Tausende Passagiere stehen dicht gedrängt in Halle A im Terminal 1 des Flughafens Frankfurt.
Tausende Passagiere stehen dicht gedrängt in Halle A im Terminal 1 des Flughafens Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa

Die Flugbranche will ein Chaos wie im vergangenen Reisesommer auf keinen Fall wieder zulassen. Dazu treffen sich ihre Spitzenvertreter erneut in Hamburg. Lufthansa und Fraport glauben freilich nicht an eine grundlegende Verbesserung.

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zum Video Chaos-Sommer am Flughafen befürchtet

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Der Chaos-Sommer 2018 hat bei den Verantwortlichen in der Luftfahrt Eindruck hinterlassen. Als Reaktion auf die stark angestiegene Zahl von Verspätungen und Flugausfällen haben Vertreter von Bund und Ländern, Flugsicherung, Airlines, Flughäfen und Verbänden im Oktober 25 konkreten Maßnahmen gegen Verspätungen und Servicemängel ausgearbeitet.

Dazu zählen unter anderem zusätzliche Mitarbeiter für eine bessere Qualität bei den Fluggesellschaften, schnellere und effektivere Sicherheitskontrollen und ein flexiblerer Einsatz der Fluglotsen. Zum Beginn des Sommerflugplans und wenige Wochen vor den bundesweiten Osterferien wollen sie an diesem Donnerstag im Hamburger Rathaus überprüfen, welche Vorhaben umgesetzt oder eingeleitet sind.

Spohr: "Wird besser, aber nicht gut"

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Die Tafel am Frankfurter Flughafen zeigt heute Morgen einige Ausfälle an.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zu viele Flüge, Personalmangel, veraltete Strukturen - Gründe für das Flug-Chaos

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Vor dem zweiten Luftfahrtgipfel, zu dem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geladen hat, sind sich die Beteiligten aber nicht so sicher, ob sich wirklich alles zum Besseren wendet. "Es wird besser, glaube ich, aber nicht gut", sagte etwa Lufthansa-Chef Carsten Spohr dem Deutschlandfunk. Dennoch sei der Gipfel "die richtige Maßnahme, um noch mal die Attention aller Beteiligten auf dieses Problem des nächsten Sommers zu lenken".

Auch der Chef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, Stefan Schulte, zeigt sich mäßig optimistisch: "Wir werden uns auch in diesem Jahr wieder mit den Herausforderungen herumschlagen müssen und sind hoffentlich gut darauf vorbereitet. Aber es bleiben Herausforderungen."

Drastischer Anstieg bei Verspätungen und Ausfällen

Die wiederholten Gipfeltreffen folgen den zahlreichen Verspätungen und Flugausfällen im vergangenen Sommer. Nach einer Analyse des Internet-Portals AirHelp hat sich die Zahl der gestrichenen und verspäteten Flüge in Deutschland im vergangenen Jahr gegenüber 2016 um 55 Prozent auf 240.000 Problemflüge erhöht. Dabei sei das Flugaufkommen im selben Zeitraum lediglich um fünf Prozent gestiegen. Fast zwei Millionen Flugreisende hätten ihr Ziel gar nicht oder mit mehr als drei Stunden Verspätung erreicht, doppelt so viele wie 2016.

Bereits zur Einführung des Sommerflugplans gab es erneut Probleme. Eine Software-Panne bei der Flugsicherung (DFS) in Langen, die auch unter Personalmangel leidet, sorgte für Verspätungen und Flugausfälle. Allein die Lufthansa strich am Dienstag 50 Flüge, tausende Passagiere waren betroffen. Mittlerweile sind die Probleme allerdings behoben.

Lufthansa kritisiert Flugsicherung

Lufthansa-Vorstandsmitglied Detlef Kayser führt viele Probleme auf die Flugsicherung zurück. Die Abläufe dort seien weit entfernt von "Premium", sagte er jüngst der Nachrichtenagentur dpa. Er hoffe sehr, dass es der DFS kurzfristig noch gelinge, die Lotsen zu mehr Überstunden im Sommer zu bewegen. Mittelfristig sei mehr Personal notwendig.

Laut Lufthansa-Chef Spohr sind etwa ein Drittel aller Verspätungen im letzten Sommer auf die Flugsicherung zurückzuführen. Auf die Infrastruktur auf dem Boden entfalle ein weiteres Drittel, für das verbleibende Drittel seien die Airlines verantwortlich.

Mehr Reserveflugzeuge bei den Airlines

Die Lufthansa selbst sieht sich unterdessen für den anstehenden Sommer gerüstet. Insgesamt 600 zusätzliche Leute und 37 Reserveflugzeuge halte man bereit, sagte Kayser. Das seien 15 mehr als im vergangenen Jahr. Ferienfluggesellschaften wie TUIfly wollen ebenfalls mehr Maschinen bereit halten. Die Gesamtaufwendungen der Lufthansa seien noch höher, sagte Kayser: "Im vergangenen Sommer haben wir wegen der Verspätungen rund 250 Millionen Euro zusätzlich verloren. Dieses Jahr setzen wir in etwa diese Summe ein, um unseren Flugbetrieb zuverlässiger zu machen."

Ob es für die Fluggäste in der anstehenden Reisesaison besser wird, bleibt indes unklar. Denn am Himmel über Deutschland wird es noch enger. Nach dem Rekordwert von 3,4 Millionen Flugbewegungen im Vorjahr erwartet die Flugsicherung eine weitere Steigerung von bis zu vier Prozent im deutschen Luftraum.