Warnstreik bei der Kasseler Verkehrsgesellschaft

Am Dienstag legen in Hessen vielerorts wieder Mitarbeiter des öffentlichen Diensts die Arbeit nieder. Am härtesten trifft es wohl Kassel: Dort werden unter anderem Busse, Bahnen und dutzende Kitas bestreikt.

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Streik in Kassel
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Die Gewerkschaft Verdi hat für Dienstag erneut zu Warnstreiks im öffentlichen Dienst von Hessen aufgerufen. Mit Aktionen in mehreren Städten will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen weiter erhöhen. Besonders betroffen ist Kassel.

Busse und Bahnen fahren nicht

Dort legt der öffentliche Dienst am Dienstag in so gut wie allen Bereichen die Arbeit nieder. Neben zahlreichen Kitas und der Verkehrsgesellschaft (KVG) streiken unter anderem auch Mitarbeiter des Klinikums, der Stadtverwaltung und der Stadtreinigung, wie Verdi mitteilte. Nach Angaben der KVG fahren an diesem Tag voraussichtlich keine Busse und Bahnen auf den Linien 1 bis 29. Die Termine der Müllabfuhr verschieben sich in dieser Woche jeweils um einen Tag nach hinten, teilte die Stadt mit.

31 Kitas in Kassel betroffen

Insgesamt sind 31 Kitas in Kassel von dem Streik betroffen. Die meisten bieten eine Notbetreuung an, fünf bleiben komplett geschlossen. Auf der Internetseite der Stadt erfahren Sie, welche Einrichtungen betroffen sind.

Aktionen in vielen Städten

Auch in Frankfurt, Wiesbaden, Rüsselsheim, Groß-Gerau, Wetzlar, Marburg, Gießen, Darmstadt, Pfungstadt und Erbach hat Verdi Streiks und Aktionen geplant. Betroffen sind die öffentliche Verwaltung, Altenheime, Krankenhäuser, Sozial- und Jugendämter, soziale Dienste, Kreissparkassen, Kitas, die Stadtreinigung und Fuhrämter.

In Frankfurt soll gegen Mittag eine Menschenkette am Mainufer gebildet werden. In Wiesbaden kommt es zu einem Demonstrationszug vom Hauptbahnhof zum Dernschen Gelände - im Anschluss wird eine Kundgebung abgehalten. In Gießen, Marburg und Darmstadt fahren Streikende in Fahrrad- und Autokorsos durch die Innenstädte.

Die geplanten Aktionen würden nach den jeweiligen Hygieneauflagen verlaufen. "Gesunderhaltung ist uns ein hohes Gut. Deswegen haben wir bei unseren Aktionen Wert darauf gelegt, dass wir die Beteiligten und die Bevölkerung schützen", sagte Landesbezirksleiter Jürgen Bothner.

Seehofer sieht gute Chancen auf Einigung

Verdi fordert mit den Warnstreiks in Hessen weiterhin eine Anhebung des Einkommens im öffentlichen Dienst um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro monatlich. Auch die Vergütung für Auszubildende und Entgelte für Praktikanten sollen um 100 Euro im Monat steigen. Das Angebot der Arbeitgeber bislang sei "nicht akzeptabel", so Bothner. "Die Arbeitgeberseite hat die bisherigen Warnungen ausgeschlagen."

Der Bund sieht hingegen gute Chancen auf eine Einigung noch in dieser Woche und damit auf ein Ende der Warnstreiks. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sei zuversichtlich, "dass es gelingen kann, am Verhandlungstisch einen Abschluss zu finden“, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in Berlin. Am Donnerstag und Freitag treffen sich die Konfliktparteien in Potsdam zur dritten Verhandlungsrunde.

Bereits in den vergangenen Wochen waren Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes mehrfach in Warnstreiks getreten. Erst Anfang Oktober hatte ein Streik große Teile des Nahverkehrs in Kassel, Wiesbaden und Frankfurt lahmgelegt.

Sendung: hr4, 19.10.2020, 17 Uhr