Ryanair landet auffällig oft nach 23 Uhr in Frankfurt.

Juristische Niederlage für die Fluggesellschaft Ryanair: Verspäten sich Flieger wegen des Nachtflugverbots am Frankfurter Flughafen, steht den Passagieren eine Entschädigung zu.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Juristische Niederlage für die Fluggesellschaft Ryanair

Ein Flugzeug der Airline Ryanair rollt zum Vorfeld des Flughafens Frankfurt.
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Geklagt hatte ein Ehepaar aus Hofheim am Taunus, das nicht namentlich genannt werden möchte. Im vergangenen Jahr war es mit Ryanair von Nordspanien nach Frankfurt geflogen. Am Frankfurter Flughafen sollte die Maschine laut Plan um 22 Uhr landen. Eine Stunde, bevor das Nachtflugverbot beginnt. Dann aber geriet das Flugzeug in ein Unwetter und kam dadurch zu spät.

Am Frankfurter Flughafen war eine Landung nicht mehr möglich, nur noch am Frankfurt-Hahn-Airport, der über 120 Kilometer entfernt von Frankfurt im Hunsrück in Rheinland-Pfalz liegt. Dort gelten nicht so strenge Vorgaben. Von dort aus wurden die Passagiere mit Bussen nach Frankfurt gefahren. So erreichte auch das betroffene Ehepaar den Frankfurter Flughafen fünf Stunden später als geplant.

Betroffene haben Anrecht auf Entschädigung

Die Eheleute forderten deshalb eine Entschädigung. Dieses Geld steht ihnen auch zu, heißt es nun in einem schriftlichen Urteil des Amtsgerichts Frankfurt, über das als erstes die Frankfurter Rundschau berichtet hat. Jeder von ihnen soll 250 Euro bekommen - so wie es bei solchen Flugverspätungen europaweit vorgesehen ist.

Dieses Geld wollte das Unternehmen zunächst nicht zahlen, weil man sich für die Flugverspätungen nicht verantwortlich fühlt. Die zuständigen Rechtsanwälte sprachen von "außergewöhnlichen Umständen" und nahmen damit indirekt Bezug auf das Wetter. Die Richter sehen das nun anders. Hauptsächlich führen sie die Verspätung auf das Nachtflugverbot zurück und halten das nicht für außergewöhnlich.

Mit Methode?

In ihrer Urteilsbegründung gehen die Richter noch einen Schritt weiter. Sie üben deutliche Kritik an der Unternehmenspraxis von Ryanair: "Denn die Fluggesellschaft kalkuliert bewusst die Risiken des eventuell eintretenden Nachtflugverbotes mit ein, wenn sie Flüge - wie hier - in dessen zeitliche Nähe legt."

Selbst wenn Flieger zwei Stunden vorher landen sollen, halten die Richter das bereits für problematisch. Zu dem Urteil selbst hat sich Ryanair bislang nicht geäußert. Rechtsmittel kann das Unternehmen nicht einlegen.

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Aktenzeichen

32 C 5554/19(69)

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Grundsatzurteil für Flughafen und Anwohner

Das hessische Verkehrs- und Wirtschaftministerium sieht bereits eine Verbesserung bei den nächtlichen Flügen. Demnach gab es im November 14 verspätete Landungen. Zwei Jahre zuvor waren es noch etwa drei Mal so viele.

Das führt eine Sprecherin des Ministeriums darauf zurück, dass man immer strenger kontrolliere und auch immer höhere Zuschläge verlange, sollten Flieger verspätet landen. Das aktuelle Urteil könnte ebenfalls dazu beitragen, dass das Nachtflugverbot künftig nicht mehr ausgehebelt wird.

Sendung: hr-iNFO, 06.01.20, 16.00 Uhr