Riederwaldtunnel Frankfurt
Blick auf die Baustelle am Autobahndreieck Erlenbruch an der Frankfurter Ostumgehung A661, wo der Riederwaldtunnel enden soll. Bild © picture-alliance/dpa

Gegen den geplanten Riederwaldtunnel in Frankfurt sind fast 700 Einwände eingegangen. Nun wird nach Lösungen gesucht. Vier Fragen und Antworten zum Auftakt des Erörterungsverfahrens.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Riederwaldtunnel in Frankfurt: Erörterungsverfahren hat begonnen

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Schon seit den 1960er-Jahren wird er diskutiert - von vielen herbeigesehnt, von anderen gefürchtet: der Riederwaldtunnel im Osten Frankfurts. Er soll die Einwohner der Stadtteile Bornheim und Riederwald von Lärm und Durchgangsverkehr entlasten.

Bis zu 24.000 Autos stauen sich täglich im Riederwald und sorgen für Behinderungen. Mit dem Tunnel soll die Zahl der Fahrzeuge, die dann noch oberirdisch unterwegs sind, auf durchschnittlich 16.100 am Tag sinken.

Das Projekt ist umstritten: Insgesamt 681 Einwände allein von Bürgern und Anwohnern sind bei der Planungsbehörde Hessen Mobil eingegangen, darunter auch einige Mustereinwände. Nach Angaben von Hessen Mobil hat es vier bis fünf Monate gedauert, bis alle einzeln beantwortet waren.

Was passiert im Erörterungsverfahren?

Das Regierungspräsidium Darmstadt hat am Montag in Frankfurt das Erörterungsverfahren gestartet, bei dem die Einwände besprochen werden und nach Lösungen gesucht wird. Am ersten Tag standen Stellungnahmen von Behörden der Stadt Frankfurt wie Schulamt, Grünflächenamt und Umweltamt sowie von Umweltverbänden wie dem BUND auf dem Plan.

Ab Dienstag geht es um die Einwände der Anwohner. Dazu zählen auch Bewohner zweier Seniorenwohnanlagen. Eine große Gruppe hat sich als "Bürgervereinigung Nordend" organisiert. Außerdem ist die Pestalozzischule betroffen.

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Sinn des Erörterungstermins ist es, zwischen Hessen Mobil und den Kritikern eine Einigung zu erzielen. Allerdings scheint das nicht in allen Fällen möglich. Das RP moderiert und unterstützt die Beteiligten bei der Suche nach Lösungen.

Das kann bedeuten, dass Hessen Mobil ein konkretes Vorhaben nachträglich prüfen, erklären oder schriftlich begründen muss. Ein Beispiel: Für das Bauvorhaben sollen 200 Bäume gefällt werden. Für das Grünflächenamt ist das gleich an mehreren Stellen nicht nachvollziehbar. Nun muss Hessen Mobil noch einmal prüfen, ob einzelne Bäume erhalten bleiben können, und in anderen Fällen konkrete Begründungen für die Abholzung nachliefern.

Was sind die größten Knackpunkte?

Aus Sicht von Hessen Mobil sind Fragen zu Arten-, Lärm- und Immissionsschutz sowie zur Verkehrsuntersuchung besonders knifflig, wie der zuständige Projektleiter Jürgen Semmler am Montag sagte. Es sei gut, dass um jeden Baum gerungen werde.

Ein weiterer Knackpunkt ist der Brandschutz. Die Feuerwehr fürchtet in Teilbereichen eine Verschlechterung gegenüber dem heutigen Zustand. So ist etwa in der Straße Am Erlenbruch eine Baumreihe geplant, aber kein ausreichend breiter baumfreier Streifen für die Rettungsfahrzeuge, um bei einem Einsatz nah genug an die Wohnhäuser heranfahren zu können.

Vielen Anwohnern geht es dagegen um den Wertverlust von Grundstücken, den Verkehrs- und Baulärm sowie um die Schadstoffbelastung durch den Tunnelbetrieb. Aber auch die Sorge, dass es noch mehr Staus geben könnte und die Umwelt leidet, beschäftigt Bürger. Eine ihrer Forderungen ist daher, das neue Autobahnteilstück vom künftigen Dreieck Erlenbruch bis zum Tunnelportal einzuhausen.

Was sind die nächsten Schritte?

Nach Abschluss des Erörterungsverfahrens fertigt das Regierungspräsidium ein mehrere hundert Seiten umfassendes Protokoll mit allen Punkten und Beschlüssen des Erörterungsverfahrens an. Es dient als Grundlage für einen Bericht an das hessische Verkehrsministerium, das auf dieser Basis den Planfeststellungsbeschluss erlässt und damit die Baugenehmigung erteilt.

Gegen das Baurecht kann allerdings noch Klage vor dem Verwaltungsgerichthof erhoben werden. In diesem Fall müssten die Kasseler Richter bewerten, ob Rechtsverstöße vorliegen oder Abwägungen nicht ordnungsgemäß getroffen wurden. Sollte dies festgestellt werden, könnte sich das Verfahren um weitere Jahre hinziehen.

Wann kann der Bau beginnen?

Hessen Mobil rechnet mit dem Planfeststellungsbeschluss Mitte 2019. "Wenn alles planmäßig läuft und nicht dagegen geklagt wird, brauchen wir dann noch mal ein gutes Jahr, um die Baumaßnahmen vorzubereiten", sagt Projektleiter Semmler. Der Bau könne dann Ende 2020 beginnen. Die Bauzeit soll knapp acht Jahre dauern.

Weitere Informationen

Riederwaldtunnel

Die A66 endet im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim. Wer von dort weiter in die Innenstadt will, muss durch das Gewerbegebiet an der Borsigallee und das Wohngebiet an der Straße Am Erlenbruch fahren. Der 1.100 Meter lange Tunnel soll die Lücke zwischen der A66 und der A661 schließen. Seit 1985 gehört das Projekt zu den verkehrspolitischen Dauerbrennern. Neben dem Tunnelabschnitt sind auch das künftige Autobahndreieck Erlenbruch und die Anschlussstelle Borsigallee Teil des Projekts.

Ende der weiteren Informationen

In einer früheren Version stand, dass die Zahl der Fahrzeuge, die täglich im Riederwald unterwegs ist, nach dem Tunnelbau auf durchschnittlich 8.400 sinken soll. Diese Angabe von Hessen Mobil ist inzwischen überholt.