Rot beleuchteter Poller vor der Deutschen Bank

Mit einem Großaufgebot werden seit Donnerstag mehrere Räume der Deutschen Bank durchsucht, darunter die Zentrale in Frankfurt. Verantwortlichen der Bank wird Geldwäsche vorgeworfen. Es geht um hunderte Millionen Euro.

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hs
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Die Durchsuchungen bei der Deutschen Bank wegen des Verdachts auf Geldwäsche gehen weiter. Die Razzia sei am Freitag fortgesetzt worden, um weiteres Material zu sichten, sagte eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Bereits am Donnerstag hatte ein Großaufgebot von Polizeikräften im Auftrag von Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) unter anderem die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt durchsucht. Verantwortlichen des Geldhauses wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft Geldwäsche vorgeworfen.

Der Verdacht: Mitarbeiter des Konzerns halfen Kunden dabei, sogenannte Off-Shore-Gesellschaften in Steuerparadiesen zu gründen und Gelder aus Straftaten zu waschen. Es handele sich um Geld "insbesondere aus Auslands-Steuerstraftaten", sagte Staatsanwalts-Sprecherin Nadja Niesen.

Im Zuge der Razzien wurden zahlreiche Geschäftsunterlagen sichergestellt. Die Auswertung dauert noch an.

170 Beamte im Einsatz

Insgesamt seien etwa 170 Beamte der Staatsanwaltschaft, des BKA, der Steuerfahndung und der Bundespolizei an der Großrazzia beteiligt. Durchsucht werden auch Geschäftsräume des Geldhauses in Eschborn (Main-Taunus) und eine Privatwohnung in Groß-Umstadt (Darmstadt-Dieburg). "Die Ermittlungen richten sich gegen zwei 46 und 50 Jahre alte Mitarbeiter sowie andere bislang nicht identifizierte Verantwortliche des Unternehmens", teilte die Sprecherin mit.

In Gang gebracht hatten die Ermittlungen die Auswertung der beim BKA vorliegenden Daten aus den sogenannten "Offshore-Leaks" und den "Panama Papers". Dabei sei der Verdacht entstanden, "dass die Deutsche Bank AG Kunden bei der Gründung von sogenannten 'Offshore-Gesellschaften' in Steuerparadiesen behilflich war", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro - in einem Jahr

Dabei seien Gelder aus Straftaten auf Konten der Deutsche Bank transferiert worden, "ohne dass die Bank Geldwäscheverdachtsanzeigen erstattete". Dazu ist das Geldhaus per Gesetz verpflichtet.

Die Ermittlungen laufen nach Angaben von Oberstaatsanwältin Niesen seit August und erstrecken sich auf einen Zeitraum von 2013 bis 2018. Im vorliegenden Fall sollen über eine zum Konzern gehörende Gesellschaft mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln allein im Jahr 2016 über 900 Kunden mit einem Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro betreut worden sein.

Aktie der Deutschen Bank sackt ab

"Wir waren der Ansicht, dass wir den Behörden alle relevanten Informationen zu den Panama Papers bereitgestellt hatten", erklärte die Deutsche Bank in einer Stellungnahme. "Selbstverständlich werden wir eng mit der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main kooperieren, da auch uns daran gelegen ist, alle Verdachtsmomente aufzuklären. Wir haben in den vergangenen Jahren stets bewiesen, dass wir mit den Behörden vollumfassend kooperieren. Und das werden wir auch weiter so halten."

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) bestärkte die Behörden, bei den Ermittlungen gegen die Deutsche Bank konsequent vorzugehen. "Das Recht gilt für alle, auch für alle Banken", sagte Barley der "Rheinischen Post" (Freitag). "Hier geht es um massive Ungerechtigkeiten zulasten von uns allen. Wer sich da schuldig gemacht hat, muss sich dafür verantworten", sagte Barley der Zeitung.

An der Börse kam die Nachricht nicht gut an: Die jüngste Erholung der Aktien des Finanzinstituts endete abrupt. Am Vormittag sackten die Papiere zwischenzeitlich um bis zu 4,89 Prozent auf 8,17 Euro ab, erholten sich in der Folge aber wieder etwas.

"Sonderaufpasser" erst vor Kurzem eingesetzt

Die Razzia kommt für die Deutsche Bank zur Unzeit: Erst im September hatte die Finanzaufsicht Bafin Deutschlands größtem Geldhaus einen Sonderaufpasser verordnet, der darüber wachen soll, dass die Deutsche Bank Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ausreichend bekämpft - ein bis dato einmaliger Vorgang in der deutschen Finanzbranche.

Offshore-Firmen verlagern ihr Geschäft ähnlich wie Briefkastenfirmen ins Ausland, um unter anderem Steuervorteile zu nutzen. In Hessen werden derzeit mehr als hundert Fälle von möglicher Steuerhinterziehung überprüft, die aus den im April 2016 bekannt gewordenen "Panama Papers" hervorgegangen sind. Die "Offshore-Leaks" waren bereits im April 2013 öffentlich geworden.