Erntehelfer auf dem Spargelfeld

Spargel- und Erdbeerhöfe suchen immer noch händeringend Erntehelfer. Einige hessische Landwirte können aufatmen, denn die ersten Mitarbeiter aus Rumänien sind eingetroffen. Für den knochenharten Einsatz gelten strenge Auflagen.

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hs
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Rolf Meinhardt ist erleichtert. Auf seinem Spargel- und Erdbeerhof in Weiterstadt kann die Saison endlich richtig beginnen. Seit wenigen Tagen hat er wieder mehr Personal für die Spargel- und Erdbeerernte. Am Ostermontag kamen die ersten Flugzeuge mit rumänischen Erntehelfern am Flughafen Frankfurt Hahn an. Darunter auch 80 Frauen und Männer, die für Rolf Meinhardt arbeiten.

Anfang des Monats hatten sich Bundeslandwirtschafts- und Innenministerium darauf geeinigt, trotz der Corona-Pandemie Erntehelfer aus Osteuropa unter strengen Gesundheits- und Hygieneauflagen nach Deutschland zu holen. Zuvor hatte es seit 25. März einen Einreisestopp gegeben. Ohne sie wäre das Ernten schwierig geworden, sagt Landwirt Meinhardt. "Wir brauchen im Moment jeden Mann!"

Arbeitskräfte aus Deutschland hätten die Lücken laut Meinhardt nicht stopfen können: Der Job will gelernt sein und ist harte Knochenarbeit. Über den Mindestlohn hinaus geht die Bezahlung in aller Regel nicht.

Für die eingeflogenen Erntehelfer gelten strenge Regeln

Für jeden Helfer hat Meinhardt rund 500 Euro Bus- und Flugkosten aufgewendet. An mehreren Standorten seines Betriebs stehen nun Wohncontainer. "Wir müssen für die Leute, die neu gekommen sind, Quarantänebestimmungen einhalten." Seine 80 neuen Mitarbeiter hat er deshalb in vier Gruppen aufgeteilt. Immer 20 Arbeiter sind zusammen, dürfen 14 Tage lang mit keinem der anderen Mitarbeiter in Kontakt treten und ausschließlich die ausgewiesenen Bereichen des Hofes betreten. Einkaufen übernimmt die Familie Meinhardt.

Auch die Arbeitszeiten, der Transport von der Unterbringung zum Feld und die Essenszeiten sind streng geregelt. "Die eine Gruppe fängt schon um sechs Uhr morgens an und geht dann auf das Feld. Die anderen kommen erst später", erzählt der Spargelbauer. So will er sicherstellen, dass sich die einzelnen Gruppen nicht begegnen und niemand krank werden kann. Die neuen Regeln hat Meinhardt auch ins Rumänische übersetzen lassen, damit sie für seine Mitarbeiter zugänglich sind.

Gerade erst hat ein Fall aus dem baden-württembergischen Bad Krozingen gezeigt, wie wichtig Schutz gerade für die Saisonarbeiter selbst ist. Die Behörden hatten vergangene Woche einen Spiegel-Bericht bestätigt, wonach ein rumänischer Erntehelfer nach einer Corona-Infektion gestorben ist. Der 57-Jährige hatte sich wohl in Deutschland angesteckt.

Trotz der Helfer hoher Ernteverlust

Durch die bundesweite Aktion sind bereits 30.000 Erntehelfer aus Osteuropa nach Deutschland geflogen worden. Ungefähr 2.000 davon sind nach Hessen gekommen. Damit sei das Problem aber noch nicht gelöst, so ein Sprecher des hessischen Bauernverbandes. Mit Blick auf den Rest der Saison sei das drei- oder vierfache der vorhandenen Kräfte notwendig.

Mit den Erntehelfern aus Rumänien hat Spargelbauer Meinhardt nun insgesamt 135 Mitarbeiter auf seinem Hof. Viele von ihnen hatte er schon kommen lassen, bevor die Grenzen geschlossen wurden. Für die Hochsaison der Erdbeerernte bräuchte er aber eigentlich die doppelte Anzahl an Helfern. "Die werde ich aber wohl nicht bekommen", meint er. Deshalb sei schon jetzt mit einem Ernteverlust von 30 bis 40 Prozent zu rechnen.

In der Krise regionale Produkte kaufen

Die Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen verweist deshalb auch weiterhin auf die Möglichkeit, deutsche Arbeitskräfte über Portale wie Bauer sucht Hilfe! zu rekrutieren. Verbraucher könnten außerdem ganz einfach helfen, indem sie gerade jetzt auf regionale Produkte setzen. So könne man am besten die lokalen Betriebe unterstützen. Genau darauf hofft auch Rolf Meinhardt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 17.04.2020, 16.45 Uhr