Banker

Das Image der Banken-Branche hat stark gelitten. Gehälter fallen nicht mehr so üppig aus, die Zukunftsaussichten sind ungewiss. Ist Banker noch ein Traumjob?

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Traumberuf Banker und die Realität

Banker
Ende des Audiobeitrags

Ein regelrechter Kahlschlag droht beim Branchenprimus Deutsche Bank: "Harte Einschnitte" hat Konzernchef Christian Sewing bereits offiziell angekündigt. Laut Medienberichten erwägt das Geldhaus, von derzeit 91.500 Arbeitsplätzen bis zu 20.000 zu streichen - das wäre mehr als ein Fünftel aller Mitarbeiter.

Nicht viel besser sieht es bei der Commerzbank aus: In knapp zehn Jahren hat sie ihre Belegschaft um mehr als ein Fünftel zusammengeschrumpft. Aktuell arbeiten dort rund 49.000 Mitarbeiter. Auch bei den Genossenschaftsbanken und Sparkassen werden vielerorts Stellen gestrichen, etwa beim Sparkassen-Spitzeninstitut Deka-Bank.

Digitalisierung kostet Arbeitsplätze

Einsparungen sind in der gesamten Branche an der Tagesordnung. Arbeiteten laut Bundesbank 1998 in Deutschland noch 754.500 Banker, sind es 20 Jahre später, also 2018, mehr als 100.000 weniger.

bilder-banken

Betroffen seien insbesondere Stellen, die sich durch neue Technologien leicht ersetzen ließen, sagt Finanzprofessor Michael Grote von der Frankfurt School of Finance and Management: "In Zeiten von Online-Banking und immer neuen Banking-Apps trifft es insbesondere Mitarbeiter in den Filialen.“

Gespart wird nicht nur am Personal, sondern auch an den Gehältern. "Die großen Gehaltssprünge wie früher sehen wir bei den Banken nicht mehr“ , so Grote. Im Gegenteil sei es mittlerweile so, dass neu eingestellte Mitarbeiter häufig weniger verdienten als ihre Vorgänger - wenn Stellen überhaupt neu besetzt würden.

Auf der anderen Seite können zumindest die hessischen Arbeitsbehörden nicht feststellen, dass sich Banker reihenweise arbeitslos melden würden. Viele würden direkt in den Vorruhestand geschickt, erklärt Finanzprofessor Grote: "Andere kommen in anderen Unternehmen unter oder sind in der Beratung tätig.“ Auch Fintechs sind als neue Arbeitgeber offenbar zunehmend gefragt.

Ausbildung immer weniger gefragt

bilder-banken

Und wenn die Geldhäuser tatsächlich neues Personal suchen, dann soll es meist spezialisiert sein, berichtet die Frankfurter Headhunterin Karin Schambach: "Der typische Bankkaufmann ist zwar immer noch gefragt, aber er muss sehr gute IT-Kenntnisse mitbringen.“

Steigenden Anforderungen bei zunehmender beruflicher Unsicherheit: Ein Traumberuf scheint Banker längst nicht mehr zu sein. Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit meldet, geht das Interesse an der Ausbildung zum Bankkaufmann seit Jahren zurück.

Und für diejenigen, die trotz allem gerne Banker werden würden, gibt es hohe Hürden. "Selbst Topabsolventen haben Probleme, in Banken reinzukommen, weil nur noch wenige Trainee-Stellen ausgeschrieben werden“, weiß Headhunterin Schambach. Auch hier zeigt sich, dass die Geldhäuser wohl auch in Zukunft mit immer weniger Personal auskommen wollen - was den einstigen Traumberuf Banker immer unattraktiver machen dürfte.

Ihre Kommentare Ist Banker noch ein Traumberuf - oder war es nie einer?

8 Kommentare

  • Ich arbeite seit über 30 Jahren für eine Deutsche Großbank. Seit 20 Jahren geht es nur noch bergab, seit 5 Jahren in einer Geschwindigkeit die sich kein Mensch vorstellen kann, der es nicht selbst täglich erlebt.
    Als Herr Feldmann, OB von Frankfurt, würde ich mir endlich (!) mal Gedanken darüber machen, wo diese Stadt ohne all die steuerzahlenden Banker in ein paar Jahren steht, denn der Arbeitsplatzabbau der Großkotzdeutschbank ist ja nur ein kleiner Teil dessen was auf diese Branche insgesamt noch zukommt. Interessiert ihn aber nicht. Dagegen war das Sterben der Kohleindustrie ein Kinderspiel, steuerbegünstigt gedrückt über Jahrzehnte. Soviel Zeit braucht es zum Sterben der einzig Übriggebliebenen Industrie Frankfurt nicht und die billigen Fintechs, von Steuergeldern subventioniert bist sie dann irgendwann pleite gehen, helfen da auch nicht.

  • Ich arbeite für die Europazentrale einer Großbank (Schweiz) in Frankfurt und erlebe auch, dass die deutschen Geldhäuser extrem abbauen - entsprechend demotiviert ist das Personal auch. Zugleich kann ich unter uns als Auslandsbanken aber keine solche Stimmung erkennen, stattdessen gibt es massenhaft Bewerbungen der Kollegen von hiesigen Instituten bei uns oder den EU-ausländischen und insbesondere US-amerikanischen Häusern. Sowohl die einschlägigen US-Namen als auch unsere Banken sind aber ohnehin wesentlich schlanker aufgestellt; bei den Marktspitzen aus der BRD kann ich eine schier unendliche Liste von Kollegen aufmachen, die vor allem deshalb in der Konzernzentrale sitzen, weil man sie da vergessen hat und sie natürlich auch auf keinen Fall auf sich aufmerksam machen. Dass das und entsprechende Pseudo-Projektteams geduldet werden, wäre bei uns völlig ausgeschlossen, kennen wir unsere Vorstände doch direkt und reporten zumeist unmittelbar. Vllt ist das auch eine Lösung für die BRD.

  • Die Frage ist, was ist ein Banker?
    Den klassischen Filialangestellten oder Back Office Angestellten in der Administration würde ich nicht als Banker bezeichnen und befürchte auch, daß diese Arbeitnehmer unschuldig unter den eklatanten Fehlentscheidungen und den von Gier und teils auch krimineller Energie getriebenen Geschäftsmodellen Ihrer Chefetagen leiden.
    Vor Bankvorständen und vor allem der Kaste der Investmentbanker fehlt mir nicht erst seit der Finanzkrise jeglicher Respekt!
    Bankvorstände mit dem besonders abstoßenden Exempel Ackermann betrieben im wahrsten Sinne ohne Rücksicht auf Verluste an personellen und finanziellen Resourcen Geschäftsmodelle die reihenweise gescheitert sind ohne für etwas persönlich zu haften und bestenfalls im Notfalle systemrelevant nach der Hilfe der Allgemeinheit zu rufen. Ganz klassisch Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren-wiederlich!
    Investmentbanker sind Spieler, die Ihre Sucht unter dem Deckmantel einer seriösen Bank ausleben!

Alle Kommentare laden