Weinberg im Mittelrheintal mit Reben auf Quertarrassen und dazwischen gepflanzten Büschen zum Erosionsschutz

Weltberühmt ist der Rotwein vom Assmannshäuser Höllenberg. Doch die zunehmend heißen und trockenen Sommer bedrohen ihn. Also geben Planierraupen und Bagger den Steillagen im Rheingau ein ganz neues Gesicht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Der Steillagen-Weinbau verändert sein Gesicht

Terrassenbau am Weinberg "Assmannshäuser Höllenberg"
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Steil ragt er auf, der Assmannshäuser Höllenberg, eine der berühmtesten Rotweinlagen Deutschlands. Seit 600 Jahren wird hier nahe Rüdesheim (Rheingau-Taunus) Wein angebaut. Doch der Weinbau hat in solchen Steillagen nur dann eine Zukunft, wenn man auf Querterrassen umstellt. Davon ist Dieter Greiner, Chef der Hessischen Staatsweingüter, überzeugt.

Schuld ist die Erosion. Bei Unwettern wie im Sommer 2018 werde tonnenweise wertvoller Boden abgeschwemmt, sagt Greiner. "Die Schlammlawine sammelt sich dann hier im Innenhof der Staatsdomäne und alles muss wieder raufgeschafft werden in den Weinberg. Wir müssen deshalb Maßnahmen ergreifen, die den Boden schützen und im Weinberg halten."

Einzige Chance im Klimawandel

Die Staatsweingüter bewirtschaften insgesamt 90 Hektar extreme Hanglagen - das größte Steillagenweingut in Deutschland. Seit dem Jahr 2010 werden die Hänge nach und nach auf Querterrassen umgestellt. So wie zurzeit: Die Rebstöcke sind ausgehauen. Planierraupen und Bagger schieben den schweren, matschigen Boden hin und her. Zwölf Hektar sind so bereits umgewandelt worden.

Das ist aufwändig und mit 30.000 Euro pro Hektar auch teuer, was viele kleinere Weingüter abschreckt. Doch Außenbetriebsleiter Stefan Seyffardt glaubt an das Praxisbeispiel, das die laufenden Arbeiten den Winzern geben. Es sei die einzige Chance, den Klimawandel zu überstehen: "Im Steilhang ist es immer heiß und trocken. In den Terrassen können die Böden das Wasser besser speichern."

Zwar brauchen die Terrassen Platz, so dass ein Drittel weniger Reben angepflanzt werden können. Das bedeute aber nicht, dass man deshalb auch ein Drittel weniger Ertrag einfahre, rechnet Seyffardt vor. Denn die Reben seien besser versorgt und brächten dadurch mehr Frucht. Außerdem seien die Betriebskosten geringer, weil man auf den Terrassen maschinell arbeiten könne statt mit gefährlicher und anstrengender Handarbeit.

Bunte Böschungen für die Artenvielfalt

Die Terrassen werden durch kleine Böschungen befestigt, die man mit Wilder Malve, Natternkopf, Flockenblume, Scharfgarbe und anderen Wildkräutern begrünt. Die Hochschule Geisenheim hat dafür regionales Saatgut entwickelt.

Ein Gewinn für die Artenvielfalt und das Landschaftsbild - da ist sich Ilona Leyer sicher. "Hier geht ja auch der Rheinsteig lang. Die Wanderer bleiben alle stehen und machen hier ihre Fotos, weil man schon weithin ein blütenbuntes Bild hat", sagt die Professorin. Und das zieht nicht nur Wanderer an, sondern auch Insekten, Schmetterlinge und Vögel.

Sendung: hr4, 10.03.2020, 16.30 Uhr