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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Entsorger können Recyclingquote nicht einhalten

Recycling-Quote

Eigentlich soll mehr als die Hälfte vom Müll im Gelben Sack recyclet werden. Doch die Entsorger können die Quote nicht einhalten - und geben den Verbrauchern die Schuld. Das Umweltministerium fordert bessere Aufklärung.

Seit einem Jahr gilt bundesweit das Verpackungsgesetz. Seitdem müssen 58,5 Prozent der Kunststoffe recycelt werden - vorher waren es 36 Prozent. Bis zum Jahr 2022 soll sogar eine Quote von 63 Prozent erreicht werden. Ein Jahr nach Einführung des Gesetzes geben sich die Entsorger alarmiert. Die Quote sei nicht realistisch, sagt der Geschäftsführer des Entsorgungsunternehmens Lobbe, Michael Wieczorek.

Entsorger: Verbraucher entsorgen falsch

Es gebe "unverändert eine nicht zufriedenstellende, teilweise auch sehr ärgerlich hohe Fehlwurfrate", sagt Wieczorek. Auch ein hochproduktives Entsorgungsverfahren könne mit falsch entsorgtem Müll nicht umgehen. Schon wer einen Plastikbecher mit Aluminiumdeckel in den Gelben Sack werfe, mache einen Fehler. Denn Sortieranlagen könnten den Becher nicht vom Deckel trennen.

Beim Gelben Sack gebe es rund 30 Prozent Fehlwürfe, bei der Gelben Tonne seien es über 40 Prozent, in der Wertstofftonne sogar rund die Hälfte, sagt Wieczorek. So entstehe tonnenweise falsch einsortierter Müll, der nicht recyclet werden könne.

Umweltministerium: Quote "durchaus anspruchsvoll"

Wieczorek ist für die Sortieranlagen für Leichtverpackungen im südhessischen Gernsheim (Groß-Gerau) und in Iserlohn (Nordrhein-Westfalen) verantwortlich. Gernsheim ist die einzige Sortieranlage in Hessen, in der Gelbe Säcke landen, insgesamt rund 120.000 Tonnen im Jahr - von 4,5 Millionen Einwohner aus Hessen und dem nördlichen Bayern und Baden-Württemberg. Wegen der vielen Fehlwürfe werden die Sortieranlagen in Gernsheim und Iserlohn die geforderte Recyclingquote im Jahr 2019 nicht erreichen, sagt Wieczorek.

Das hessische Umweltministerium räumt ein, dass die Recyclingquote "durchaus anspruchsvoll" sei. Die Quote sei aber sinnvoll, um das Recycling insgesamt voran zu bringen, heißt es auf Anfrage des hr. Auch das Ministerium sieht die Fehlwürde als Hauptproblem. Deshalb seien Informationskampagnen und Abfallberatung sinnvoll.

Auch Verpackungsindustrie Schuld an geringer Recyclingquote

Die acht Wettbewerber auf dem bundesweiten Recycling-Markt sind per Gesetz nun zu einer Aufklärungskampagne verpflichtet worden, die Anfang dieses Jahres startet. Wenn dadurch die Verbraucher lernen, den Alu-Deckel vor dem Wegwerfen vom Joghurtbecher abzureißen, dürfte schon einiges gewonnen sein.

Aber nicht nur unaufgeklärte Verbraucher scheinen an der geringen Recyclingquote Schuld zu sein. Auch die Verpackungsindustrie trägt ihren Anteil daran. Probleme bereiten sogenannte Verbundkunststoffe, in denen mehrere Plastiksorten zusammengemischt werden - wie zum Beispiel in Pet-Schalen, die bei Fleischverpackungen verwendet werden. Sie enthalten bis zu 15 unterschiedliche Stoffe. Auch das kann in der Sortieranlage nicht recyclet werden - und muss verbrannt werden.

Weitere Informationen

Was kommt in den Gelben Sack (Gelbe Tonne)- und was nicht?

Schokoladen-Alufolie, Tierfutterdosen oder Zahnpastatupen müssen in den Gelben Sack. Feuerzeuge, Windeln oder Zahnbürsten gehören nicht rein. Und bei einer Shampooflasche sollte zum optimalen Recyclen der Schraubaufsatz getrennt in den Gelben Sack. Wer unsicher ist, was wohin gehört, kann die Regeln auf der Internetseite des Abfallentsorgers Grüner Punkt nachlesen.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, 02.01.2019, 18.36 Uhr