Eine Frau arbeitet in ihrer Wohnung vor einem Computer an einem Schreibtisch.

Die Homeoffice-Pflicht ist Geschichte. Ein Großteil der Beschäftigten würde aber gerne weiter aus der eigenen Wohnung arbeiten. Wie gehen die größten hessischen Arbeitgeber damit um? Eine Umfrage.

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Seit dem 1. Juli gilt die Homeoffice-Pflicht in Deutschland offiziell nicht mehr. Damit dürfen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer laut Gesetz zurück ins Büro kehren. Doch viele wollen das gar nicht. Laut einer repräsentativen Umfrage der Krankenkasse DAK können sich 58 Prozent der befragten Hessinnen und Hessen vorstellen, in Zukunft mindestens die Hälfte der Zeit von zu Hause aus zu arbeiten.

hr-Umfrage: Kombination aus Büro und Homeoffice

Dass nicht nur die Beschäftigten, sondern auch Unternehmen Homeoffice inzwischen schätzen, zeigt eine hr-Umfrage unter Hessens größeren Arbeitgebern: Die meisten setzen auf ein hybrides Arbeitsmodell - eine Kombination aus Arbeit vor Ort und zu Hause. Eine Auswahl:

  • Deutsche Bank: "Aus unserer Sicht hat die Corona-Krise den Wandel in der Arbeitswelt nicht ausgelöst, aber beschleunigt", sagte Christian Streckert, Sprecher der Deutschen Bank in Frankfurt. Während der Corona-Krise seien 80 Prozent der Bank-Mitarbeiter zu Hause gewesen. "Dieses neue Arbeitsmodell wird mehr flexibles Arbeiten ermöglichen und gleichzeitig die Bedeutung des Büros als Ort der Zusammenarbeit und des persönlichen Austauschs in unserer Organisation erhalten", so der Sprecher.
  • Opel: Der Autobauer Opel in Rüsselsheim zeigt sich sehr offen für Homeoffice. Opel-Personalchef Ralph Wangemann sagte, in der Pandemie hätten die meisten Beschäftigten aus der Verwaltung, dem Vertrieb oder der Entwicklung nicht im Büro, sondern zu Hause gearbeitet. Für Wangemann ist das ein Zukunftsmodell. "Nun arbeiten wir an einer dauerhaften Regelung. Dabei soll das mobile Arbeiten durchaus bis zu 70 Prozent der Arbeitszeit möglich sein." Das bedeutet: drei bis vier Tage pro Woche Homeoffice. Dies muss allerdings noch mit dem Betriebsrat ausgehandelt werden.
  • Fraport: Der Frankfurter Flughafenbetreiber hat seine interne Homeoffice-Sonderregelung bis Ende September verlängert. "Dennoch sind wir froh, wenn wir bei sinkenden Inzidenzen bald wieder vermehrt Termine vor Ort abhalten und Angelegenheiten auf dem kurzen Dienstweg klären können", sagte Sprecherin Sandy Chen. Arbeiten von zu Hause aus soll aber auch danach möglich sein. Eine entsprechende Betriebsvereinigung werde gerade ausgehandelt.
  • Commerzbank: Die Bank ermöglicht und empfiehlt ihren Beschäftigten weiterhin, von zu Hause aus zu arbeiten. "Auch wenn Mitarbeiter dann vielleicht vermehrt zurück ins Büro kommen, soll die Anwesenheit pro Einheit in den Büroräumlichkeiten nicht über 50 Prozent liegen", erklärte Sprecherin Andrea Bamberger. Mobiles Arbeiten habe in der Commerzbank einen hohen Stellenwert. Das Institut geht davon aus, dass das Homeoffice-Angebot künftig noch stärker genutzt werde als vor der Pandemie.
  • Kion Group: Auch der Anbieter von Gabelstaplern und Lagertechnik mit Sitz in Frankfurt setzt nach der Pandemie auf ein Hybridmodell. "Allerdings ist das für uns nicht ganz neu, da bei der Kion Group schon vor Corona regelmäßige Homeoffice-Möglichkeiten bestanden und genutzt wurden", sagte Sprecher Frank Grodzki. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten die unerwartete Situation schnell und sehr flexibel angenommen - auch wenn das Arbeiten für manche eine Herausforderung gewesen sei.
  • Fresenius und Fresenius Medical Care: Auch bei dem Medizintechnik- und Gesundheitskonzern mit Sitz in Bad Homburg gab es mobiles Arbeiten auch schon vor der Pandemie. "Die insgesamt guten Erfahrungen, die wir während der Pandemie mit dem dauerhaften und fast ausschließlichen Arbeiten im und aus dem Home-Office gemacht haben, sprechen für eine weitere Flexibilisierung", sagte Sprecher Leif Heussen.
  • Merck: Der Darmstädter Pharmakonzern bezeichnet sich selbst als Pioneer beim mobilen Arbeiten. Das habe sich bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 extrem positiv bemerkbar gemacht. Zugleich laufe die Arbeit in Produktion und Laboren vor Ort die ganze Zeit weiter.
  • Sanofi: Auf ein Hybridmodell mit Tendenz zum Arbeiten vor Ort setzt auch das Pharmaunternehmen Sanofi mit Sitz in Frankfurt-Höchst. Mobiles Arbeiten war laut Sprecherin Birgitt Sickenberger auch schon vor der Pandemie möglich. Es sei aber nicht so üblich gewesen. "Es gab dazu eine Gesamtbetriebsvereinbarung, die nun, basierend auf den Erfahrungen in der Pandemie überarbeitet wird", sagte Sickenberger. Auch wenn Homeoffice gut funktioniert habe - nun sei die Zeit gekommen, in der man den direkten Austausch vor Ort wieder herbeisehne und auch anstrebe.
  • Lufthansa: Auch bei der Airline Lufthansa ist Arbeiten von zu Hause aus im administrativen Bereich üblich. "Viele Elemente, die derzeit mit 'New Work' bezeichnet werden, nutzen wir im Unternehmen bereits seit vielen Jahren, beispielsweise Arbeitszeit- und –Arbeitsort-Autonomie", so Sprecherin Anja Stenger. Dies soll auch weiter so bleiben.
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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Homeoffice-Pflicht endet - wie geht es jetzt weiter?

Eine Frau nimmt wegen des Coronavirus aus ihrem Wohnzimmer an einer Telefonkonferenz teil ()
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  • Stadt Frankfurt: Bei der einwohnerstärksten hessischen Stadt ist nach eigenen Angaben eine größere Offenheit für flexible Arbeitsformen entstanden. "Die Einbindung in die Organisation und das Pflegen sozialer Kontakte sind uns sehr wichtig", sagte Sprecherin Iris Martens. Deswegen sei mobiles Arbeiten nur in einer Hybridform möglich.

Vorteile: Zeitgewinn und Familie

Wie schnell sich die Gewohnheiten, wie und wo wir arbeiten, geändert haben, zeigen weitere Zahlen aus der DAK-Studie. Vor der Pandemie war demnach nur fast jeder zehnte Hesse im Homeoffice (11 Prozent). In der ersten Corona-Welle hat sich der Anteil deutlich erhöht. Im April und Mai 2020 war jeder Zweite regelmäßig von zu Hause aus tätig.

In Hessen sagen 88 Prozent der Männer und Frauen im Home-Office, dass sich Aufgaben grundsätzlich dort genauso gut erledigen ließen wie am normalen Arbeitsplatz in der Firma. Auch nach Monaten zu Hause sind sie mit diesem Modell weiterhin sehr zufrieden: Sechs von zehn Arbeitnehmern empfinden sich sogar als produktiver und nehmen die Arbeit im Homeoffice angenehmer wahr als im Büro.

Was die Beschäftigten vor allem schätzen, ist der Zeitgewinn, weil der Weg zur Arbeit wegfällt (79 Prozent). Die Aufgaben lassen sich den Antworten zufolge auch gezielter über den Tag verteilen (70 Prozent), und sehr viele könnten Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren (86 Prozent). 

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Ihre Kommentare Homeoffice oder Büro - wie und wo arbeiten Sie am liebsten?

23 Kommentare

  • Hallo,

    Ich bin gern im Homeoffice. Es ist einfach ruhiger als im Großraumbüro und man spart Fahrtzeit. Außerdem kann man auch mal die Kinder zuhause haben - die machen auch nicht mehr Krach und Unruhe als die Büro-Sirene. Das Telefon funktioniert eh übers Internet, ob man da in der Firma ist oder nicht ist egal. Absprachen sind teilweise etwas schwieriger, weil man den Kollegen gegenüber nicht einfach anbabbeln kann, aber eigentlich ist das auch gut so, denn das Zwischendurch-einfach-mal-Ansprechen reißt einen immer wieder aus dem Vorgang heraus, den man gerade bearbeitet.

    Ansonsten sehe ich das wie Petra und hoffe, dass zwei Präsenztage genug sind. Hoffen wir mal, dass sich nicht die Dinosaurier durchsetzen und uns mit ihrem Scheuklappendenken in die Suppe spucken.

    Viele Grüße

  • Mir ist die Arbeit im Home-Office lieber, weil ich auch früher nicht dauernd mit den anderen persönlich zusammengearbeitet habe - und ob ich aus dem Büro oder von zu Hause anrufe oder eine Mail schreibe, kommt letztendlich auf das Gleiche raus.

    Die Unternehmen sollten es ihren Mitarbeitern überlassen, je nach Bedarf zu entscheiden von wo sie arbeiten wollen - das führt zu motivierteren und produktiveren Mitarbeitern, spart Kosten auf beiden Seiten und schont die Umwelt! Insbesondere für Pendler mit längeren Wegen ist das Home-Office eine gute Lösung die viel Stress, Zeit und Geld spart. Und wer soziale Kontakte ausschließlich im Büro pflegt oder von zu Hause "flüchtet", sollte vielleicht mal darüber nachdenken ... - die Gründe, warum einige sehr gerne ins Büro fahren sind manchmal recht interessant ...

  • Bei mir im Büro ist es nie erlaubt Homeoffice zu machen. Schade:( ich will schon gerne Homeoffice probieren!

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