Elektro-Bus von Solaris

Mit der Aussicht auf viel Ruhe zwischen Wald und Stadt lockt Offenbach junge Familien in den neuen Stadtteil An den Eichen. Ausgerechnet dort, zwischen Kita und Spielplätzen, sollen bald große Linienbusse rollen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stadtwerke Offenbach planen Buswendeschleife in Spielstraße

Wohngebiet An den Eichen in Offenbach, durch das E-Busse rollen und wenden sollen
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Mit dem Fahrplanwechsel Ende des Jahres beginnt im Offenbacher Nahverkehr eine neue Zeitrechnung. Dann werden sieben Stadtbusse mit Elektrobetrieb gehen. Nina Steinhoff hat nichts gegen emissionsfreie Busse. Trotzdem empfindet sie die Umstellung als Bedrohung.

Denn wenn es soweit ist, werden zwei Buslinien zu einer Wendeschleife im jungen Offenbacher Wohngebiet An den Eichen führen. Dort lebt Steinhoff, dort spielen ihre beiden Kinder und deren Freunde. Sie hält es für ein Unding, "dass diese Busse wenden sollen zwischen Spielplätzen, einem Bolzplatz, einer Kindertagesstätte, dem Übergang von einem Kleinkinder-Spielplatz zum Spielplatz für größere Kinder". Steinhoff sagt: "Wir können uns überhaupt nicht vorstellen, dass das nicht auf Kosten der Sicherheit unserer Kinder stattfindet."

Auf einer der beiden Linien sollen E-Busse fahren. Neben der Wendeschleife am Ende der schmalen Ottilia-Carolina-Moufang-Straße ist deshalb auch eine Ladestation vorgesehen.

Schwenkbusse mit langem toten Winkel

Auch Anwohner Rafael Sartowski glaubt, dass die Busse seine vier Kinder in Gefahr bringen können: "Das sind Schwenkbusse mit einem toten Winkel von mehr als 20 Meter. Und die sollen hier um die Kurve fahren, wenn hier high life ist und die Kinder mit ihren Rädern fahren."

Nina Steinhoff und Rafael Sartowski an der Stelle in der Siedlung An den Eichen, wo der Bus-Wendehammer vorgesehen ist

Viele Familien im Neubaugebiet sind wegen der Bus-Pläne auf den Barrikaden. Mehr als 130 Anwohnerinnen und Anwohner haben sich einer Online-Petition gegen die Wendeschleife angeschlossen. Viele sprechen von Fehlplanung.

Im Bebauungsplan ist die Bus-Wendeschleife auch gar nicht eingezeichnet. In der zugehörigen Begründung wird sie zwar genannt, aber als Möglichkeit, falls im Gebiet ein S-Bahn-Haltepunkt eingerichtet wird. Die Aussichten darauf sind derzeit vage.

Dezernent: Busse müssen ganz langsam fahren

Paul-Gerhard Weiß, der Offenbacher Dezernent für Stadtplanung und FDP-Kreisvorsitzende, vermag keinen Planungsfehler zu erkennen: "Damals hat man sich die Möglichkeiten angesehen und abgewogen." Der Bus-Wendehammer im Wohngebiet sei "eine Möglichkeit, die funktioniert".

Die Variante sei dann in den Nahverkehrsplan aufgenommen und mit dessen Fortschreibung unter breiter Bürgerbeteiligung beschlossen worden, sagt Weiß: "Dass damit erst mal Sorgen verbunden sind, kann ich verstehen." Aus Sicht der Verkehrsplaner müssten die Busse "ganz langsam durchfahren, dann entsteht dort auch kein Konflikt", sagt der Dezernent.

Stadt verwirft Alternativen der Anwohner

Das sehen die Eltern aus dem Neubaugebiet ganz anders. Nina Steinhoff sagt, Kinder seien eben Kinder und verhielten sich auch so. Und die künftige Wendeschleife liege nun mal mitten in deren Territorium: "Für gewöhnlich ist hier ein Dauerverkehr von Kindern, auf Fahrrädern, mit Rollern, mit Bällen, mit Springseilen."

Karte von Offenbach mit dem neuen Wohngebiet "An den Eichen".

Die Anwohner haben Vorschläge gemacht, wo Endhaltestelle und Ladestation aus ihrer Sicht viel besser aufgehoben wären - etwa an einem nur 200 Meter entfernten Kreisel. Oder auf dem Parkplatz am Neuen Friedhof auf der anderen Seite der S-Bahn-Gleise. Das habe man alles geprüft und verworfen, sagt Paul-Gerhard Weiß.

Die Anwohner sind dennoch überzeugt, dass sie richtig und die städtischen Planer falsch liegen. Und sie sind verärgert, weil sie sich und ihr Anliegen, etwa im Schriftverkehr mit der Stadtverwaltung, nicht ernst genommen fühlen.

Stadt wartet auf weitere Vorschläge der Bürger

Rafael Sartowski, von Beruf Anwalt, glaubt nicht, dass die städtische Planung wasserdicht ist: "Wie will man, auch rechtlich, argumentieren, dass in einem verkehrsberuhigten Bereich, der eigentlich von den Anwohnern gemeinschaftlich genutzt werden soll, plötzlich ein Haufen Busse rumstehen und rumfahren? Da wird diese Nutzung ja ad absurdum geführt."

Planungsdezernent Weiß signalisiert immerhin Gesprächsbereitschaft: "Wenn die Bürger weitere Alternativstandorte vorschlagen, lasse ich das auf jeden Fall prüfen." Die Stadt wolle ihren Bürgern schließlich nicht etwas aufzwingen - selbst Alternativen sucht sie aber offenbar nicht.

Die Familien im Wohngebiet An den Eichen wollen hartnäckig bleiben. Bleibt es bei der Wendeschleife wie geplant, werden sie dafür sorgen, dass die Einführung der ersten lautlosen Linienbusse in Offenbach nicht geräuschlos über die Bühne geht.

Sendung: hr1, 25.05.2020, 9.15 Uhr