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Firmen sagen Weihnachtsfeiern in Präsenz ab

Ein gedeckter Weihnachtstisch in einem Restaurant.

Virtuelles Zuprosten statt Glühwein unter Kollegen: Die steigenden Coronazahlen lassen auch in diesem Jahr wieder viele Weihnachtsfeiern in Hessen ausfallen. Keine guten Nachrichten für Gastronomen und Veranstalter.

Stände mit Bratwurst, Maronen und Glühwein, Lichterketten und Live-Musik: So richtig Stimmung sollte eigentlich aufkommen auf dem Weihnachtsmarkt im Innenhof der Förderbank KfW. Dazu hatte sich das Institut ein ausgefeiltes Hygiene-Konzept überlegt für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Frankfurt. Zeitfenster sollte es geben, in denen jeweils eine kleine Anzahl von Angestellten hätte feiern dürfen. Doch Pustekuchen! All das hat die Bank abgesagt wegen der rasant steigenden Infektionszahlen. Kein Einzelfall.

Home-Office heißt auch Home-Feiern

Auch beim Flughafenbetreiber Fraport mit seinen über 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Hessen wird keine Feierlaune aufkommen. Wie schon im vergangenen Jahr hat der Konzern wegen der sich wieder zuspitzenden Corona-Lage allen Partys in der Vorweihnachtszeit einen Riegel vorgeschoben. "Um ihre Gesundheit zu schützen, verzichten wir auch dieses Jahr auf große Weihnachtsfeiern", sagt Jürgen Harrer, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Fraport.

Massenveranstaltungen vor Ort sind bei der Bundesbank, der Commerzbank und der Deutschen Bank ebenfalls tabu. "Die Zahl der Neuinfektionen ist so hoch wie nie", unterstreicht Christine Peters, Pressesprecherin der Deutschen Bank. Und in Zeiten, in denen man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verpflichte, wo immer möglich, von zuhause aus zu arbeiten, wäre es auch kein gutes Signal, dann dennoch solche physischen Zusammentreffen zu ermöglichen. Und auch der Hessische Rundfunk hat alle betrieblichen Zusammenkünfte abgesagt.

Für die Veranstalter hagelt es Stornierungen

Die Stornierungen vieler Weihnachtsfeiern verhagelt vor allem den Gastrobetrieben die Laune. "Viele Gäste - vor allem Firmen - ziehen sich angesichts der aktuellen Entwicklung zurück", schildert Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga. "Gerade für die Gastronomie, kleine Kneipen und Bars ist das mit großen Existenzsorgen und Verzweiflung verbunden." Auch ohne Lockdown stehe das Gastgewerbe erneut vor dem Nichts, so Wagner mit Blick auf die unlängst verschärften Corona-Regeln.

Endzeitstimmung herrscht auch bei größeren Veranstaltungsfirmen wie Party Rent Frankfurt. Das Unternehmen richtet Weihnachtsfeiern in Präsenz für bis zu 1.000 Gäste aus und hatte schon ein gut gefülltes Auftragsbuch. "Aber jetzt gehen bei uns leider wieder tagtäglich Stornierungen ein", berichtet Geschäftsführer Christian Eichenberger frustriert. Ähnlich ergehe es vielen anderen Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche. Sie alle kämpfen damit, dass die Umsätze einbrechen, so Eichenberger.

Wenn Abteilungen oder Teams aber vielleicht doch im kleinen Kreis feiern wollen, werden sich Arbeitgeber wie Wintershall Dea in Kassel nicht querstellen. Sie hoffen aber, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei vorsichtig sind. "Oft treffen sie sich nach Feierabend im privaten Umfeld oder auf dem Weihnachtsmarkt, wahrscheinlich auch in diesem Jahr", meint Wintershall-Sprecher Stefan Leunig. Er sei zuversichtlich, dass sie dabei die geltenden Sicherheits- und Hygieneregeln beachtet würden.

Gemeinsames Schlemmen vor der Kamera

Mittlerweile wurden aber schon einige Weihnachts- und Adventsmärkte abgesagt. Damit es nicht völlig trostlos wird, sollen sich deshalb Angestellte in immer mehr Betrieben zumindest vor Bildschirmen zuprosten können. Manche Unternehmen veranstalten ganze Weihnachtsessen virtuell. Wildklöpse in Preiselbeerjus, Pilzragout und vieles mehr verschickt der Caterer Dekhalu aus dem Rhein-Main-Gebiet, abgepackt in Gläsern und sicher verstaut in Kartons. Die Gläser können die Beschäftigten zuhause zum Beispiel schnell in die Mikrowelle schieben. Das erspart ihnen das Selbstkochen und lässt mehr Zeit fürs gemeinsame vorweihnachtliche Schlemmen vor der Kamera, berichtet Geschäftsführer Lucius Kleene.

"Gerade jetzt, in den vergangenen Tagen, in denen sich die Corona-Situation wieder zuspitzt, sind unsere Kunden sehr dankbar, dass sie hier eine Alternative zu ihrem Live-Event bekommen", sagt Kleene. Immer mehr Unternehmen buchen diesen Service, darunter Banken, Beratungsfirmen und Tech-Konzerne. So wollen sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Corona-Pandemie mittlerweile fast alle ins Home-Office katapultiert hat, wenigstens ein paar besinnliche Stunden bescheren.

Sendung: hr-iNFO, 26.11.2021, 8.30 Uhr