politik muss klar sein, dass dann auch Gewerbesteuern und Wertschöpfung verloren gehen. Denn Hotelgäste geben ja auch an anderen Orten der Stadt Geld aus und kurbeln die Wirtschaft an."

Wenn Hotels in Finanznot geraten, bleibe ihnen noch, sich als Flüchtlingsheim anzubieten, sagt Jerey. Denn als solche werden zum Beispiel die Gas-Rechnungen vom Staat bezahlt. Restaurants dagegen haben diese Möglichkeit nicht.

12 Euro mehr pro Nacht

Ein paar Kilometer weiter östlich, in Hanau, hat Christoph Krieger schon einmal überschlagen, wie hoch die Preiserhöhungen für seine Gäste ausfallen werden. Zwölf Euro pro Zimmer, bis zu 16 Prozent, werde er draufschlagen müssen, sagt der Geschäftsführer des Best Western Premier Hotels Villa Stokkum im Stadtteil Steinheim. Die monatlichen Mehrkosten beziffert er allein für Strom mit 10.000 Euro. Energiesparen sei schwierig: "Wir können ja nicht einfach Lüftung oder Klimaanlage ausstellen."

Die Zeiten seien hart, sagt auch der Direktor der Villa Stokkum, Achim Hunzinger. Denn: "Auch unsere Lieferanten ziehen die Preise an. Und die Personalkosten wachsen." Im Oktober steigt der Mindestlohn auf zwölf Euro.

Dehoga fordert dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer

Der Gastronomieverband Dehoga fordert von der Bundesregierung, die reduzierte Mehrwertsteuer auf Speisen im Restaurant, die zum Jahresende auslaufen würde, über das Jahresende hinaus zu verlängern.

"Wenn die Mehrwertsteuer von sieben wieder auf 19 Prozent angehoben wird, wäre das eine Katastrophe", sagt Geschäftsführer Wagner. Denn dann müssten zum Ausgleich die Preise an anderer Stelle um zwölf Prozent steigen.

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